1. Probe Frankreich: Sportliche Eleganz, slightly overdone

Anggun und ihre Recken entern die Bühne und versprühen eine lang vermisste Eleganz auf der  Bühne in Baku. Leider wirkt das Ganze gleichzeitig auch ein wenig overdone. „Echo (You and I)“ mag nicht der eingängigste Song sein und polarisiert weiterhin, die Bühnenshow ist in jedem Fall hochkarätig besetzt und auffallend.

Eigentlich hätte Anggun auch diese Bühnenshow nicht nötig. Wie unzählige Male beim Tingeln durch alle möglichen Vorentscheide bewiesen, ist diese Frau eine Erscheinung an sich und füllt eine Bühne ganz allein. Doch gestern schon kam der Delegationsleiter Bruno Berberes zu mir und erzählte mir voller Stolz, welche Weltmeister er alle für den Stage Act von Anggun bekommen konnte. Dazu gab es eine Sneak Preview der Choreographie auf seinem Laptop, an der ich schon sehen konnte, dass dies sicherlich keine übliche Larifari-Inszenierung geben würde wie in sovielen überchoreographierten Beiträgen beim ESC.

Aber nicht alle Teile schienen mir ganz so neu und frisch, wie er sie darstellte. Irgendwie kündigt er uns ja jedes Jahr was vollkommen Außergewöhnliches an. Und häufig genug ging der Schuss ja schon nach hinten los.

Die diesjährige Performance beinhaltet nun Anggun mittig vorn, dahinter drei Bühnenelemente, auf/an denen drei (im letzten Durchlauf halbnackte) Herren Akrobatisches vollführen, und schließlich ganz links und rechts flankiert von zwei Backings, die zwischendurch sogar mal temporär in die Choreo mit einsteigen. Weiterhin spielt ein weißes Tuch eine Rolle, mit dem Anggun spielt, und das in sertabesker Manier strahlenförmig von Anggun weggehalten wird, dann aber aufgrund seiner speziellen Textur interessante Formen wirft und toll von der Kamera eingefangen wird.

In der PK hat Bruno das ganze Team natürlich gelobt (das macht er auch gerne mal ausführlich), betonte aber, das dies nur die erste Probe gewesen sei und noch 10 Tage Zeit seien. Er scheint also noch nicht so ganz überzeugt zu sein. Meine Frage nach den drei Sportlern (ihres Zeichens Welt- oder Vizeweltmeister in Breakdance, Gymnastics und einer brasilianischen Sportart, die mir jetzt grade entfallen ist), wurde nicht richtig beantwortet: wie sie zur Teilnehme am Projekt „Anggun beim ESC“ eingeladen worden seien und wie es war, die drei Sportarten choreographisch zu kombinieren.

Anggun hat übrigens eine interessante Lebensgeschichte. Sie stammt eigentlich aus Indonesien und dass sie in Frankreich lebt, sei eher zufällig gekommen. Eigentlich sollte sie vor einigen Jahren von ihrem damaligen Wohnort London nach Amsterdam ziehen, weil ihr dies karrierezuträglich erschien, war aber ein Wochenende in Paris zu Besuch und blieb dort hängen. Aserbaidschan als Land, sagt sie, hätte sie bis vor einem Jahr gar nicht wahrgenommen, hat sich aber in den letzten Wochen etwas eingelesen in Geschichte und Kultur des Landes, und eine persönliche Parallele entdecken können – die Kombination aus West und Ost sei genau das, was sie selbst auch kennzeichne. Daher habe sie auch ein besonderes Interesse.

Dies war übrigens die einzige Pressekonferenz für Frankreich (wie alle Big 5 Länder und Aserbaischan halten die Franzosen nur eine).