2. Probe Slowenien: Stellprobe mit Brautjungfern

Eva Boto eröffnete den Reigen der heutigen 11 Proben, zu denen auch erstmals die Big5 und der Gastgeber gehören. Die slowenische Ballade kommt unschuldig, züchtig und sehr konservativ inszeniert daher. Was durchaus funktionieren kann. 

Die 16-Jährige (jüngste Teilnehmerin des ESC 2012) mit milchweißem Teint erneut im Hochzeitsdress, an dessen Rock sich Blüten hochranken (sieht von weitem allerdings eher wie Moose und Flechten aus). Ihre Brautjungfern, alle ebenfalls in züchtiges Weiß gewandet, unterstützen sie stimmlich, was Eva Boto eigentlich gar nicht nötig hat.

Klar ist: der Castingstar ist ein aufstrebendes Talent und verfügt zwar über den gleichen Komponisten (Vladimir Grajic), aber noch längst nicht über die Präsenz und das Charisma, das Marija Serivofic bei ihrem ESC-Sieg in Helsinki auszeichnete. Alles wirkt klinisch rein, wie ein Picknick höherer Töchter zur Jahrhundertwende.

Es gibt nur einen interessanten Moment, wenn es zu einem zarten Körperkontakt zwischen Eva und einer ihrer Backgroundsängerinnen kommt. In diese Richtung (à la „Bilitis“ bzw. „Zärtliche Cousinen“) hätte man „Verjamem“ durchaus auch inszenieren können, zumindest die unterschwellige Erotik des Titels mehr herausarbeiten können.

Der Hintergrund wechselt von schwarzer Seide zu goldenen Drops, was im zweiten, etwas dramatischeren Teil, wenn Eva ihre Stimme richtig auspackt, beinahe weihnachtliche Gefühle aufkommen lässt. Mein Eindruck: Nicht schlecht, stimmlich sehr gut, aber recht vorhersehbar und strunz-konservativ inszeniert. Da wäre mehr drin gewesen. Zwischen dem Klangteppich aus Bulgarien und dem Desaster aus Kroatien wird Eva aber ohne Zweifel scheinen.

In der Pressekonferenz zeigten sich die Slowenen sehr zufrieden mit der zweiten Probe, Eva sagte, sie genieße es und sei total relaxt. Es gab wenig Fragen im schwach besetzten Pressesaal (da schlief wohl noch so mancher seinen Rausch aus nach der gestrigen Partynacht im Euroclub), so stellte der Moderator ein paar harmlose Fragen. Zum Beispiel nach einem Haustier, einem offenbar monströs großen Hund, den sie leider nicht nach Baku habe mitbringen können.

Eva hielt ein Plädoyer für die Wiederherstellung der Sprachenregel, jeder sollte wieder in der Sprache seines Landes singen, weil dies am besten die Kultur transportiere. Sie habe natürlich englische und serbische Versionen von „Verjamem“ aufgenommen, aber es sei keine Frage gewesen, den Titel in slowenisch beim ESC zu präsentieren.

Ihr gefallen insbesondere die Balladen aus dem exjugoslawischen Raum (die ja auch alle in Landessprache gesungen werden). Ansonsten ist ihr großes Idol Beyoncé. Gesungen wurde auch, und zwar allerhand. Ein Titel von Beyoncé, dann natürlich eine sehr schöne Acapella-Version von Vladimir Grajics Meisterstück „Molitva“ und eine slowenisierte Fassung von „Running scared“. Bei Maja Keuc‘ letztjährigem Titel für Slowenien ließ Eva sehr sympathisch dann ihren Backgroundsängerinnen (darunter Martina Majerle) den Vortritt, die größtenteils auch schon im letzten Jahr dabei waren.

zum Bericht der ersten Probe Sloweniens

Videoclip der zweiten Probe: