1. Probe Russland: Backende Omis auf der Bühne

Baku Baku Kuchen: Die Mitfavoritinnen aus der Nähe des Urals, die Buranovskiye Babushki, haben sich eine neue Choreographie einfallen lassen, bei der ein Haushaltsgerät eine Rolle spielt und sorgten danach für einen Riesenauflauf bei ihrer Pressekonferenz. Jeder wollte ein Bild mit den süßen Grannies aus Buranovo haben.

Bereits heute morgen wurden die Babushki ins Pressezentrum gerollt – nicht in persona, sondern als Pappaufsteller mit einem Loch unter einem der roten Kopftücher, so dass jeder Anwesende mal Babushka sein konnte (hier stellte sich unser Fotograf Volli als Babushka-Proband zur Verfuegung).

Die allseits mit Spannung erwartete Probe lief anfangs etwas zäh, beim Soundcheck gab es muppetshow-artige schiefe Töne und die Begleitpersonen schoben die Omas bei der Stellprobe auch mal kurzerhand auf den richtigen Punkt.

Befremdend zunächst die große weiße Requisite, aus der Rauch quoll. Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich das Gerät als Backofen von der Größe eines Kleintier-Krematoriums. Der Auftritt startet mit zwei Babushki, die ein (heute noch leeres) Tablett in den Ofen schieben.

Vier Babushki, die (nach einem langen Arbeitstag auf dem Feld) sich auf der Bank und an der Wand des Ofen ausruhen, stimmen dann den den udmurtisch-folkloristischen Part an. Das Szenenbild zeigt eine aufgehende Erdkugel.

Dann wird es flott, die Rentnerinnen springen auf und geraten ins Schunkeln, wobei sie ihre Positionen nicht immer gleich finden. Das Krematorium, pardon der Ofen, gerät außer Rand und Band und dreht sich. Im Hintergrund werden derweil bunte und schillernde Diskokugeln mit der Weltkarte eingeblendet – reichlich einfallslos von der Regie, wie ich finde. Da hätte man mit den schönen Trachtensymbolen durchaus mehr machen können.

Aber, und das wurde beim Probendurchlauf rasch klar: Weder der Hintergrund ist bedeutend, noch der ein oder andere schiefe Ton wird eine Rolle spielen. Die Buranovskiye Babushki sind derart anders, dass sie in jedem Fall die Aufmerksamkeit Europas erhaschen werden, völlig egal in welcher Tagesform sie sind, ob sie schief singen  oder übereinander stolpern.

Die Regie setzt auf einige lange Einstellungen und bringt (bislang) wenig Close-Ups der völlig make-up-freien Omis. In der Mitte des Titels gibt es einen Freestyle-Part, wo die Omis wild durcheinanderlaufen, um dann am Ende ein herzergeifendes Schlussbild einzunehmen. Zuvor wird aber noch etwas aus dem Ofen geholt und serviert – wir rätseln noch, ob es am Ende Pizza, ein Braten oder doch ein eingeäschertes Kleintier sein wird. Wahrscheinlichster Tipp bislang, würde ja zum udmurtischen Text passen, in dem es ums Backen von Teig geht: Russisch Brot.

Die Pressekonferenz der sympathischen Mitsiebzigerinnen geriet zur zeitlich längsten überhaupt, fast 45 Minuten wurde Frage um Frage – häufig in Azeri oder Russisch – gestellt, das Interesse schien geradezu unerschöpflich. Und natürlich überreichten Fan-Journalisten wie der Kollege von esc12.com wieder lustige keine Präsente, diesmal offenbar Babushki-Kühlschrankmagneten. Auf der Bühne waren im Übrigen alle acht Mitglieder der Gruppe versammelt, die beiden Ersatz-Omas sind die gleichen, die auch schon beim russischen Vorentscheid nicht mit auftraten.

Interessanterweise haben es die Babushki abgelehnt, in Baku zu wohnen; sie mögen keine Autos und keinen Lärm (von beidem gibt es in der Stadt reichlich) und lieben das Meer, das offensichtlich einige Mitglieder der Gruppe noch nie gesehen haben, daher residieren sie irgendwo im ländlichen Umland (hoffentlich nicht auf den Ölfeldern). Die Omis, von denen nur vier antworteten, darunter die mit 57 Jahren Jüngste und besonders Agile (von uns Posh Babushki getaufte), betonten, dass es überhaupt nicht ums Gewinnen gehe, sondern um die Teilnahme.

Und natürlich hätten sie vor der Abreise noch die Kartoffeln auf dem Feld ausgesät, was sie im Übrigen immer noch selbst machten. Wie viele Enkelkinder und Urenkel sie haben, konnten die Damen nicht eben ausrechnen. Viele.

Zum Lied und zur udmurtischen Kultur gab es auch ein paar Fragen, offenbar wurde „Party for everybody“ zunächst in Englisch geschrieben, dann auf Russisch übersetzt und dann ins Udmurtische, das Englische hätte ihnen keine Probleme bereitet. Die reichlich vorhandenen Münzen an ihren Trachten sollen sie vor bösen äußeren Einflüssen schützen, die Trachten seien ihnen vererbt worden, ebenso wie die sehr bequemen Schuhe.

Der ESC sei schon etwas angsteinflößend, hieß es am Ende, aber die Omis seien froh, hier zu sein und nach dem ESC werde sich ihr Leben auch nicht weiter ändern. Musikalisch zeigten die Grannies auch noch ein paar neue Facetten. Neben einem udmurtischen Volkslied sangen sie eine bezaubernde Fassung des Beatles-Klassikers „Yesterday“ – auf Udmurtisch!

Nach 40 Minuten war die maximal ein Drittel so alte Delegationsleitern sichtlich erschöpft und schloss die PK, dann begann der Run auf die Bilder mit den knuddeligen Omas, besonders begehrt Little Babushki, die die ganze Zeit kein Wort gesagt hatte aber ein herzerwärmendes Lachen besitzt.

Der Clip zur Probe: