1. Probe Türkei: Ahoi, Turkish Birthday Boy!

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön! Das Motto dieses alten Gassenhauers trifft in diesem Jahr auch auf den Song aus der Türkei zu.  Mit knalligen Farben und einer Choreographie aus der Hand einer ehemaligen ESC-Siegerin auf diesem Gebiet wird versucht, den ESC mal wieder nach Istanbul zu holen.

Die Frage, ob ein Knallblau (Wellen, Boote, rote rotierende Herzen und Leuchtturm inklusive) in den Strophen, ein sattes Rot ( mit überdimensionalen Ankern und schummrigen Hafenlaternen) in den Refrains sowie ein schmutziges Grau in der Bridge (zur Verdeutlichtung eines Sturms) den Zuschauer nicht überfordern, muss an dieser Stelle zunächst offen bleiben. Wir hier vor Ort dachten zunächst, es werden für diesen Song verschiedene Settings durchprobiert. Die Wechsel blieben aber bis zum Schluss. Merkwürdigerweise kommen die kräftigen Farben auf unseren Fotos nicht so wie im TV zur Geltung. In der Halle wirken die LED-Wände denn auch eher blass denn farbig, was offenbar produktionstechnische Gründe hat.

Zumindest verschlimmert das sechsköpfige Team auf der Bühne (Can und fünf Tänzer) das nicht auch noch, sondern bewegen sich in einem engen festgelegten Bereich der Bühne. Dort zappelt Can vor sich hin und reiht sich gelegentlich sogar in die synchronen Tanzschritte seiner Leute ein.

Besonders originell wird es, wenn die fünf Tänzer um Can herum den Umriss eines Schiffes bilden. Von Nebelschwaden eingewabert gibt es dann zum Schluss passend zum „Haydiii“-Ausruf eine hübsche Pyroexplosion.Die Choreographie stammt übrigens von Candas Bas, die auch bereits 2003 die Bänder-Nummer von Sertab Erener erdacht hatte, als die Türken ihren bisher einzigen ESC-Sieg einfahren konnten.

Also, mir macht es Spaß, zuzuschauen. Über die Farbenwahl würde ich mir aber noch einmal Gedanken machen. Da ist bestimmt noch Platz und Möglichkeit für die eine oder andere Variation.

Die Pressekonferenz begann mit einem Ständchen der versammelten Presse und Fans für Can zu dessen 25. Geburtstag. Da wurde sozusagen mal in die andere Richtung gesungen. Natürlich kam dann relativ schnell, diesmal von einer Reporterin aus Aserbaidschan, die Frage bezüglich seiner jüdischen Wurzeln, seiner türkischen Nationalität und dem derzeit gespannten Verhältnis zwischen der Türkei und Israel. Selbstverständlich war er auf derlei Fragen vorbereitet und konterte geschickt mit dem Hinweis darauf, dass es hier in Baku zu allererst Künstler und Nationen gebe, die miteinander im Wettstreit stünden. Politik habe dabei nichts zu suchen. Was soll er auch sagen, der arme Kerl……

Befremdlich war dann aber die Bitte des Moderators der Pressekonferenz, Fragen, die politische Inhalte berühren, zu unterlassen und sich ausschließlich Fragen aus den Gebieten Kunst und Kreativität zu widmen. Ich denke, die aserbaidschanischen Organisatoren können dem Herrgott danken, dass es bisher keine Eklats gegeben hat. Möglicherweise kommt das noch zu einem anderen Zeitpunkt. Derzeit geht es hier noch ausschließlich um die Musik, und das ist auch in Ordnung so.

Can ist dem türkischen Sender TRT sehr dankbar, dass man ihn ausgewählt hat. Der ESC sei in den vergangenen Jahren für junge Leute immer uninteressanter geworden. Dass er jetzt die Türkei vertreten dürfe, sei auch ein positives Signal an viele junge Nachwuchskünstler im ganzen Land.

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr ist die Türkei für mich diesmal ein sicherer Finalist. Der Song hebt sich positiv von den anderen Angeboten ab und dürfte meines Erachtens ausreichende Stimmen aus Jurys und vom Publikum einsammeln.