Aktuelle Umfrage: Wie kam Levinas Probe im Pressezentrum an?

Perfektes Leben, imperfekte Probe – oder alles prima? Matthias und OLiver haben sich gestern und heute bei den (Fan-)Journalisten umgehört. Es gibt einen Trend, aber das Ergebnis ist nicht eindeutig.

„Unique und stimmig“
Tom Glanzmann, douzepoints.ch, Schweiz:
Es hat mir sehr gut gefallen, das Pressezentrum hat auch zu recht spontan applaudiert. Levina ist unglaublich hübsch, ich fühlte mich vom super Styling an Mei Finegold in Kopenhagen 2014 erinnert, die hat mir auch gut gefallen. Levina strahlt aber viel mehr Eleganz als Mei aus. Passt gut zum Thema „Perfect Life“. Mir gefällt die Reduziertheit der deutschen Inszenierung. Die Bilder sind unique und in sich stimmig. Wirklich toll ist der Kronleuchter, der Chandelier, dieses Schweizer Sackmesser (gemeint ist Taschenmesser, d. Red) in der Mitte der Bühne. Das wurde ja auch von den Machern der Bühne angekündigt und endlich ist dieses Element mal inszeniert. Das hat mir sehr gut gefallen. Sie ist zudem stimmlich perfekt, offenbar wurde am Lied auch noch gearbeitet. Ich sehe gute Chancen für Deutschland in diesem Jahr, es wird nicht für die Top Ten reichen, dafür ist das Lied nicht gut genug. Aber Levina wird auch weit entfernt vom Ende des Feldes landen, ich sehe also einen Mittelfeldplatz für Deutschland.

 

„Das Optimum herausgeholt“
Ernest Palacin, Radio San Andreu 98,0 FM, Spanien:
Der Auftritt startet prima mit einer sehr beeindruckenden Erscheinung von Levina. Ich mag den Song, aber es ist mir insgesamt zu viel Licht, zu viel Weiß und Schwarz. Mir fehlt einfach ein wenig Farbe. Levina singt hervorragend, sie ist eine sehr gute Performerin. Deutschland wird diesmal mehr Glück haben als im letzten Jahr. Der Stil der Haare ist sehr modern, das Kostüm ist richtig, hier würde ich nichts ändern. Was mich aber bekümmert, ist, dass der Song einfach nur nett, aber nicht wirklich wettbewerbsfähig ist. Und „Perfect Life“ war tatsächlich das Beste aus dem Vorentscheid. Bei der Songauswahl liegt das Problem. Spanien hat ja ganz ähnliche strukturelle Probleme mit der Vorauswahl zum ESC. Ich denke, Deutschland hat unter diesen Voraussetzungen absolut das Optimum herausgeholt. Besser geht es nicht.

 

„Deutschland hebt sich ab“
Laufey Helga Gudsmundsdóttir, Editor-in-Chief FÁSES (OGAE Island):

Die Probe war exzellent. Levina trägt ein wirklich modernes Dress, weißes Top, grauer Rock, hinten offen. Das Staging ist auch modern und edel. Ein helles, freundliches Grau. Das passt wunderbar zu dem Song und auch zu Levina. Die Kameraführung hebt zudem ihre Pluspunkte hervor. Das ist wirklich gut inszeniert. Das wäre ein Staging, das auch Belgien bräuchte…. Aber die Deutschen machen das wirklich gut dieses Jahr. Wir haben in diesem Jahr so viele Frauen in einem weißen Kleid vor blauer oder schwarzer Kulisse – da hebt sich der deutsche Beitrag wirklich ab. Bei der ersten Probe war der Ton noch nicht ganz perfekt, da kann man noch etwas feilen. Levina klang zum Teil noch etwas quäkend, aber ich bin sicher, das wird. Auf welchem Platz Levina am Ende landen wird, ist schwer zu sagen. Wenn sich sehr viele Frauen fürs Finale qualifizieren, könnte es vielleicht schwer werden. Aber ich hoffe, dass Deutschland dieses Jahr sich gut platzieren wird. Ich drücke jedenfalls die Daumen!

 

„Das Lied ist schwächer als die Sängerin“
Szymon Stellmaszyk, Radionewsletter.pl:

Die Probe war okay. Levina ist eine gute Sängerin, und ich liebe sie als Person. Aber der Song ist nicht stark, und das hier ist nun mal ein Song Contest. Es ist schwer, das Staging fair zu bewerten, wenn man das Lied nicht wirklich mag. Ich habe mit einigen Leuten gesprochen und diskutiert – die Frage ist ja: Reicht der Song für eine Top10? Denn so funktioniert nun mal der ESC. Wer kaum in einer Landes-Top10 landet, steht am Ende mit wenigen Punkten da. Das war in den letzten Jahren das Problem mit den deutschen Liedern, und es könnte dieses Jahr leider wieder ähnlich laufen. Dafür kann Levina nichts – sie singt gut, das Staging sieht edel aus und passt dazu. Wir müssen jetzt mal auf die zweite Probe warten, ob da noch etwas gefeilt wird. Aber an sich sieht das passabel aus. Nur: Das Lied ist schwächer als die Sängerin.

 

„Levina hat alles“
Daniel Dunkelman, Journalist NRG Israel:
Der Auftritt sieht edel und ruhig aus. In diesem Jahr haben wir Jodler aus Rumänien, einen riesigen Kopf aus der Ukraine… wir haben so viele Gimmicks, die für einen Song nicht wirklich wichtig sind, dass ich hoffe, dass eine so ruhige Performance als Gegenstück funktioniert. Klar, das hier ist der ESC, und da geht’s nicht nur um das Lied und die Songqualität. Aber Levina und ihr Team haben eine elegante Performance entwickelt, die dem Auge schmeichelt. Levina sah in ihrer Kleidung mit ihrem hochgefönten Haar umwerfend aus. Das gesamte Design und die Kameraführung passen wunderbar zu der Stimmung, die man erzeugen will. Es ist ein richtig runder, schicker Auftritt, von dem ich hoffe, dass er gut abschneidet. Um beim ESC erfolgreich zu sein, braucht man ein gutes Lied, einen guten Sänger, und dann eine Produktion, die das alles perfekt zusammenfügt – und Levina hat das alles. „Perfect Life“ ist meiner Meinung nach ein richtig gutes Lied, sie singt es wunderbar, und Deutschland hat beim ESC dieses Jahr eine der besten Produktionen. Die erste Aufnahme von oben, wenn Levina auf dem Boden liegt, ist ein tolles, beeindruckendes Bild. Das hätte ich gern auf meinem Laptop-Desktop. Deutschland macht 120 Prozent von dem, was man daraus hätte machen können – ehrlich, ihr hättet dieses Jahr ein gutes Ergebnis verdient.

 

„Scheußliches Staging“
Blair Martin, Radio 4ZZZ, Australien:

Fangen wir mit dem guten Stuff an: Levina singt sehr gut, sie fühlt sich auf der Bühne wohl und strahlt Freude auf der Bühne aus und verkauft den Song sehr gut. Aber und das ist ein sehr großes Aber: Das Staging ist scheußlich, Ich verstehe einfach nicht, was ein schwarz-graues Design zu tun hat mit dem Song, den sie singt, mit „Perfect Life“. Es sieht langweilig aus und passt überhaupt nicht, weder zum Song , noch zu der Interpretin. Kurz: Die Präsentation stellt einen massiven Widerspruch dar zur hervorragenden Interpretin und Performerin, die einen vernünftigen fröhlichen Popsong singt. Anders als bei Österreich, funktioniert hier das Staging nicht. Es wird aber kein letzter Platz, ich finde Spanien und Frankreich noch wesentlich schwächer umgesetzt. Deutschland wird aber hinter Rang 20 landen.

 

„Stilvoll und strahlend“
Matthias Petermann, ESC Radio:

Ich fand die Probe überraschend gut. Die spannende Frage war ja, wie man „Perfect Life“ umsetzen würde, denn das ist kein Lied, bei dem man sofort vor Augen hat, wie man es auf die Bühne bringt. Ich finde, sie haben das sehr gut umgesetzt. Ich habe irgendwo den Kommentar gelesen „Das perfekte Leben grau in grau“ – ich würde eher sagen: das perfekte Leben, stilvoll und strahlend. Levina sah super aus, die Haare schön gestylt, und sie hat ein freundliches Gesicht, das sehr gut raus kommt. Die Kleidung hat mir auch gefallen, das sah elegant aus. Gesanglich ist sie auch top. Die Kameraarbeit ist gut, das ist beim ESC ja sehr wichtig. Ich weiß, dass dieser Österreicher (Marvin Dietmann, d. Red.) engagiert wurde, der damals Conchita inszeniert hat. Aber Conchita kann man leichter auf die Bühne bringen, weil das ganz auf sie zugeschnitten ist und eine solche Hymne eine dankbare Sache ist. Das Mainstreamige von „Perfect Life“ finde ich schwieriger umzusetzen. Ich wüsste nicht, was man da noch besser machen sollte. Auch der Übergang vom Liegen zum Stehen wurde gut gelöst. Das kann ja schnell unbeholfen wirken, bei Levina sieht das aber geschmeidig aus, weil Levina sich langsam erhebt und in diesem Moment die Kamera etwas entfernt ist.

 

„Wie die teuerste Zofe von Cinderella“
William Lee Adams, wiwibloggs, Großbritannien:
Levina hat nicht das Dirty Girl herausgelassen, wie wir empfohlen haben, sondern die elegante Frau. Sie sah aus wie ein Model, das einen Vertrag mit L’Oreal hat. Die Inszenierung strahlt für mich Jil Sander Vibes aus, aus, also minimalistische Elemente mit hohem Effekt. Levina wirkt ein wenig wie die teuerste Zofe von Cinderella. Alles sehr künstlerisch, wir haben die vielen Diamanten auf dem Bühnenboden gesehen. Sie sucht nach Perfektion in ihrem Leben, und die Bühne hat das wiedergespiegelt. High-Class in jedem Aspekt, bisweilen dachte ich an einen Mac Book Pro Computer, sehr trendy, das möchte jeder haben. Sie hat den Pyroregen am Ende, das wandelt ihr Silberstaging hin zu Gold. Anders als Ann-Sophie wird sie mit Sicherheit nicht Letzte werden! Auf gar keinen Fall! In einem Feld mit Over-the-Top-Bühnenbildern wird sie herausstechen. Die spektakuläre Eröffnungskamerafahrt ist vermutlich die beste Einstellung im gesamten ESC 2017.

 

„Von Anfang an professionell“
Katja Black, Radio NH (Noord-Holland):

Ich finde das Staging ein bisschen depressiv. Ich mag es gern etwas farbig, da ist mir die Bühne bei Deutschland etwas zu monoton. Aber das ist meine persönliche Präferenz, ich verstehe schon, was die deutsche Delegation damit erzielen will. Das wichtigste: Levina macht einen tollen Job. Sie sieht fabelhaft aus, sie singt gut und hat eine unglaubliche Bühnenpräsenz – ganz anders als etwa Blanche aus Belgien. Levina ist zwar ganz allein auf der Bühne, aber sie ist so präsent, dass man nicht den Eindruck hat, dass sie verloren wirken könnte. Sie kommuniziert auch gut mit der Kamera. So kommt das ganze gut rüber. Und das gleich von Anfang an. Beim ESC erleben wir ja oft erste Proben, in denen der Künstler unbeholfen wirkt oder noch Probleme mit den Kameras hat – Levina überhaupt nicht! Das hat mich sehr beeindruckt. Es war von Anfang an professionell. Leider ist das Lied nicht so stark, dass es für ein wirklich gutes Abschneiden reichen wird. Ich tippe mal auf ein Ergebnis so um den 15. Platz. Und das wird man dann vor allem Levinas Personality auf der Bühne zu verdanken haben. Denn das Lied… ehrlich gesagt, wenn du mich jetzt bitten würdest, es zu singen, würde es mir nicht in den Kopf kommen.

 

„Friedvoll und elegant“
Tural Abdulla, eurovoxx.net, Aserbaidschan

Das Staging ist sehr gut, das habe ich so gar nicht erwaretet. Das Licht ist wow. Ich liebe ihre Stimme wirklich, aber ich fand, dass sie mit dem anderen Song aus dem Vorentscheid „Wildfire“ viel besser gefahren wäre. „Perfect Life“ hat dieser Junge, wie hieß er doch gleich, Axel, besser gesungen. Hier kann sie nicht so gut zeigen, was sie wirklich kann. Das graue Staging, insbesondere die weißen Farben gefallen mir wirken friedvoll und elegant. Auch die Pyroeffekte passen gut dazu. Angesichts des Songs denke ich, dass Deutschland das Beste herausgeholt hat. Es ist schwierig einzuschätzen, wo Levina landen wird. Derartige Songs à la Sia oder David Guetta hat man einfach schon so oft gehört. Ich wünsche ihr einen Mittelfeldplatz, aber es wird wohl eher ein Rang am Ende werden. Den letzten Rang verdient sie auf keinen Fall.

Wir danken herzlich allen Kollegen, die sich an unserer Befragung beteiligt haben. Eine weitere Presseumfrage zu den Qualifikationschancen der Schweiz und Österreichs haben wir hier veröffentlicht. Und hier finden sich die Stimmen der Fach- und Fanpresse bevor sie Levinas Staging kannten.