19 dürfen in der Schweiz noch hoffen

Vincent Gross Schweiz

Die Schweiz kommt ihrem Ziel, einen Nachfolger/eine Nachfolgerin für Mélanie René zu finden, näher. Der französischsprachige Sender RTS und der Tessiner Kanal RSI bestimmten intern Kandidaten für die zweite Runde; SRF/RTR ließen User im Internet abstimmen und zugleich eine Fachjury über die eingereichten 165 Beiträge drüberschauen. Jetzt steht das Ergebnis fest, und wir kennen die 19 Kandidaten, die am 6. Dezember vor die Fachjury dürfen.

Für diese zweite Runde, die das Schweizer Fernsehen „Expertencheck“ nennt, erhielt RTS sechs Plätze, RSI drei Plätze, und SRF/RTR stellen zehn Kandidaten.

Die sechs RTS-Teilnehmer sind:

Bella C: „Another world“

Gina von Glasow: „Left with an idiot“ (Video hier)

Kaceo: „Disque d’or“

Loic Schumacher: „Génération demain“

Stephanie Palazzo: „Perché mi guardi cosi?“

Stephanie Sandoz: „Flashback“ (kein Video)

„Another World“ stand auch zur Wahl auf der SRF/RTR-Seite, und ich schrieb Anfang November vor dem Start des Votings auf eben jener Website: „Auch Bella C würde ich mit ‚Another World‘ zumindest mal live im Recall sehen wollen.“ Schön, dass mein Wunsch in Erfüllung geht, dank RTS. Hier fällt zudem auf, dass neben fünf Schweizer Teilnehmern RTS auch einen Import aus Belgien (Loic Schumacher) hinzugenommen hat.

Anders ist das bei RSI: Im Tessin hat man sich für drei lokale Talente entschieden:

Nathalie Cadlini: „Share love“

Elias: „Elephant“

Theo: „Because of you“

Freut mich vor allem, dass wir „Elephant“ hören werden. Elias hatte im vergangenen Jahr schon teilgenommen und für 2016 sein „Elephant“ auch bei SRF/RTR eingereicht, wo User darüber abstimmen konnten. RSI kam dem ganzen aber zuvor und meldete sich vor einigen Tagen, dass „Elephant“ einer seiner drei Beiträge für den Expertencheck sein werde. Gut so! Das leicht hypnotisch wirkende Lied gefiel mir ausnehmend gut und ich hatte es Anfang November, kurz bevor das Voting auf der SRF/RTR-Seite begann, empfohlen.

Mein Co-Blogger DJ Ohrmeister wiederum hatte damals schon „Share love“ besprochen, weil Nathalie dieses Lied auch bei SRF/RTR im Angebot hatte. Kollege Ohrmeister schrieb da, „Share love“ sei aufgemacht wie eine kommende CSD-Hymne, „was Nettes für de EuroClub“. Er störte sich aber etwas am „holprigen, super-simplen Englisch“.

Das mit dem holprigen Englisch klingt übrigens auch für „Because of you“. Man hört bei Theo leider sehr, dass Englisch nicht seine Muttersprache ist. Sonst ist das nämlich eine ganz nette Radiopop-Nummer (bei der aber wenig im Kopf hängen bleibt).

Wie lagen DJ Ohrmeister und ich sonst so? Das Ergebnis ist eher durchwachsen. Ohrmeister zählte zu seinen Favoriten unter anderem „Peccato“ von Claudio Raj, ALPHA.80 („A friend like you“) und Rino Dilugano („Dimmi se c’è“). Alle drei werden wir leider beim Expertencheck nicht hören. Ebenso wenig Michael James, dessen Ballade „Wrong answers“ uns beiden gut gefallen hatte. Ich trauere außerdem um Sarah Tyler („It’s your time“) und Pascale Salzmann („I belong to you“).

Auffällig zudem, dass von denen, die im – fürs Voting irrelevanten – Beliebtheitsranking (vor Votingbeginn erstellt) weit oben standen, die meisten nun nicht weiter sind: „das schönste Gesicht von The Voice of Switzerland“ Gisel de Marco etwa sowie Patrick von Castelberg und Valentin Akçag mit ihrer ungewöhnlichen Geigennummer „Dark Star“. Und insbesondere die, die damals das Beliebtheitsranking anführten: der Spanier Ektor Pan mit seinem Dancepop-Song „Love in return“, die Schlagernummer „Palast der Gefühle“ (Schlageranfall) sowie Akrivi mit „Alone in the universe“ – alle drei nicht weiter im Rennen.

DJ Ohrmeister und ich können uns indes beide freuen, dass ein paar unserer Lieblinge weiter sind. Da ist zum einen Sunanda mit ihrer fröhlichen Nummer „Ooops!?!“ und zum anderen unser gemeinsamer Favorit Patric Scott, der zusammen mit dem in der Schweiz promovierenden Ägypter Abdullah Alhussainy das orientalisch angehauchte „No Boundaries“ singt. Ohrmeister wird sich außerdem über Rykka („The last of our kind“) freuen.

Hier sind alle 10 Teilnehmer, die SRF/RTR in den Expertencheck schicken:

Erica Arnold: „Ich bin ich“

Vincent Gross: „Half a smile“

Samuel Tobias Klauser: „Asking me why“

Maika: „The reason“

Platzhirsch: „Holz vor dr Hütta“

Rykka: „The last of our kind“

Stanley Miller: „Feel the love“

Patric Scott feat. Abdullah Alhussainy: „No boundaries“

Sunanda: „Ooops!?!“

Evelyn Zangger: „Have a little faith in me“

Wenig überraschend ist, dass sich SRF/RTR für Vincent Gross und Platzhirsch entschieden haben. Letztere werden – falls sie es bis in die „Grossen Entscheidungsshow“ am 13. Februar schaffen – die Bodensee-Arena krachen lassen mit ihrem zünftigen Après-Ski-Stimmungskracher. Vincent Gross wiederum hat eine große (inbesondere weibliche) Fanbase, seit der 19-Jährige im Frühjahr 2015 im Schweizer Fernsehen eine Castingshow gewonnen hat. Klar, dass SRF auf den sympathisch wirkenden Basler nicht verzichtet.

Maikas „The reason“ gehört zu den Songs, die vor dem offiziellen Voting im Spitzenfeld des Beliebtheitsrankings standen. DJ Ohrmeister schrieb Anfang des Monats, Maika mache „pathetische US-Rock-Pampe mit kratzbürstiger Stimme. Leider hat die Komposition nicht das Zeug zum Wettbewerbssong und ist sofort wieder vergessen.“

Von den anderen Beiträgen hat DJ Ohrmeister in seinem zweiten Teil unserer Reihe nur noch „Have a little faith in me“ von Evelyn Zangger besprochen. Dazu schrieb er, das Lied sei eine klassische ESC-Popnummer. Evelyn selbst ist bekannt, sie gab bei den Mike Candys-Charthits „One Night in Ibiza“ und „2012 (If the world would end)“ ihre Stimme dazu. Ohrmeisters Urteil zu „Have a little faith in me“: „Dieser Song ist gut produziert, würde wohl auch in ein Mello-Semi passen (dort aber nur Platz 6-8 machen). Einer der wenigen Songs, die ich bis zum Ende durchlaufen ließ…“

Und wie geht’s nun weiter?

Am 6. Dezember (Sonntag) müssen/dürfen alle 19 Kandidaten ihren Song live vor einem Expertengremium präsentieren. Die Jury soll Livekompetenz, stimmliche Fähigkeiten und Bühnenpräsenz bewerten und dann aus den 10 SRF/RTR-Kandidaten drei auswählen, aus den sechs RTS-Kandidaten zwei, und aus den drei RSI-Kandidaten einen für die Live-TV-Show, bei der am 13. Februar 2016 in der Kreuzlinger Bodensee-Arena dann der endgültige schweizerische Beitrag für den Eurovision Song Contest in Stockholm gekürt wird (je 50% Televoting und Jury).

Der Expertencheck am 6.12. ab 13 Uhr wird übrigens im Internet übertragen, und wir werden uns das ganze – wie schon im vergangenen Jahr – auch antun und hier einen Rollblog liefern.