2. Probe Montenegro: Alles nur ein Unfall?

Ich sage es mal so: Eigentlich wollte ich den Song und den Auftritt von Rambo Amadeus völlig unvoreingenommen beobachten und mal schauen, ob ich der ganzen Nummer vielleicht doch noch etwas Positives abgewinnen kann. Leider ist mir das zumindest in musikalischer Hinsicht nicht gelungen….

Wir sahen Rambo heute erstmals in seinen Bühnenklamotten. In einem schwarzen Kapuzenumhang betritt er die Bühne, sieht dabei aus wie eine Mischung aus Danijela Martinović (Kroatien 1998) und Dustin The Turkey (Irland 2008) und wirkt wie der personifizierte Tod auf Füßen. Es werden von dem Backgroundchor (1 Rapper und 2 Security-Beamte mit Plastiksonnenbrillen) diverse Banderolen ausgerollt, die man leider nicht in Ruhe lesen kann. Darauf stehen aber Auszüge des Textes wie „Heute habe Hobotnica“ und in alle diese Banderolen wird der Rapper zum Schluss von den freundlichen Sicherheitsmitarbeitern eingerollt und von der Bühne getragen.

Rambo schaut während des gesamten Auftritts wirr in der Gegend herum, zum Teil auch gelangweilt. Sicher gehört das alles zu seiner Inszenierung, denn in den Pausen zwischen den Durchläufen gibt er ganz genaue Anweisungen für die Regie, wie er es denn gern hätte. Auch hier wird nicht viel dem Zufall überlassen. Organisiertes Chaos sozusagen.

In der Pressekonferenz sang er ein Loblied auf Baku. Es sei wie Nizza, nur größer, mit einer unglaublichen Architektur und perfekten Proportionen. Die Bakuer seien überhaupt nicht hektisch, sondern ruhig und entspannt. Alles erinnere ihn an das Jugoslawien unter der Herrschaft von Tito! Dieser versteckte Hinweis war mehr als deutlich!

Rambo sieht sich überhaupt nicht als Star. In den ex-jugoslawischen Ländern würde ohnehin nur etwa ein Promille der Bevölkerung seine Kunst verstehen, deshalb hat er auch kein Problem damit, dass Serbien, Kroatien, Mazedonien etc. sich komplett im zweiten Semifinale tummeln. Auf diese Weise mache er auch Platz für ein weiteres Land, das nicht zu diesen Nationen gehört und dadurch ins Finale einziehen kann.

Über den tieferen Sinn seiner Art von musikalischer Ausdrucksform kann er keine Auskunft geben. Er sei so oft verwirrt über die unterschiedlichsten Dinge des Lebens und über gesellschaftliche Fragen, da ergäbe es sich dann einfach so. Ihm sei aber aufgefallen, dass Satiren, Parodien oder Travestien in der Musik den Leuten oftmals „Angst“ machten, weil das über das einfache „Ich liebe dich und du liebst mich“ hinausgehe.

So betrachtet er seine Wahl durch das montenegrinische Fernsehen denn auch als „Unfall“, hofft aber, dass er seiner Verantwortung am Ende doch ein bisschen gerecht wird. Über diesen Mann gäbe es wahrscheinlich noch viel, viel mehr zu berichten. Ein sehr interessanter und engagierter Mensch, der sich zumindest musikalisch hier in Baku aus meiner Sicht im völlig falschen Umfeld befindet.

Hier gibt es den Bericht zur ersten Probe Montenegros.