30 Jahre OGAE Finnland: Wenn der Fredi mit der Anneli…

30 Jahre OGAE Finnland Gala

Die Fan-Organisation kommt in die Jahre: Vor dreißig Jahren wurde der allererste offizielle ESC-Fanclub in der finnischen Provinz gegründet. Am Samstag nun wurde dieses Jubiläum gebührend gefeiert. Rund 200 Mitglieder begingen die Euroviisuklubi OGAE Finland 30v Gaalajuhla – im schicken Zwirn und mit einer Reise durch bald 60 Jahre ESC-Musik. Und mit grandiosen Gaststars.

Das können die Skandinavier, pardon, die Nordics (Finnland gehört nicht zu Skandinavien) besonders gut: sehr stilvoll feiern und dennoch die Sau rauslassen. Im angesagten Helsinkier Ravintola Botta gab es zum 30jährigen Bestehen des Fanclubs einen Gala-Abend der besonderen Art.

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Ein roter Teppich mit PhotoCall begrüßte jeden Gast der aus ganz Finnland angereisten Fanschar. Zu den Nichtfinnen zählten lediglich ein eingebürgerter Schwede und zwei Deutsche (mich eingeschlossen), um den besonderen Anlass mit den finnischen Kollegen zu begehen.

Der prunkvolle Saal mit war zunächst Ort eines festlichen Dinnerbüffets mit nordischen Leckereien, während kunterbunte Bilder aus vielen Jahren OGAE Finnland an die Wand projiziert und der Saal mit einem bunten Potpourri bekannter Contest-Melodien beschallt wurde.

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Jouni Pihkakorpi
(amtierend) und Maiken Mäemets (ehemalige OGAE-Finnland-Präsidentin und gegenwärtig Vorsitzende des gesamten OGAE-Vereinsverbundes) hielten kurze Ansprachen, gefolgt von einem pointenreichen Abriss der Geschichte des Fanklubs, den zwei Mitglieder vortrugen.

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Stargäste des Abends waren zum einen die Kuunkuiskaajat (Finnland 2010) mit einem hübschen Set an Folkpop-Melodien. Herzstück des Programms waren aber diesmal die Veteranen: Fredi (Finnland 1967/1976) und Anneli Saaristo (Finnland 1989) boten mit Keyboardbegleitung gemeinsam eine Revue suomischer Klassiker und ESC-Songs mit finnischen Texten (u.a. „Johnny Blue“, „Eres tu“ oder „La fiesta terminò“). Der ganze Saal stand tatsächlich nach jedem einzelnen Song zu Standing Ovations und frenetischem Jubel auf, und setzte sich dann auch jedes Mal wieder brav hin. Ach, die Finnen!

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Highlights waren selbstverständlich „La dolce vita“ und das gemeinsam vorgetragene „Pump-pump“ mit Original Popowackler-Choreo. Ein weiteres Highlight aber auch allein das Zusammenspiel, das sich optisch bot. Anneli begleitete jeden von Fredis Songs mit ausladenenden Armruderbewegungen und ausdrucksstarker Mimik (und saß dabei zum Ausruhen auf einem Stuhl schräg hinter Fredi – zum Piepen!), während Fredi den ganzen Auftritt mit stoisch gradeaus gerichtetem Blick bewältigte, so emotional die Lieder auch sein mochten. Es war einfach nur schön. Selten habe ich mich in bald 20 Jahren ESC-Clubveranstaltungen so wunderbar unterhalten gefühlt wie an diesem Abend.

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Unglaublich, aber wahr: Fredi coverte gegen Ende sogar noch „Rise like a Phoenix“, was den Saal nun vollends erbeben ließ – war doch tags zuvor die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben im finnischen Parlament (keine 200m entfernt übrigens) erfolgreich abgesegnet worden. Und hier sang dieser ältere Herr mit etwas brüchiger Stimme die Diversity-Hymne des Jahres 2014 vor einem gut gemischten gay’n’straight-Publikum so anrührend, dass ihm die Herzen nur so zuflogen.

Den Abschluss des Bühnenprogramms boten die DragQueens Jukka K & Miss Divet, die querbeet alle möglichen finnischen Beiträge verwursteten. Der Atem wollte einem stocken, als sie Fredi und Anneli kopierten, und die beiden Originale am Bühnenrand selber zusahen – doch Anneli lag fast am Boden vor Lachen, während Fredi wieder seine eher verhaltene Art der Freude zeigte (ich glaube, tief drin hat er sich wohl auch geschüttelt vor Lachen, aber nur ganz tief drin). Eine Szene für die Götter. Und was für ein phantastisches, berührendes und doch so unterhaltsames Programm!

30 Jahre OGAE Finnland Gala 30 Jahre OGAE Finnland Gala 30 Jahre OGAE Finnland GalaAnneli und Fredi blicken in den Spiegel….

30 Jahre OGAE Finnland Gala…während die Kuunkuiskaajat sich selber filmen!

30 Jahre OGAE Finnland Gala 30 Jahre OGAE Finnland Gala
Jedenfalls war ich dann an der Reihe, die Finnen zum Abtanzen der Kalorien bei der Eurodisco zu animieren. Ein Novum: Aus gegebenem Anlass war ich gebeten worden, die ersten 90 Minuten in eben diesem Saal mit ESC-Musik der 50/60/70er zu füllen, was mir dank einer ganz anständigen Vorbereitung (Vertiefung in finnische Vorentscheide und Coverversionen) auch ganz gut gelang. Der zweite Teil der Tanzes fand im Manala Club im Kellergeschoss desselben Gebäudes statt – zu moderneren Klängen des Contest.

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Ein dickes Lob an die finnischen Kollegen für diese wunderbare Veranstaltung, die kurzweilig und doch sehr stilvoll war. Und auch wenn wir beiden „Saksalaiset“ (die beiden Deutschen) 99% der textlastigeren Beiträge des Abends nicht so richtig mitbekamen: An Herzlichkeit und Kreativität sind unsere „Suomalaiset“ kaum zu toppen. Kiitos paljon!