2. Probe Georgien: Grunzender Glittermops gibt Gas

Der „Jocker“ aus Georgien hat seinen von vielen als Zumutung gesehenen Rocktitel mit jeder Menge campen Schnickschnack aufgemotzt. Die 3 Minuten sind nun mit Trash so vollgestopft, dass es auf den Gesang gar nicht mehr ankommt. Zum Glück. Das Finale scheint in Reichweite.

Der georgische Titel hat seit dem Sieg in einer an Körperverletzung grenzenden Vorentscheidung etliche Änderungen erfahren. Das operettenhafte Intro bestreitet Anri, die füllige Figur, in eine roten Kapuzenkutte gehüllt als gregorianischer Mönch. Dann wird die Kutte abgeworfen und eine Art Möchtegern-Liberace mit glitterndem schwarzen Wams springt heraus, der einige auch optisch an den bulgarischen Folkpop-Transengott Azis erinnert.

Die vier Backgroundtänzerinnen sind in Lack-Latex-Domina-Outfits gesteckt und reichlich aufgebrezelt. Das Ensemble wird durch eine umherspringende Tänzerin in einem blutroten Flatterfähnchen sowie vier übergroße Stühle, eine Riesentrommel und einen weißen Flügel, den Anri in der zweiten Hälfte von „I’m a joker“ ausgiebig traktiert. Ansonsten knödelt sich der erblondete junge Familienvater munter und gut gelaunt durch seinen Song.

TRASH PUR – eine kluge Wahl der Inszenierung der Georgier, die ruhig noch eine Schippe drauflegen könnten. Für solche Titel schalten viele Zuschauer den ESC ein, die Musik, die man wohlwollend mit „Lärm“ umschreiben kann, ist da völlige Nebensache. Ich halte es für gut denkbar, dass Georgien locker ins Finale segelt (und dort einen hinteren Platz belegt).

Die zweite Pressekonferenz lief nicht ganz so chaotisch ab wie die erste, aber erneut lief vieles auf Russisch ab. Mehr noch als Anri standen seine imposant toupierten Backgroundsängerinnen im Vordergrund, die wohl alle eigene Karrieren in Georgien haben. Anri wurde nach seinen drei „most beautiful women“ in Eurovision befragt und nannte schwärmend in dieser Reihenfolge: Sabina Babayeva, Gaitana und Rona Nishliu.

Dass er auch schon mit sichtlichem Vergnügen die Armenierin Eva Rivas geküsst hatte, verschwieg er wohlweislich, angesichts des jüngsten Eklats im Euroclub um das Verbot armenischer ESC-Musik verständlich. Die Mönchskutte soll wohl eher an einen Schäfer erinnern und das einfache Leben auf dem Land. Erneut wurde die Botschaft des Liedes „Do, what you want to do, express yourself“ betont.

Eine der Backgroundsängerinnen, Nini Shermadini, hatte bei X Factor Griechenland teilgenommen und freut sich schon sehr darauf, ihre damaligen Konkurrentinnen Ivi Adamou und Eleftheria Eleftheriou (die sie beide als Staffelzweite abhängen konnte) wiederzutreffen. Die PK wurde beschlossen mit einem stimmungsvollen georgischen Volkslied, zu dem die über weite Strecke mißmutige (international mehrfach prämierte) in rot gewandete Tänzerin ihr Lächeln anknipste und ein paar Figuren vor dem Pressdesk tanzte.

zum Bericht der ersten georgischen Probe

zum Videoclip der zweiten georgischen Probe: