4. Platz für Michael Schulte: Das Statement der deutschen Delegation

Was für ein Abend! Michael Schulte hat mit „You Let Me Walk Alone“ für Deutschland den 4. Platz beim ESC 2018 in Lissabon erreicht. Entsprechend glücklich und zufrieden zeigte sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag die deutsche Delegation vertreten durch NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber, Head of Delegation Christoph Pellander und natürlich Michael Schulte.

Michael Schulte: Mir geht es sehr gut, es könnte mir nicht viel besser gehen. Keiner von uns hat mit so einem Ergebnis gerechnet. Mein Traum war es, in die Top 10 zu kommen. Das haben wir mit Platz 4 mehr als geschafft. Und mein anderer Traum war, von irgendeinem Land 12 Punkte zu bekommen. Jetzt waren es viermal 12 Punkte und mehrere Male 10 Punkte und das ist für mich als deutscher Eurovision-Fan einfach schön. Und für mich als Künstler ist es natürlich auch toll, die das mögen, was ich mache, wie ich singe und was ich auf der Bühne gezeigt habe. Ich fühle mich erleichtert und bin stolz. Danke auch an das Team vom NDR, von Anfang an hat da alles gestimmt. Es sollte dieses Jahr einfach so sein, das habe ich von Anfang an gemerkt, dass es das richtige Jahr ist, um anzugreifen, um auch mal selbst auf dieser Bühne zu stehen. Und wir haben das geschafft, mit Christoph, mit Thomas, mit Iris (Bents, Head of Press) und mit dem ganzen Team.

Heute auf der Bühne war es ein unglaubliches Gefühl. Es war einer der verrücktesten und schönsten Momente in meinem Leben. Wahrscheinlich war es aber fast noch schöner, dann die Punktevergabe zu erleben, als wir dann gemerkt haben, dass das alles funktioniert hat. Das ist ein tolles Gefühl.

Grüße gehen raus an SuRie aus England, die auf der Bühne etwas erlebt hat, das ich keinem Künstler wünsche. Ich glaube, das ist etwas ganz Schlimmes. Ich war hinter der Bühne und habe es auf dem Bildschirm gesehen. Das hat mich schon kurz geschockt und ich habe gedacht: „Was passiert hier grade?“ Da musste ich auch erstmal wieder zu mir finden und bin aber ganz glücklich, dass das dann funktioniert hat. SuRie hat das ganz toll gemacht und wer weiß, vielleicht schickt das UK sie ja nächstes Jahr wieder.

Netta hat das großartig gemacht heute. Auf ihr lag ja ein großer Druck nach diesem Hype, weil sie die ganze Zeit auf der 1 lag bei den Wettquoten und dann jetzt etwas zurückgefallen ist. Damit muss man erstmal klarkommen und das hat sie bravourös gemeistert. Sie hat einen tollen Auftritt hingelegt und lag bei den Fans auf Platz 1. Glückwunsch nach Israel, ich freue mich für sie. Es gab so viele tolle Songs dieses Jahr, bunt gemischt wie immer und gefühlt noch besser als in den letzten Jahren. Die Beiträge haben ganz oft meinen Geschmack getroffen und ich bin stolz, Teil dieses Jahrgangs zu sein.

Ich bin jemand, der Zahlen mag, und deshalb war ich ein Fan von den Wettquoten. Die habe ich mir gerne angeschaut, auch als ich noch weit hinten lag. so habe ich dann auch mitbekommen, wie wir langsam aber stetig gestiegen sind und plötzlich in den Top 10 und dann auf Platz 5 waren. Ich habe aber auch immer gewusst, dass es nur Wettquoten sind, und teilweise lagen sie jetzt ja auch daneben. Bei Irland zum Beispiel, der ja plötzlich auf Platz drei lag und es leider nicht geschafft hat, diesen Platz zu erreichen – das war übrigens mein Lieblingssong. Ich habe auch gehofft, dass sich die Leute in Deutschland nicht zu große Hoffnungen machen und dann enttäuscht werden. Und ich hätte nicht gedacht, dass es wirklich für den vierten Platz reicht. Gebannt habe ich dann natürlich noch verfolgt, auf welcher Position ich starten darf. Ich wollte auf keinen Fall die 2 und war dann mit der 11 glücklich. Besser hätten die letzten Tage kaum laufen können.

Der Auftritt war natürlich ein aufregender Moment. Aber ich war gestern im Jury-Finale aufgeregter. Deshalb war ich nach der Probe gestern dann auch sehr erleichtert. Heute wusste ich, dass ich diesen Auftritt genießen werde, dass das einer der größten Momente meines Lebens wird.

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Thomas Schreiber: Ich freue mich und bin erleichtert. Freude und Erleichterung über das Ergebnis und Freude für Michael, der sich selbst für den Vorentscheid beworben hat. Er hat gesagt: „Ich will mitmachen.“ Und ich freue mich, dass das Konzept aufgegangen ist: Wir suchen erst die Kandidaten und dann die Songs. Dass sich das lohnt haben wir natürlich gehofft und ein stückweit auch erwartet. Nicht den vierten Platz natürlich, das wäre vermessen. Aber wir glauben, dass das der richtige Weg war und den wollen wir auch fortsetzen. Und das zentrale Gefühl ist jetzt, dass Michael einfach ein guter Typ ist. Er hat sich etwas getraut, nämlich sich auf die Bühne zu stellen und er hat sich selbst vertraut auf diesem Weg. Ich weiß, dass Michael gut singen kann, aber er wurde von Probe zu Probe besser und sicherer. Er hat diese große Bühne in dieser großen Halle gefüllt – mit seiner Stimmt, mit seiner Präsenz, auch mit seiner Geschichte.

Wenn einer dieses Ergebnis verdient hat, dann Michael. Und das ganze Team natürlich. Christoph Pellander, der neue Head of Delegation, mein kleines Team, das mit mir auch durch das Tal der Tränen der letzten Jahre gegangen ist, und die Leute, die am Auftritt mitgearbeitet haben: Florian Wieder, der die Bühne gebaut hat und die Idee mit der aufblasbaren Projektionswand hatte. Frank Rosenthal, der die Bilder und Skizzen, die ganze Ästhetik entworfen hat. Ladislaus Kiraly, der das Konzept geschrieben hat. Und Jerry Appelt, der für das Licht hier in Lissabon verantwortlich war. Ohne so ein Team, kann man so etwas nicht machen. Ich freue mich auch für die deutschen Zuschauer, die mit ihren Gebühren die Arbeit zahlen, die wir hier machen, und die auch mitfiebern.

Wir hatten einen Vorentscheid, der unter sehr großen Zeitdruck entstanden ist. Deshalb war der Auftritt dort nur eine grobe Annäherung an das, was wir auf die Bühne bringen wollten. Uns war klar, dass das Lied Kraft hat, und es hatte auch ordentliches Airplay. Aber der Eurovision Song Contest ist eine Fernsehshow, deshalb haben Bilder eine große Kraft und wir haben in den letzten Wochen unglaublich intensiv mit der Entwicklung dieser Inszenierung verbracht. Und wir wussten, wenn Michael zum ersten Mal auf der Bühne steht, dann wird sich zeigen, ob das funktioniert oder ob das nicht funktioniert. Und da kam dann auch wirklich alles zusammen und der Auftritt wurde ein Ganzes. Und unsere Hoffnung war, dass die Menschen davon berührt werden. Dafür ist Musik auch da.

Es ist immer besser, als Underdog in so ein Rennen zu gehen, als als Favorit möglicherweise vom Sockel geholt zu werden. Israel hat geschafft, dass das nicht passiert, nicht so wie letztes Jahr Italien. Unser Konzept war also auch, dass wir mit eher geringen Erwartungen antreten und das wir diese Erwartungen dann positiv überraschen müssen. Und das ist uns gelungen.

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Christoph Pellander: Michael hat sich beworben und dann haben wir auch schnell gemerkt, dass da eine Chemie ist. Aus der Chemie wurde ein erstes Kennenlernen, aus dem Kennenlernen wurde ein längeres Treffen und spätestens beim Song Writing Camp war mir klar, dass da eine Reise beginnen könnte. Ich werde mich noch lange an den Moment erinnern können, als dieser Song entstanden ist. Seit dem gab es dann keinen Tag, an dem wir uns nicht gesprochen haben. Wir waren zusammen unterwegs, sind zusammen gereist, wir waren auf Madeira, wir haben viel Zeit miteinander verbracht, haben uns gut verstanden, haben uns gestritten und haben uns aber auch immer wieder schnell versöhnt.

Das wir jetzt hier stehen, ist surreal für mich. Gleichzeitig bin ich aber auch unfassbar stolz, dass wir das geschafft haben. Wir wurden an einigen Stellen sehr stark kritisiert für unseren neuen Weg und die Kritiken waren manchmal so hart, dass man auch gezweifelt hat, ob man noch auf der richtigen Spur ist. Ich war aber auch überzeugt von dem Sänger, von dem Lied, von der Idee dahinter und auch von dem Paket. Das war für uns immer das Wichtigste: Ein Paket zum ESC zu schicken. Wir wollen nicht einfach einen Künstler mit einem Lied. Und wir haben trotz der Kritik aus dem eigenen Land an dieses Paket geglaubt. Wir haben ganz früh von diesem Funken gesprochen, den wir erzeugen wollen und der dann auf andere Länder überspringen kann. alleine die Tatsache, dass wir wieder von unseren Nachbarn Punkte bekommen haben, das freut mich. Und ich danke Michael für diese großartige Erfahrung.