ARD versteckt ESC-Semifinals wieder in Nischenprogrammen

The same procedure as every year: Die ARD jubelt, weil sie alle drei Eurovision-Shows im TV übertragt. Allerdings wird nur das Finale live im Ersten gezeigt. Die beiden Halbfinals werden hingegen in (digitalen) Nischenprogrammen versendet, dafür aber zu nachtschlafender Zeit wiederholt. Pro Sieben lässt in diesem Jahr ganz die Finger von einer Live-Übertragung.

Der Eurovsion-im-eigenen-Land-und-Brainpool-produziert-alles-Hype hatte letztes Jahr dazu geführt, dass Pro Sieben das erste Halbfinale live übertrug (parallel zum ARD-Digitalkanal EinsFestival) und die ARD das zweite Halbfinale im Ersten. Die Quoten waren – diplomatisch gesprochen – ernüchternd.

Somit heißt es in diesem Jahr: Zurück auf Null. Pro Sieben fasst den ESC gar nicht mehr an. Die ARD überträgt das Finale am 26. Mai natürlich live im Ersten – schließlich ist das seit Jahren das bei der jungen Zielgruppe (14-49 Jahre) erfolgreichste Programm des Senders überhaupt.

Das erste Halbfinale am Dienstag, den 22. Mai gibt’s live jedoch nur im digitalen Null-Komma-irgendwas-Prozent-Reichweite-Kanal EinsFestival – und im Netz auf Eurovision.de. Das NDR Fernsehen zeigt die Sendung zeitversetzt ab 0.00 Uhr.

Das zweite Halbfinale am Donnerstag, den 24. Mai gibt’s live im mit Ach und Krach Eins-Komma-irgendwas-Prozent-Reichweite-Ereignisfernsehen Phoenix. Zeitversetzt sendet EinsFestival die Show am gleichen Abend ab 23.00 Uhr.

Beim zweiten Halbfinale dürfen die deutschen Zuschauerinnen und Zuschauer mit abstimmen. Bei der Ausstrahlung auf Phoenix kann man der ARD zumindest nicht den Vorwurf machen, sich mit den Telefongebühren bereichern zu wollen. Andererseits reicht ein Social-Media-Aufruf einer Migranten- oder Spaß-Truppe und schon ist das ganze Voting-Ergebnis manipuliert.

Am Finaltag selbst gibt’s keine Veränderungen: Vor der Show läuft ab 20:15 Uhr der „Countdown für Baku“ (wörtlich genommen ja eigentlich ein ziemlich bedrohlicher Sendungstitel für die Stadt) und anschließend die „Grand Prix Party“ live von der Reeperbahn.

Wie gesagt: The same procedure as every year. Oder optimistisch formuliert: Never change a (more or less) winning programming.

PS: Das schwedische Fernsehen hat angekündigt, wieder sämtliche Eurovision-Beiträge in der vierteiligen Sendung Inför Eurovision vorzustellen. Natürlich im reichweitenstarken Ersten Programm. Dort laufen dann voraussichtlich auch wieder alle Shows aus Baku.