2. Probe Israel: Das richtige Maß an Crazyness

Time is money – davon hat der israelische Beitrag mehr als genügend: im Hintergrund laufen und zerlaufen Uhren à la Dali, und Izabo gerät trotz mancher Schweißperlen auf der Stirn des Leadsängers nicht in Hektik. Auch sonst war das Timing von Izabo schon besser als bei der ersten Probe. Die Qualifikationschancen bleiben dennoch ungewiss.

Eigentlich haben die Israelis eine gute Ausgangsposition. Nach den beiden sehr getragenen (meine Kollegen meinen: schnarchnasigen) Balladen aus Belgien und Finnland dürfte sich der Zuschauer nach einem flotten Lüftchen sehnen. Izabo bringen ihre Retro-Nummer routiniert mit einem wohldosierten Schuss Crazyness auf die Bühne der Crystall Hall in Baku.

Der Leadsänger ist stimmlich ok, erinnert aber in der Aufmachung mit lockigem, leicht toupierten Haupthaar und großen Ohrringen und seinen Blicken eher an einen kontrollierten Comedian. Heute war Ran Shem Tov in einen knallblauen Anzug gewandet.

Während die beiden armrudernden Backgroundsänger auf dem Catwalk alles geben, sollte sich Püppi in der Kittelschürze am Keyboard noch etwas im Ausdruck steigern (unten ganz links im Bild). Bislang wirkt sie noch sehr gelangweilt, um nicht zu sagen umnachtet, als sei sie gerade dabei, das Einfingersystem im Schreibmaschineschreiben zu lernen.

Der leicht schnoddrige Fabrikreste-Gerümpel-Look, der über dem kompletten Beitrag liegt, passt ansonsten ganz gut zu dem zwanglosen Retrosong, den unser Fotograf Volli für die Titelmelodie einer tschechischen Kinderserie hielt. Fazit: Extrem schwer einzuschätzen.

In der Pressekonferenz – der ersten und einzigen, da die Israelis ihren ersten Termin im Pressezentrum vor zwei Tagen ausfallen ließen – gab es wenig Fragen. Besondere Aufmerksamkeit rief die jüngste jemals akkreditierte Person hervor: Baby Eli, die 5 Monate alte Tochter von Sängerin und Keyboarderin Shiri Hadar. Süß.

Die zweite Probe sei viel besser als die erste gewesen, bekundete der Delegationsleiter. Von Baku habe man aufgrund ihrer „tight security situation“ leider noch kaum was sehen können. Die Sicherheitslage hält die Israelis aber nicht davon ab, am Sonntag eine Party im Euroclub zu feiern.

Der Hintergrund mit den zerfließenden Uhren sei „definitely“ von Salvador Dalis Gemälden inspiriert, und man sei sehr glücklich über die Grafiken und die Beleuchtung. Die Indie-Rock-Disco-Band existiert bereits rund 20 Jahre. Der Band-Name Izabo sei von Michelle Pfeiffer inspiriert, die im Film „Ladyhawke“ so geheißen habe. Die Idee, die Band so zu nennen, habe Shiri gehabt.

An den Sieg denken die Israelis nicht, wohl aber an das Finale, das sei das Ziel, hieß es. Falls Israel doch gewinnen sollte, würde man sich freuen, alle Anwesenden nach Tel Aviv einzuladen. Für die Fans enttäuschend: Auf die freundliche Frage eines finnischen Bloggers, ihren liebsten israelischen ESC-Beitrag anzustimmen (Vorschlag Hallelujah), reagierte der Delegationsleiter brüsk und abwehrend. Das sei nicht der Stil der Band, die stattdessen acapella noch einmal den Refrain von „Time“ sangen.

zum Bericht der 1. Probe

Der Videoclip der 2. Probe: