1. Probe Ungarn: Ein echter Kerl auf dem Catwalk

Die Magyaren werden es schwer haben – direkt nach den russischen Grannies und vor dem Triple-Action-Pack mit Popos, Pasha und Pinselfrisuren, setzen Compact Disco allein auf die Qualität ihrer Musik und ein paar feurige Blicke von Leadsänger Csaba Walko.

Hatten die Omis aus Buranovo das Pressezentrum zu lange in Beschlag genommen? Die ungarische Pressekonferenz wurde ebenso wie die israelische heute morgen ohne Angabe von Gründen abgesagt. Daher bleiben uns vorerst nur die Eindrücke aus der ersten Probe.

Und die war stimmlich solide. Compact Disco stehen zu sechst auf der Bühne, zur vierköpfigen Kernband sind ein weiterer Percussionist und eine blonde Backgroundsängerin gestoßen. Alle in düsterstes Schwarz gekleidet, was das Markenzeichen der Band neben dem testosteronstarken Bartwuchs des (ansonsten recht klein geratenen) Leadsängers zu sein scheint.

Als einer der wenigen (neben Sinplus aus der Schweiz und den Israelis von Izabo) nutzt Csaba den Catwalk im zweiten Teil von „The sound of our hearts“. Sein „th“ ist nach wie vor recht dumpf ausgeprägt, ansonsten passte stimmlich alles. Ein cooler Beitrag, allein, im direkten Vergleich mit dem vor und danach startenden Umfeld bleibt Ungarn doch reichlich blass.

Der Bühnenhintergrund hilft da auch nicht weiter. Anscheinend an die Liedzeile „The whole world…“ angelehnt werden mit gelber Farbe an Leuchtdioden erinnernd Europa und die anderen Kontinente gezeichnet. Reichlich uninspiriert, wenn man mich fragt.

Csaba beginnt mit Standmikrofon, um sich dann unverzüglich Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Eine besondere Choreographie gibt es nicht, abgesehen von der Nutzung des Catwalks – auf dem gegenüberliegenden Ausläufer nimmt zudem einer der Gitarristen Aufstellung. Csaba singt solide, stellenweise schäö sonor und beendet den Titel in einer markanten Pose.

Zwischendurch waren die nicht sehr zahlreichen Pressevertreter in der Halle (nach den Russinnen fand ein allgemeiner Exodus statt) abgelenkt von einem jungen Mann in Roman-Lob-Mützen-Optik. Eldar Qasimov alias Ell, im Gesicht tatsächlich etwas rundlich gewordener ESC-Sieger 2011 gab sich die Ehre. Der Moderator der diesjährigen ESC-Ausgabe liess sich am Rande der ungarischen Probe in der Halle von einigen Damen zwanglos interviewen.

Tja, man lässt sich eben leicht ablenken, wenn man nicht sonderlich gefesselt ist und in der Nähe etwas Interessanteres passiert. Vermutlich ist den Ungarn klar geworden, dass man über die Präsentation, eventuell auch das Hintergrund-Setting nochmal nachdenken sollte. Wir sind gespannt, ob sich im zweiten Durchlauf am kommenden Freitag noch etwas ändert und was wir dann in der Pressekonferenz zu Hären bekommen.

Clip zur Probe: