2. Probe Portugal: Filipa zelebriert Fado vor Lissabon-Silhouette

Filipa Sousa führt hier beim ESC 2012 bisher ein Schattendasein. Vielleicht zu Unrecht: Hinter dem traurig schwermütigen Fado „Vida minha“ steckt eine kleine Perle, wenn man sich Zeit nimmt und sich auf die Musik einlässt. In Probe 2 überzeugte vor allem das stimmig inszenierte Fado-Ambiente. Auch Filipa selbst ist ein richtiger kleiner Sonnenschein.

Vorneweg: „Ja, es ist Lissabon“ verriet uns Filipa Sousa. Die Präsentation des Fados „Vida minha“ profitiert vom wunderschönen Altstadt-Flair der Stadt Lissabon, den die Portugiesen in warmen Rottönen auf den riesigen LED-Screen gezaubert haben.

Ihre Background-Bärchen (äh, ich meine Sänger) sehen in Freizeitklamotten zwar noch so aus, als wären sie gerade in der Fussgängerzone von Lissabon aufgelesen worden, aber das Outfit wird dann beim Semifinale sicher sehr stilvoll sein.

Ich durfte Filipa und ihre Delegation vorgestern im Euroclub kennenlernen und sie nahm sich auch die Zeit für einen kleinen Plausch. Wir lachten viel und fachsimpelten über ihre erste Probe. Mit ihrer stimmlichen Leistung war sie vollauf zufrieden, nur die Choreografie bereite ihr noch etwas Kopfzerbrechen. Das müsse in der zweiten Probe besser werden. Da wir in Feierlaune waren, hätte ich beinahe entgegnet „aber ihr habt doch keine große Choreografie“, aber das habe ich mir dann doch lieber verkniffen.

In Probe 2 wirkte die Choreografie dezent zurückgenommen, aber auch passend zum von Andrej Babic („Senhora do mar“) komponierten Song. Patzer oder Unsicherheiten waren nicht zu erkennen.

Stimmlich sicher und souverän meisterte Filipa erwartungsgemäß dann auch ihre zweite Probe. Kein Wunder, ist doch der Fado seit ihr Kindheit ihr treuer Begleiter. Bereits mit 6 Jahren begann sie zu musizieren. Sie besuchte das Konservatorium und nahm bereits mit 12 Jahren an Festivals teil und heimste bereits damals diverse Musikpreise ein.

2003 war Filipa dann für einige Jahre Mitglied der Fado-Gruppe Al-Mouraria. In der Pressekonferenz intonierte sie dann auch spontan ein Lied der Gruppe und war danach sichtlich emotional berührt. „Auch wenn ich nicht mehr in der Band bin, es ist noch meine Familie“, sagte Filipa.

2007 nahm Filipa dann in der Casting Show Operacao Triunfo teil und überstand 7 Runden und erntete dafür in ihrer Heimat viel Applaus. Ihre musikalische Zukunft will Filipa ganz dem Fado widmen und mit verschiedenen Facetten und Arten des Fado experiementieren.

Auf die Frage, ob sie denn nach den vielen Misserfolgen von Portugal beim ESC überhaupt selbst an einen Sieg glaubt, entgegnete sie auf der Pressekonferenz mit einem selbstbewussten „Ja, und ich werde mein Bestes geben! Ich zeige Europa meine Identität, mein Leben und meine Kultur“.

Im balladenlastigen 2. Semifinale auf Startplatz 6 wird es schwer werden. Allerdings besteht eine Chance auf den Finaleinzug, wenn sie es schafft, den Funken zu zünden, eine Schippe mehr Energie und Dynamik in die Waagschale wirft und das Fado-Flair von Lissabon in die Crystal Hall zaubern kann. Viel Erfolg Filipa!

Hier gehts zum Bericht von Probe 1