1. Probe Serbien: Željko Joksimović erklärt Abschied von der Eurovisionsbühne

Ganz lässig in Jeans, weißem Hemd und Sonnenbrille im Haar erschien heute früh einer der Mitfavoriten auf den Sieg beim ESC 2012 zu seiner ersten Probe. Und dass Željko Joksimović aus Serbien mehrere Durchläufe hintereinander souverän absolvierte, wird niemanden wirklich überraschen.

In einem Bühnendesign in Milchstraßenoptik wird eine altbewährte Balkan-Choreographie präsentiert. 5 Musiker im Halbkreis, die der Kameramann im Slalom umläuft, dann tritt Željko hinzu und danach passiert außer zwei drei kleineren Positionswechseln nicht mehr viel. Die ganze Darbietung lebt natürlich von der Aura des Hauptprotagonisten, wirkt aber dadurch natürlich zumindest auf ESC-Kenner auch ein wenig abgestanden, weil sich die Performance nicht besonders stark bzw. gar nicht von dem unterscheidet, was uns Željko mit seinen Songs bereits 2004, 2006 und 2008 präsentiert hat. Mit stetig abnehmendem Erfolg übrigens, mit den Platzierungen 2, 3 und 6 zwar auf hohem Niveau, aber eben von mal zu mal schlechter platziert.

Der Song „Nije ljubav stvar“ ist natürlich immer noch eine Klasse für sich, aber irgendwie scheint die „Götterdämmerung“ für Željko-Songs langsam anzubrechen. Das scheint er auch selbst schon eingesehen zu haben, denn auf der Pressekonferenz erklärte er soeben, dass dies seine definitiv letzte ESC-Teilnahme sei. Er habe selbst gesungen, komponiert, den ESC moderiert und hat sogar seine Ehefrau dort gefunden (Jovana Janković , die mit Željko zusammen den ESC 2008 in Belgrad moderiert hat und die in ein paar Tagen auch in Baku eintreffen wird, um ihrem Ehemann die Stange zu halten). Sein Fazit dazu lautet schlicht und ergreifend: „Enough“!

Die Frage, ob jemals zur Debatte stand, den Song in Englisch zu präsentieren, verneinte Željko. Auch, wenn die meisten Zuschauer des ESC den serbischen Text nicht verstehen können, ist er trotzdem überzeugt, durch die Art der Interpretation die eigenen Gefühle vermitteln zu können.

Der Moderator der Pressekonferenz verlor dann zum Schluss noch einmal seine „Überparteilichkeit“ und überschlug sich fast, als er Željko und sein Ad-hoc-Orchester  in den höchsten Tönen als großartige und beeindruckende Künstler lobte, die man nicht alle Tage zu sehen bekäme.

Dass Serbien mit dieser Truppe und diesem Song ins Finale einzieht – daran dürfte wohl überhaupt kein Zweifel bestehen. Als Favoriten für den Sieg würde ich Željko aber nicht handeln. Dafür sind mir der Song – aber insbesondere die Performance nicht besonders genug. Ich denke mit einem Finalergebnis zwischen Platz 5 und Platz 10 wären die Serben in diesem Jahr gut bedient.