Armenien zieht Teilnahme in Baku zurück

Eine Überraschung ist es im Nachhinein nicht, aber viele hatten gehofft, dass die verfeindeten Kaukasusrepubliken Aserbaidschan und Armenien für zwei Wochen im Mai ihren Zwist um die Region Berg-Karabach beiseite schieben können. Das armenische Fernsehen hat jedoch jetzt die EBU darüber in Kenntnis gesetzt, dass man im Mai keinen Vertreter nach Baku entsenden wird.

Ursprünglich hatten die Armenier ihre Teilnahme zugesagt, und am nächsten Sonntag sollte der Öffentlichkeit auch ein Direktkandidat präsentiert werden. Allerdings hatten sich in den letzten Wochen diverse namhafte Sängerinnen und Sänger des Landes gegen die Teilnahme ausgesprochen, darunter auch die ehemaligen ESC-Teilnehmer Hayko (2007), Eva Rivas (2010) und Emmy (2011). Armenien sollte demnach keinen Künstler in ein Land senden, das bekannt sei für seine Massenmorde und Massaker an Armeniern.

Die aserbaidschanische Regierung hatte bereits Ende vergangenen Jahres von der EBU geforderte Sicherheitsgarantien für eine zu erwartende armenische Delegation abgegeben. Dass es jetzt doch nicht dazu kommt, ist einerseits zwar schade, andererseits aber wohl die optimale Lösung für alle Beteiligten. In Aserbaidschan kann man aufatmen, dass der Feind nicht kommt, in Armenien kann man aufatmen, dass man nicht zum Feind muss und in Genf kann die EBU aufatmen, dass ihr dieser diplomatisch nur schwer zu verdauende Klops weitestgehend erspart bleibt.

Schade ist es, weil man den Beweis hätte antreten können, dass es sich beim Eurovision Song Contest tatsächlich um eine unpolitische Veranstaltung handelt.

Das armenische Fernsehen muss sich jetzt übrigens auf eine saftige Geldstrafe einstellen. Ich glaube allerdings bei dieser Vorgeschichte nicht, dass die EBU weitergehende Sanktionen verhängen wird, wie zum Beispiel eine mehrjährige Sperre, wie sie 2005 dem Libanon widerfahren ist. Dieser hatte damals bereits ein Lied für Kiew ausgesucht, teilte dann aber mit, dass man den israelischen Song während der Übertragung aus gesetzlichen Gründen ausblenden müsse (dabei war der so schön!!). Daraufhin zog man die Teilnahme zurück und wurde mit einer Geldstrafe sowie einer dreijährigen Sperre belegt. Allerdings hat der Libanon seitdem nie wieder einen Versuch unternommen, teilzunehmen.

Armenien wird dann aber wohl 2013 wieder mit von der Partie sein – außer Sabina Babayeva setzt zum Doppelsieg an.

Das zweite Halbfinale am 24. Mai wird somit nur von 18 Ländern bestritten.

Die Thematik ist hier auf dem Blog häufig diskutiert worden. Hier findet Ihr z.B. einen sehr persönliche ESC Bilanz von Blogger Armen nach dem Erfolg von Eli und Nikki in Düsseldorf und hier und hier schreibt OLiver über den Bergkarabach-Konflikt.