1. Probe Slowenien: Nicht mit meinem Kopfschmuck

Eva Boto führt die Tradition der molitvaesken Balkanballade fort, und geizt dabei nicht mit dem passenden Kitsch. Fünf Backings hat sie mitgebracht, alle mit Engelsstimmen gesegnet und in keuschem Weiss gekleidet. Man konzentriert sich ganz auf den Gesang und bewegt sich kaum.

Strenggenommen passiert eigentlich noch weniger auf der Bühne als beim musikalischen Vorbild aus dem Jahr 2007. Die Damen stehen in einer Reihe hinter Eva und wechseln ständig von einer Still-Pose in die nächste. Lediglich eine der Backings traut sich mal etwas nach vorn, tritt an Eva heran und streicht ihr über den Arm. Das wirkt alles zwar etwas statisch, ist aber für den stimmlichen Vortrag durchaus hilfreich. Und der ist absolut makellos. Gegen Ende  tritt man nach vorne, es wird wild gerudert und die Windmaschinen wehen die weissen Kleider in alle Richtungen.

Wie schön, dass man auf Getanze im Hintergrund und fliegende Bänder verzichtet hat. (Das wird in wenigen Minuten dann auch von Kroatien bis zum Exzess eingesetzt werden, wie Peter bestimmt gleich berichten wird). Wie schade, dass man aber nun auf den Kopfschmuck der Choristinnen aus der Vorentscheidung verzichtet. Der war ja einer DER Hingucker dieser Saison gewesen, aber ganz im Gegensatz zu den Niederlanden und Belgien hält man bei den Slowenen nicht am modischen Accessoire fest.

 

Fazit: Schöne Umsetzung des häufig bemühten Genres der pompösen Balkanballade. Wenn das Publikum am 24.05. Lust auf “Molitva 2“ haben sollte, wird das Ding einschlagen wie eine Bombe. Ich befürchte aber fast, dass es der Masse zu brav und sie etwas zu zaghaft rüberkommt. Nun gut, sie ist 16 und eben keine Erscheinung wie Sonja Alden oder Sanna Nielsen.

Die Pressekonferenz stand ganz im Zeichen der tollen Stimmen – die live gesungene Version von „Verjamem“  war so wunderschön, dass es einem die Sprache verschlug. Ich bin noch immer geflasht von diesem improvisierten Auftritt. Hinterher wurde sie noch gebeten, ihren persönlichen Favoriten aus Slowenien anzustimmen, und ihre Wahl fiel auf „Prislushni mi“ von Darja Svajger. Wahnsinn! Eva geht noch zur Schule und möchte im Anschluss Musik studieren in London und Graz. Sie hat übrigens bereits Contest-Erfahrung: 2006 gewann sie einen Wettbewerb in Österreich (an dem allerdings auch nur 3 Länder teilnahmen). Sie spricht übrigens ein fantastisches Englisch. Und nochwas zu den Backings: fast alle haben bereits am ESC teilgenommen, die Prominenteste ist wohl Martina, die 2009 als Leadsängerin in Moskau dabei war. Was für ein tolles Team! I am impressed.