1. Probe Georgien: The joker deep inside you

Dieser Auftritt hatte es in sich: zum ersten Mal seit dem desaströsen Finale aus Tiflis hat mir „I’m a joker“ tatsächlich gefallen. Was eine Bühnenshow so alles bewirken kann… Aus dem potenziellen 0-Punkte-Kandidaten ist ein akustisches und optisches Feuerwerk entstanden, dass die Crystal Hall förmlich erbeben liess.

Der linke Catwalk bildet den Ausgangspunkt des Jokers, der mit einem Monolog auf georgisch beginnt, bevor er sich auf die Bühne stellt und mit der Joker-Smoker-Poker-Arie beginnt. Bühnenelemente sind ein klassisches Piano, eine georgische Trommel (wie in jedem georgischen Beitrag bisher mindestens ein traditionelles Stück auf der Bühne), und diese vier Podeste, von den die vier Damen runtersteigen. Und im letzten Durchlauf schoss es unaufhörlich aus den Pyro-Düsen, ein Wunder, dass Anri Jokhadze noch in einem Stück von der Bühne gehen konnte.

Wie gesagt, das niederprasselnde Feuerwerk ist packend und immerhin so spannend, dass man 3 Minuten lang nicht an die eigentlich eingeplante Pinkelpause denkt, sondern gebannt schaut, zu welchen weiteren Verrenkungen er sich noch hinreissen lässt, oder welche der Backings vor lauter Pyro nun als Erste in Flammen aufgeht. Fand ich sehr gelungen, dafür dass der Song an sich ziemlich nervt.

Die Pressekonferenz war mit eine der längsten bisher (obwohl kaum einer da war), was hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dass fast jede Frage auf russisch gestellt wurde und in einem völlig umständlichen Verfahren übersetzt, beantwortet und wieder rückübersetzt werden musste. Nicht selten redeten Head of Delegation und Head of Press wild durcheinander und zogen das Trauerspiel noch weiter in die Länge.

Immerhin erfuhren wir, dass Anri schon mit Sabina Babayeva zusammengearbeitet hat und dass es morgen abend eine grosse Party geben soll (und die georgischen Partys sind ja legendär). Ich habe die – neue – Head of Delegation gefragt, was sie uns denn morgen abend singen möchte auf der Länderparty; wir erinnern uns – 2010 in der Osloer Oper hatte ihre Vorgängerin, die langjährige Delegationsleiterin Maya, selbst zum Mikro gegriffen und ein paar georgische Lieder zum Besten gegeben. Die jetzige (heisst auch Maya) erwiderte, sie singe eigentlich nur privat oder wenn sie was getrunken hat. Letzteres schliesst also nicht ganz aus, dass sie das Werk ihrer Vorgängerin weiterführt.

Der Song handelt übrigens von den ganzen versteckten Energien und Talenten, die in jedem von uns stecken, und die nur entdeckt werden müssen. Der Monolog am Anfang ist offenbar eine Selbstansprache eines einsamen Menschen, der dann sein zweites, inneres Ich entdeckt und plötzlich völlig neue Seiten aus sich herausbringt. Sind die Schleusen einmal geöffnet, gibt es auch kein Halten mehr…

Einige andere Fragen kann ich hier nicht wiedergeben, da sie wie gesagt in völlig wirrem russischem Gequassel untergingen. Wird schon nicht so wichtig gewesen sein. Hauptsache, man entdeckt den Joker, der tief in einem steckt.