A Dal: 30 wollen Ungarns Ticket für Wien

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„Das Lied“: So einfach kann eine Sendung heißen. Aber ach was, eine Sendung – sechs Shows über sechs Wochen ergeben zusammen erst „A Dal“, und damit mausert sich der ungarische ESC-Vorentscheid seit ein paar Jahren zum Melodifestivalen des Ostens. 30 Songs stehen zur Auswahl parat, doch nur einer wird am Ende des Finals am 28. Februar „a dal“ sein, das Lied, das Ungarn beim Eurovision Song Contest 2015 in Wien vertreten wird. Ein Blick aufs Starterfeld, mit vielen Casting-Sternchen.

Los geht das Rennen um das Ticket für Wien am morgigen Samstag; in den ersten drei Wochen bis einschließlich 7. Februar sind in drei Vorrunden jeweils zehn Lieder zu hören, von denen in einem Jury-/Televoting-Mix fünf direkt in die nächste Halbfinals-Runde kommen – aus den restlichen fünf einer jeden Vorrunde wird per reinem Zuschauervoting ein weiterer Titel ausgewählt.

Sprich: Es bleiben von den 30 Titeln 18 für die beiden Halbfinals übrig. Am 14. und 21. Februar treten damit jeweils 9 Songs gegeneinander an, von denen je 4 ins Finale kommen. Auch in den Halbfinals und im Finale hat die vierköpfige Jury neben der Zuschauerabstimmung Gewicht. In dem Gremium sitzt – neben einem TV-Programmdirektor, einem ungarischen Komponisten und einem Moderator – auch Ungarns ESC-Hoffnung von 2007, Magdi Rúzsa (die Dame an der Bushaltestelle).

Auf der Liste der 30 Starter finden sich einige bekannte Namen – am bekanntesten sicher die Wolf Kati, die ihr Land bereits vor vier Jahren vertreten durfte. Als weiterer ESC-Veteran ist Gergő Rácz dabei: 1997 gehörte er zur Boygroup V.I.P., die mit „Miért kell, hogy elmenj?“ den 12. Platz für Ungarn holte. Heute ist er Mitglied der A-cappella-Gruppe Fool Moon. Außerdem machen einige wieder mit, die bereits 2014 bei „A Dal“ dabei waren, neben den erwähnten Fool Moon auch Bálint Gájer, Heni Dér oder Bogi (nicht verwechseln mit Boggie!).

Kati Wolf: What about my dreams? (2011)

So, dann schauen wir mal, was die drei Vorrunden an Musik bringen.

Runde 1 (24. Januar)

Balázs Farkas-Jenser: Liar
Der 24-Jährige wurde in Ungarn durch die Castingshow „Megasztár“ bekannt. Mit elf sah er den Film „Blues Brothers“ und war sofort in die Blues-/Soul-Musik verliebt. Das hört man auch bei „Liar“ ein wenig heraus.

Balázs Farkas-Jenser: Liar

Bogi: World of violence
Bogi hatte bei „A Dal“ 2014 ein schönes Lied, „We all“, im Rennen, mit dem sie hinter András Kállay-Saunders („Running“) Zweite wurde. Jetzt versucht es die 17-Jährige erneut.

Bogi: World of violence

Bori Magyar: Lead me to heaven
Nicht mal das ungarische Wikipédia hat einen Eintrag über die Magyar Bori. Sie ist ein „A Dal“-Newcomer und präsentiert eine Dancenummer.

Bori Magyar: Lead me to heaven

Gabi Szűcs: Úgysem felejtesz el
Gabi Szűcs war Mitte der 90er Jahre Mitgründerin der Cotton Club Singers, eines ungarischen Quartetts, das sich dem Jazz verschrieb. 2008/09 ging man auseinander. Jetzt ist Gabi das erste Mal bei „A Dal“ dabei, mit einem mäßig spannenden Liedchen.

Gabi Szűcs: Úgysem felejtesz el

Gergő Szakács: Ősz utca
Gergő ist auch ein Casting-Gewächs, war Teilnehmer bei „Rising Star“. An seinem „A Dal“-Debüt „Ősz utca“ hat er mitgeschrieben.

Gergő Szakács: Ősz utca

Karmapolis: Time is now
Dahinter steckt eine 2010 gegründete Elektro-Indie-Band mit drei Mitgliedern. „Time is now“ wirkt durch den treibenden Schlagzeugbeat. Mir gefällt’s ganz gut.

Karmapolis: Time is now

MDC: Maniac
Auch die Schnuckels von MDC kommen aus einer Castingshow, nämlich der 4. Staffel von „X-Faktor“ in Ungarn. Die Boygroup schied dort gleich in Runde 1 aus – passiert mit der eingängigem Happy-Pop-Nummer „Maniac“ in „A Dal“ hoffentlich nicht.

MDC: Maniac

Passed: Mesmerize
Die Band aus zwei Jungs und zwei Mädels, alle Anfang 20 bzw. kurz davor, wurde erst 2014 gegründet. „Mesmerize“ ist eine ungewöhnlich strukturierte triphop-hafte Nummer.

Passed: Mesmerize

Timi Antal: Woke up this way
Zweite ist sie schon mal geworden, 2012 bei „X-Faktor“. Jetzt will die 21-jährige Tímea, kurz Timi genannt, wenigstens bei „A Dal“ den Sieg holen. Potenzial hat das gitarrenlastige „Woke up this way“ jedenfalls.

Timi Antal: Woke up this way

Vera Tóth: Gyémánt
2003/2004 durch den Sieg bei „Megasztár“ bekannt geworden, hat Veronika Tóth seitdem mehrere Alben veröffentlicht. Bei „A Dal“ war bisher aber nur ihre drei Jahre jüngere Schwester Gabi, die 2012 gegen Compact Disco den Kürzeren zog.

Vera Tóth: Gyémánt

Runde 2 (31. Januar)

Ádám Szabó: Give me your love
Das ungarische Fernsehen MTVA bedient sich fleißig bei den abgehangenen Casting-Sternchen, und zu denen gehört auch Ádám: 2013 wurde er Fünfter bei „X-Faktor“, im gleichen Jahr war er auch bei „A Dal“ dabei, flog aber schon in der Vorrunde raus. Hat Herr Szabó mit der Ballade „Give me your love“ diesmal mehr Glück?

Ádám Szabó: Give me your love

Böbe & Saci Szécsi: Our time
Wo “X-Faktor” und “Megasztár“ sind, ist auch „The Voice of…“ nicht weit: An der ungarischen Version nahmen Saci und Böbe Szécsi teil. Die beiden sangen voriges Jahr bei „A Dal“, kamen aber nicht über die Vorrunde hinaus. Zweite Chance in 2015.

Böbe & Saci Szécsi: Our time

Chances: The night
Zwei bärtige Jungs bilden das Duo Chances. Mehr habe ich nicht über die Band gefunden. „The night“ klingt mir zu sehr nach der Compact-Disco-Nummer, die 2012 im ESC-Finale unterging.

Chances: The night

Gergő Oláh: A tükör előtt
Gergő Nummer zwei im Starterfeld ist nicht einfach nur ein Ex-Casting-Kandidat – nein, kurz vor Weihnachten 2012 gewann er in Ungarn die dritte „X-Faktor“-Staffel. Bald auch „A Dal“?

Gergő Oláh: A tükör előtt

Gyula Éliás Jr. feat. Fourtissimo: Run to you
Gyula gehört zu den etablierten Musikern in Ungarn, hat in seiner mehr als 15 Jahren laufenden Karriere mehrere Preise gewonnen und ist jetzt nach 2013 wieder bei „A Dal“ dabei. Vor zwei Jahren flog Gyula in der gleichen Vorrunde wie Ádám Szabó raus.

Gyula Éliás Jr. feat. Fourtissimo: Run to you

Heni Dér: Ébresztő
Auch Henrietta Dér, schon voriges Jahr bei „A Dal“ dabei (im 2. Halbfinale gescheitert), nimmt den zweiten Anlauf. Das Lied der 28-Jährigen (2003 bei „Megasztár“, danach Mitglied bei der Band Sugarloaf) kann man sich durchaus anhören.

Heni Dér: Ébresztő

Ív: Fire
Ív heißt eigentlich Éva Katona-Zsambori und macht in „Fire“ ein wenig auf Amy Winehouse. Oder Nina Zilli. 😉 Aber gar nicht schlecht.

Ív: Fire

Leander Rising: Lőjetek fel
Jetzt wird’s lauter: Leander Rising ist eine ungarische Metal-Band, die nach der Gründung 2009 erst mal nur hieß wie ihr Frontmann: Leander. Seit 2012 ist noch ein „Rising“ beigefügt. „Lőjetek fel” stammt aus dem zweiten Album der Band. Mosh!

Leander Rising: Lőjetek fel

New Level Empire: Homelights
Auch das sind „A Dal“-Rückkehrer. 2014 kam die Elektro-Popband mit „The last one“ bis ins Finale. Schaffen sie das dieses Jahr wieder?

New Level Empire: Homelights

Pankastic!: Kicsi a világ, de nagy világ
Ungewöhnliche Töne: Django-Pop nennt die Gruppe Pankastic! ihren Sound. Folkloristisch, aber mit der Klarinette auch irgendwie Klezmer-haft mit einem Hauch Melancholie. Zieht das bei „A Dal“? Ich find’s jedenfalls spannend.

Pankastic!: Kicsi a világ, de nagy világ

Runde 3 (7. Februar)

Bálint Gájer: That’s how it goes
Ein Lied, das auch Roger Cicero (oder Michael Bublé) singen könnte: Bálint (bei „A Dal“ 2014 in der Vorrunde raus) macht hier auf ungarischer Swingkönig. Der 34-Jährige darf mit „That’s how it goes“ gern weit kommen.

Bálint Gájer: That’s how it goes

Barbara Péter: Listen to the universe
Die Blondine scheint mir noch ein recht unbeschriebenes Blatt in Ungarn zu sein, ich habe außer einer dürren Website nichts gefunden. Ob sich das nach ihrem „A Dal“-Auftritt ändern wird, wage ich angesichts von „Listen to the universe“ eher zu bezweifeln.

Barbara Péter: Listen to the universe

Boggie: Wars for nothing
Boglárka Csemer, kurz Boggie, wurde vor einem Jahr in Ungarn, aber auch außerhalb ihrer Heimat bekannt durch „Perfüm“ bzw. die französische Version „Nouveau Parfum“. Daran soll „Wars for nothing“ anknüpfen, eine schöne Ballade, die ich mir auch in Wien gut vorstellen könnte.

Boggie: Wars for nothing

Fool Moon: Back 2 right
A-cappella-Songs waren beim ESC bisher nicht recht erfolgreich: Cosmos (Lettland 2006) scheiterten ebenso wie Witloof Bay (Belgien 2011). Allerdings haben die Jungs von Fool Moon ein besseres Lied als die beiden eben genannten Gruppen. Voriges Jahr wurde die Truppe im „A Dal“-Finale Dritte.

Fool Moon: Back 2 right

Ildikó Keresztes: Hazám hazád lehet
Die „A Dal“-Oma: Ildikó ist 50 Jahre alt, ist in Ungarn seit den 80ern bekannt (als Schauspielerin, aber auch Sängerin) und durfte bei „X-Faktor“ schon Coach/Mentorin spielen. 2013 stand sie im „A Dal“-Finale. 2015 wieder?

Ildikó Keresztes: Hazám hazád lehet

Kati Wolf: Ne engedj el!
Unsere Gefrierschrank-Piroschka von Düsseldorf ist wieder da! Über die 40-Jährige muss man wohl nicht mehr viel sagen. Vielleicht nur so viel: „Ne engedj el!“ ist keine rein ungarische Arbeit (anders als die meisten „A Dal“-Songs 2015) – da waren unter anderem die beiden schwedischen Songschreiber Linnea Deb und Sebastian Zelle beteiligt.

Kati Wolf: Ne engedj el!

Other Planet: Untold story
Eine weitere Band im Aufgebot, Ende 2010 gegründet. Die vier Jungs von Other Planet beschreiben ihre Musik als „Alternative/Pop/Electronic“, und „alternative“ ist auch „Untold story“. Kann man mögen.

Other Planet: Untold story

Proof of Life: Hol a határ
Die fünf Jungs von Proof of Life liefern ein etwas hektisches Popstück irgendwo zwischen Drum ’n’ Bass und Dubstep ab. Nicht so ganz mein Fall. Eurer vielleicht?

Proof of Life: Hol a határ

Spoon: Keep marching on
Eine äußerst fröhliche Nummer von vier hübschen Jungs um die 20. Schon wegen Péter, Kristóf, Miklós und Márton lohnt es sich, die „A Dal“-Runde zu schauen. Die Boyband Spoon kam im Herbst 2014 bei „X-Faktor“ bis auf Platz 6. Auch hinter „Keep marching on“ stecken Köpfe aus Skandinavien, in diesem Fall aus Norwegen (Erik Fjeld, Ida Wærdahl).

Spoon: Keep marching on

Zoltán Mujahid: Beside you
Könnt ihr das Wort Casting hier noch hören bzw. lesen? Es hilft alles nichts – auch Zoltán kommt von dort. Er war Teilnehmer der ersten „Megasztár“-Staffel im Jahr 2003, genau wie Heni Dér und Vera Tóth. Von den dreien schnitt Zoltán dort aber am schlechtesten ab (10. Platz). Der 35-Jährige stammt aus Pakistan, mit 11 Jahren zog er mit der Familie von dort nach Budapest.

Zoltán Mujahid: Beside you

So, wer hat von den 30 nun das Zeug, sich durchzuschlagen bis ins Finale und dort die restliche Konkurrenz aus dem Feld zu schlagen? Wer sollte Ungarns Vertreter beim ESC in Wien werden?

Wir sind gespannt – morgen geht’s los. Es ist die vierte Ausgabe von „A Dal“: 2012 begann das ungarische Fernsehen (MTVA) mit dem Format zur Suche (2012 mit 20 Songs, seit 2013 mit 30 Beiträgen). Wir werden das Finale am 28. Februar live bloggen.

Offizielle Website: adal2015.hu