1. Probe Lettland: Weg mit dem Firlefanz

Dass Anmary mit einer guten Stimme gesegnet ist, wussten wir bereits. Dass der „Beautiful song“ mit reduzierter Buehnenshow und im neuen Arrangement auf einer grossen Buehne richtig was hermacht, war mir neu.

Natuerlich handelt es sich um die erste Probe, und da werden bekanntlich keine finalen Buehnenoutfits und Buehnenbilder praesentiert. Wirklich beeindruckend aber, wie aus diesem von vielen belaechelten Song ein richtig schoener Beitrag geworden ist. Anmary und ihre vier Backings haben eine simple Choreo einstudiert, die zum Glueck keinen Platz mehr fuer den ganzen Firlefanz aus dem lettischen Vorentscheid laesst. Wir erinnern uns mit Schaudern an einen Koffer, von dem gesprungen wurde, an merkwuerdige Fahnen-Outfits und ein Maerchenbuch mit dem Aufdruck „Eurovision“.

All das ist erstmal Geschichte. Und mit dem neuen Text (mit verbessertem Englisch) haben sich die Letten wohl auch vorgenommen, in die etwas ernst zu nehmende Richtung zu gehen. Wobei – etwas unkoordiniert wirkten die Bewegungen der Damen dann doch noch zuweilen (lediglich am Schluss sind ein paar schoene Kibbuztanz-angelehnte Aufmarschpassagen, die perfekt sitzen), was aber kaum vom starken Auftritt der Saengerin ablenkte.

Bisschen unschluessig war ich mir noch, was ich vom Background in den rumaenischen Farben blau-gelb-rot halten sollte, aber wie gesagt, das kann sich ja noch tausendmal aendern. Zu den Schlabberklamotten, die Anmary heute trug, passte das immerhin.

Interessant in der Pressekonferenz war sicherlich der Moment, als man Anmary bat, den Song anzustimmen, den sie wohl auch gestern am Flughafen bei der Ankunft gesungen haben soll (wenn ich das richtig mitbekommen habe). Das war ein azerisches, offenbar sehr bekanntes Lied, denn die Azeris im Saal standen ploetzlich alle auf und klatschten Beifall und johlten. Standing Ovations fuer Anmary direkt am ersten Tag, wer haette das gedacht…. da haben sich die Letten offenbar richtig vorbereitet, und in die Abendnachrichten muessten sie damit auch kommen. Eine der Backings war uebrigens schon 2002 bei Marie N Teil des lettischen Acts, erfuhr man noch.

Etwas gehandicappt war die PK darurch, dass man nicht nur akustisch auf dem Podium relativ schlecht die Fragen aus dem Publikum verstand (das Problem hatten andere Laender auch), sondern Anmary offenbar auch mit dem Englischen ein wenig Probleme hatte und sich viel uebersetzen bzw. soufflieren liess.

Da verlegte man sich dann doch nochmal aufs Singen und brachte einen lettischen Mitklatsch-Schlager (oder war es ein Kinderlied, es klang fast so, es hatte was von Schnappi…), und der Saal war wieder ganz Feuer und Flamme. Ein kurzweiliger Abschluss. Mein Fazit zu Anmary: leichter Daumen hoch!