Auf nach Lissabon! (2): Alvaro Soler

Urlaubs-Feeling, Sommer, Sonne, gute Laune und dazu eine Prise Latino-Beats, das ist die musikalische Welt von Alvaro Soler. Sollte der NDR den deutschen Vertreter für den ESC 2018 in einem offenen Vorentscheid suchen, so würde Alvaro Soler dem Teilnehmerfeld gut zu Gesicht stehen, findet PrinzBlogger Marc.

Die Fakten

Alvaro Tauchert Soler wurde am 9.1.1991 in Barcelona geboren und hat eine spanische Mutter und einen deutschen Vater. Mit 10 Jahren begann er mit Klavierunterricht. Seine Jugend verbrachte er mit seiner Familie in Tokio und besuchte dort die deutsche Schule. Mit 17 kehrte er zurück nach Barcelona und studierte dort Industriedesign. Parallel gründete er mit seinem Bruder und 2 Freunden eine Band und kam beim landesweiten Talentwettbewerb „Tu si que vales“ bis ins Finale.

Dann ging es steil bergauf. Universal Music wurde auf Alvaro aufmerksam und nahm ihn als Solokünstler unter Vertrag und Alvaro zog nach Berlin. Gemeinsam mit Alexander Zuckowski und Simon Triebel komponierte, textete und produzierte er sein Debut-Album „Eterno Agosto“ (dt.: Ewiger August) . Die erste Single „El mismo sol“ wurde im Frühjahr 2015 zunächst in Italien veröffentlicht und schoss innerhalb von 2 Wochen katapultartig auf Platz 1 der Charts (5-fach Platin in Italien). Ein Riesenerfolg für einen Newcomer. Im Juni wurde die Single in vielen weiteren europäischen Ländern veröffentlicht und erreichte Platz 1 in der Schweiz, Platz 6 in Spanien und Österreich, aber „nur“ Platz 20 in Deutschland. In unzähligen weiteren europäischen und lateinamerikanischen Ländern wurde der Song ein Top 10 Hit.

Alvaro Soler – El mismo sol (2015)

Woran scheitern viele Newcomer? An der Nachfolge-Single. Nicht so Alvaro Soler: die zweite Single „Sofia“ toppte 2016 sogar noch den Erfolg. In Italien und der Schweiz landete Sofia erneut auf der 1. In Belgien und Frankreich gab es eine Goldene Schallplatte für „Sofia“ und in Polen gar eine Diamantene. Über Kuba und Mexico die Panamericana hinunter bis nach Feuerland in den Südzipfel von Argentinien und Chile laufen die Songs von Alvaro im Radio. So ist es auch wenig verwunderlich, dass die zugehörigen Videos schier unglaubliche Viewzahlen aufweisen: „El mismo sol“ (rund 150 Mio Views) und „Sofia“ (rund 400 Mio Views).

Interessanterweise gibt es in der Vita von Alvaro Soler bereits einige ESC-Bezüge. So veröffentlichte er beispielsweise im September 2016 in Italien mit Emma Marrone (ESC 2014, La mia città) den Song „Libre“. Alexander Zuckowski (Sohn von Rolf Zuckowski), der Alvaros Erfolgsalbum „Eterno Agosto“ produziert und komponiert hat, ist einer der Erfolgs-Autoren von „Rise like a Phoenix“ (ESC 2014).

 

Die Emotionen

Ich muss ehrlich zugeben, als ich „El mismo sol“ und auch „Sofia“ jeweils das erste Mal im Radio gehört dachte ich spontan: „nett/gefällt mir“, aber umgehauen hat es mich nicht. Für einen potenziellen ESC-Song eigentlich keine idealen Voraussetzungen… aber: nachdem ich die Songs öfter im Radio gehört habe, nachdem ich die Videos dazu angeschaut habe („Sofia“ spielt z.B. auf Kuba), da mutierten die Songs bei mir zu Ohrwürmern. Bei „El mismo sol“ denke ich sofort an Playa del Carmen in Mexico, wo ich bei einer Open Air Beach Party zu dem Song getanzt habe und bei „Sofia“ an das Café in Buenos Aires, wo die Leute spontan in der Straße dazu tanzten – jeweils Lebensfreude pur.

Warum also nicht Alvaro an einem deutschen Vorentscheid teilnehmen lassen?

Was spricht dagegen: 1. Er singt auf spanisch (Was hat das mit Deutschland zu tun?) und 2. Kritiker werden ihm vorwerfen, dass er zu weichgepülten braven Latino-Radio-Pop anbietet, der für den ESC nicht schnell genug zündet.

Was spricht dafür: 1. Er ist ein Sunnyboy mit Eye-Candy Qualitäten.  2. Seine Songs haben durchaus Ohrwurm-Potenzial.  3. Alvaros Songs kommen international an und er hat in vielen Ländern Europas Erfolg.  4. Der ESC 2018 findet in Südeuropa/Lissabon statt. Ein Gute-Laune-Sommer-Hit (wenn entsprechend optisch aufbereitet) könnte da gut passen.  5. Alvaro würde Aufmerksamkeit erzeugen und polarisieren (z.B. mit der Schlagzeile „Deutschland singt auf Spanisch“). Tendenziell ist es beim ESC besser herauszustechen und zu polarisieren, als unbeachtet zu bleiben.

Was sind die Gefahren? Es müsste darauf geachtet werden, dass das Gesamt-Paket „Alvaro Soler“ authentisch daher kommt und es nicht künstlich konstruiert wirkt. Ähnlich wie bei Zoë, die für Österreich auf Französisch sang, wirkt es bei Alvaro aufgrund seiner Historie und Herkunft ebenso schlüssig und glaubwürdig, warum er auf Spanisch singt. Wichtig wäre auch die Bühnenpräsentation. Das Gute-Laune-Sommer-Feeling muss emotional und stimmig transportiert werden. Gut gelungen ist dies z.B. bei Malta 2013 bei Gianlucca Bezzina „Tomorrow“. Weniger gut, weil zu kitschig inszeniert: Spanien 2017 Manel Navarro „Do it for your Lover“.

Alvaro Soler – Sofia (2016)

 

Das Argument

Alvaro Soler würde mit einer Teilnahme am Vorentscheid das Teilnehmerfeld bereichern und mit einem spanischsprachigen Sommer-Song auch auffallen und für Gesprächsstoff sorgen. Da Alvaro vermutlich 2018 eh wieder eine neue Single am Start hätte, würde er mit einer Teilnahme nicht viel aufs Spiel setzen. Wenn der Song ähnlich gut ist wie „Sofia“ und „El mismo sol“, wird es eh in vielen Ländern Europas wieder ein Hit werden, egal ob er in Deutschland den Vorentscheid gewinnt oder nicht. Somit hätte Alvaro aber die Chance in Deutschland seiner Karriere einen Push zu verleihen – denn bisher haben seine Songs ausgerechnet in Deutschland nicht so hohe Charts-Platzierungen wie in vielen anderen Ländern Europas. Von daher: Alvaro, vamos!

Alvaro Soler – Animal (2017)

 

Alvaro Soler ist in den Social Media sehr präsent: Er bietet eine eigene Website, ist bei Facebook, Twitter und Instagram und hat einen eignen YouTube-Channel.

 

Bisher in der Serie „Auf nach Lissabon!“ erschienen:
(1) Feuerherz (Matthias)