2. Probe Ungarn: Weiterhin solide, weiterhin chancenlos?

Compact Disco haben ihre zweite Probe hinter sich, grundsolide und stimmig abgeliefert, ohne größere Überraschungen. Weiterhin dunkler Hintergrund, dunkle Klamotten. Das schaut gut aus und ist durchaus abgestimmt auf den Song, aber „Sound of our hearts“ ist eine Pop-Rock-Hymne, die es schwer haben wird im ersten Semi.

Im Prinzip wurde kaum etwas verändert im Vergleich zu Probe 1. Der Hintergrund ist weiterhin düster, dazu stilisierte Animationen mit Herzchen, Friedenstauben und Weltkugel. Der Catwalk wird genutzt von Csaba Walko wie auch beim ersten Mal. Lediglich die Klamotten scheinen jetzt die engültigen zu sein fürs Semi. War er neulich noch im T -Shirt unterwegs, hat er nun eine dunkle Lederjacke mit einem Glitzer-Wams (O Ton Jan) drunter an, und aus dem Bartschatten ist nun ein veritabler Bart geworden. Ob er sich bis Dienstag wieder rasieren will, ist unklar.

Heute lief auch die erste PK der Ungarn. Die gesamte Band mit Backingsängerin war auf dem Podium, und im Gegensatz zu Litesound aus Belarus haben auch alle im Prinzip zu gleichen Anteilen Fragen beantwortet. Sie sind extrem zufrieden mit den Proben, völlig überwältigt von der Bühne und der technischen Betreuung und konnten auch einen deutlichen Fortschritt feststellen von der ersten zur zweiten Probe.

Der Moderator merkte an, dass viele Songs der Band eher gefühlvolle, poetische Texte hätten, was man ihnen so auf den ersten Blick gar nicht zutrauen würde. „We are men, yes“, sagte dazu ein Bandmitglied, „but we are emotional men, too“.

Interessant ihre Verbindungen zu anderen Künstlern. DJ Tiesto hat ihre erste Single „I‘m in love“ gecovert und spielt sie auf seinen Gigs wohl regelmässig vor Zehntausenden Leuten, was sie besonders freut. Ein anderes Cover ist für uns besonders interessant: Max Jason „das Lockenwunder“ Mai hat nämlich „Sound of our hearts“ gecovert und bereits mit Compact Disco zusammen auf die Bühne gebracht. Ob sie nun „Don“t close your eyes“ in ihr Repertoire aufnehmen wollen, konnten sie uns noch nicht sagen. Sie denken darüber nach. Depeche Mode gehören zu den Vorbildern der Band, und sie könnten sich gut vorstellen, mal einen Song der Briten zu covern, z.B. Behind the wheel.

Zum offiziellen Videoclip konnten sie berichten, dass der Hauptakteur ein guter Freund der Band ist, und sich gleich bereiterklärt hatte , im Video zu spielen. Es geht darin um die zwei Charaktere – einen stinkreichen Schnösel und einen Obdachlosen -, die beide in ihrer Welt unglücklich sind und sich mehrfach zufällig über den Weg laufen. Wie die Geschichte weitergeht, sei aber der Fantasie des Zuschauers überlassen, sagen Compact Disco.

Ich habe die Delegationsleiterin nach der Zukunft des neuen Vorentscheid-Formats A DAL gefragt. Ungarn hatte in diesem Jahr ein Ausscheidungverfahren mit zwei Semis und einem Finale auf die Beine gestellt, in dem einen ganze Menge guter Songs (will sagen: potentieller ESC-Beiträge) teilgenommen hatte. Sie erzählte mir, dass ein internes Auswahlverfahren vorangestellt worden war, um wirklich sicherzugehen, dass nur qualitativ hochwertige Songs in die drei Sendungen aufgenommen würden. Die Reaktionen in Ungarn seien sehr positiv auf den Vorentscheid ausgefallen, und die Medien hätten sich wohl ausgiebig mit dem Ausgang desselben beschäftigt. Daher gibt es auch schon Pläne,  dieses Verfahren im nächsten Jahr weiterzuführen.

Alles in allem war dies eine informative und sehr angenehme PK, die ganze Delegation scheint sehr zufrieden mit dem aktuellen Stand der Dinge zu sein, und zuversichtich ins Semifinale zu gehen. Ob es für einen Finaleinzug reichen wird, ist dennoch fraglich. Songs dieser Machart sind z.B. schon bei den Lovebugs 2009 leider in der Vorrunde ausgeschieden. Wir hoffen auf etwas mehr Glück für die Ungarn. Daumen hoch!

Hier gibt es den Bericht zur ersten Probe Ungarns