1. Probe Portugal: Fröhlicher Filipa fehlt Feuer bei fadem Fado

„Sie weint so“, raunte mir eine Kollegin vorhin auf dem Gang der Crystal Hall mit leicht verzerrtem Gesichtsausdruck zu. Ein anderer Kollege rief „Laaaangweilig“ zu mir herüber. Was sicherlich nicht freundlich gemeint war, trifft aber den Nagel eigentlich sowohl im positiven als auch im negativen Sinn auf den Kopf.

Denn was anderes ist Fado, der Musikstil, für den sich die Portugiesen in diesem Jahr entschieden haben? Es ist die Musik der (zumeist unglücklichen) Liebe und der Sehnsucht – dazu passt Weinen doch eigentlich ganz gut! Zugegeben, jedermanns Sache ist diese Musik nicht, man muss sich schon darauf einlassen. Wenn einem das aber mal gelingt, dann ist es einfach wunderbar, zuzuhören!

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist die Frage, ob die Qualität gleichbleibend gut ist. Kann sie natürlich gar nicht sein, und das ist leider auch das Problem der Portugiesen in diesem Jahr. Der Song will einfach nicht richtig zünden. Die Strophe unterscheidet sich kaum vom Refrain und so sieht sich der Zuschauer einem im tragenden Schunkelrhythmus dahinfließenden Klangteppich ausgesetzt, der über keinen Höhepunkt zu verfügen scheint. Schade, kann man da nur sagen, das hat der kroatische Komponist des Songs, Andrej Babic, vor vier Jahren viel besser hinbekommen. Damals sang Vania Fernandes in Belgrad sein „Senhora do mar“ – der Song war von der Struktur viel dramatischer, die Performance fesselnd und die Interpretin charismatisch – all das scheint dem diesjährigen Fado-Versuch komplett zu fehlen.

Im kurzen gelben Paillettenkleid, das aus der Entfernung auf den ersten Blick aussieht wie eine umgeschneiderte Plastiktüte der österreichischen Supermarktkette Billa, und vor dem Hintergrund einer portugiesischen Stadt bei Nacht (Lissabon?) singen Filipa und ihr fünfköpfiger Chor den Song „Vida minha“ zwar gut und sicher, aber leider in einem insgesamt viel zu unspektakulären Ambiente.

Eingeklemmt zwischen Weißrussland und der ukrainischen Scream Queen Gaitana sehe ich, ehrlich gesagt, Null Chancen für Filipa auf einen Finaleinzug. Zudem kommt der Chor optisch nicht wirklich gut über den Schirm, die Fünf (insbesondere der männliche Teil)  sehen doch ein bisschen zu arg nach „Middle of the Road“ aus.

Und dass Filipa am nächsten Donnerstag wahrscheinlich scheitern wird, ist so schade, denn sie gehört zu diesen Schnuckelchen, die man auf der Stelle ins Herz schließt. Sichtlich gut gelaunt und etwas schüchtern beantwortete sie alle Fragen auf der Pressekonferenz mit einem nachgeschobenen Kichern – ganz entzückend!

So haben wir alle gelernt, dass es zwei Varianten von Fado gibt, welche Instrumente für diese Gattung wichtig sind, dass Fado eigentlich nicht immer traurig sein muss, sondern auch fröhlich sein kann. Der Moderator der Pressekonferenz fasste das gut zusammen, in dem er darauf hinwies, dass diese Musik unabhängig von ihrem Inhalt einfach berührt.

Bevor Filipa vor ungefähr 10 Jahren zum Fado kam und auch jetzt noch ist eine ganz große Leidenschaft von ihr das Karaoke-Singen. Und nun ratet mal, wessen Songs sie am allerliebsten nachgesungen hat – richtig: Whitney Houston! Was sagen wir dazu? BLESS HER!!!

Von Filipas Fröhlichkeit ließen wir uns dann auch gleich mitreißen und entschieden uns spontan zu einem Foto aus der Rubrik „Der Star und die Blogger“ (v.l. DJ Ohrmeister, Jan, Filipa und Peter), denn nach dem zweiten Semifinale werden wir dazu wohl keine Gelegenheit mehr haben:

Der Vollständigkeit halber hier auch der Probenclip: