Bundesvision Song Contest 2014 – Dreikampf der Chartstürmer und Max kommt mit „Charlotte“

Bundesvision-Song-Contest-2014

Während das Festival von Kopenhagen sich so langsam Richtung ESC-History-Book bewegt und wir schon erste kleine Fetzen der Ausgabe 2015 serviert bekommen, steht er wieder auf dem Programm: der Bundesvision Song Contest. Eigentlich hat dieser Pseudo-Grand-Prix bis auf die Punktereihung und die Vergabe derselben nur sehr wenig mit seinem großen Bruder gemein, aber wir nehmen, was wir kriegen.

Wie schon in den letzten Jahren wollen wir auch 2014 unsere Live-Blog-Saison mit einem Direktbericht über die Veranstaltung einläuten – und diesmal ist sogar eine Prise ESC-Futter dabei. Der BuViSoCo findet statt am Samstag, 20. September 2014 ab 20.15 im TV und als Live-Blog hier bei uns. Und hier kann man sich schon mal etwas einstimmen.

Er ist wirklich nicht so richtig beliebt in ESC-Fankreisen, dieser Wettbewerb, der anno 2005 von TV-Tausendsassa Stefan Raab ins Leben gerufen wurde. Doch trotz mäßiger Quoten und immer wieder geäußerter Kritik an Showkonzept, Musikauswahl, Moderation und vor allem der Punktevergabe scheint das Ding nicht totzukriegen zu sein. Bereits zum zehnten Mal trifft man sich am nächsten Samstag und wie  immer ist eine mehr oder weniger bunte Mischung etablierter Künstler und hoffnungsfroher Newcomer an Bord. Vor ein paar Wochen hat Blogger-Kollege Jan das Startfeld ja bereits kurz vorgestellt.

BuViSoCo 2014 - Plakat
Es war eigentlich immer so beim BuViSoCo, dass sich die bekanntesten Namen dort durchgesetzt haben. Meistens war und ist es so, dass diese mit der zweiten oder dritten Single aus ihrem jeweils aktuellen Album dort antreten und so gewannen Unheilig nicht mit „Geboren um zu leben“, sondern mit „Unter deiner Flagge“ oder Tim Bendzko nicht mit seinem Riesenhit „Nur noch kurz die Welt retten“, sondern mit der weniger spektakulären Nachfolgesingle „Wenn Worte meine Sprache wären“. Die Strategie scheint zu sein, durch einen ansprechenden und hoffentlich erfolgreichen Auftritt beim Festival noch einmal die Albumverkäufe anzukurbeln. So kriegt man nur selten die ganz starken Nummern, aber das ist bei den Topstars, die sich an den ESC wagen, ja auch manchmal so.

Überraschungen gibt es wenige, meistens schaffen es jedoch bei jeder Ausgabe ein oder zwei Außenseiter oder gar Newcomer ganz nach vorn. Beinahe hätte im Jahre 2010 die Band Silly dem Grafen mit „Alles rot“ den fest eingeplanten Sieg streitig gemacht.

2011 überraschte Neuling Flo Mega mit „Zurück“ und ein Jahr später hätten zumindest die Prinz-Live-Blogger das Damentrio Laing mit „Morgens immer müde“ viel lieber auf der Eins gesehen, als Naidoo und seinen Rapperfreund.

 

Auch in diesem Jahr sind einige Acts dabei, die aktuell die Charts aufmischen und daher vermutlich den Sieg unter sich ausmachen werden. Drei sind es diesmal, mit denen man wohl rechnen muss: Revolverheld für Bremen, Marteria für Mecklenburg-Vorpommern und Andreas Bourani für Bayern. Alle drei haben es schon beim BuViSoCo versucht: Andreas Bourani im Jahre 2011 mit „Eisberg“ (Platz 10), Marteria 2009 mit „Zum König geboren“ (Platz 12) und Revolverheld bereits 2006 mit „Freunde bleiben“, was ihnen damals schon Silber brachte.

Der musikalisch sehr vielfältige, inhaltlich originelle und politisch korrekte Hip-Hopper Marteria hat neben seinem Nummer-1-Album „Zum Glück in die Zukunft 2“  seit Ende 2013 auch noch fünf Songs aus diesem Werk in den Single-Charts untergebracht, darunter zwei unter den Top 10: „OMG“ und „Kids“. Eine Ausbeute, die sich sehen lassen kann. Für den BuViSoCo hat er sich den Schlussgesang seines Albums ausgesucht. Lokalpatriotisch besingt er sein bzw. „Mein Rostock“. Ein ruhiger, emotionaler und auch persönlicher Sprechgesang, der vor allem durch die schönen Harmonien und den energiehaltigen „Refrain“ die Möglichkeit bietet, Atmosphäre auf die Bühne zu zaubern. Eine Partynummer ist das Lied allerdings nicht. Mal schauen, was er sich für die optische Umsetzung ausdenkt.

 

Auch Andreas Bourani geht es ruhig an. Sehr ruhig. Nachdem er mit seiner Nummer-1-Single „Auf uns“ einen der Sommerhits des Jahres abgeliefert hat und im Zuge dessen auch mit seinem Album „Hey“ die Album-Top-10 entern konnte, dürfte sein BuViSoCo-Beitrag auch bereits dem ein oder anderen Musikliebhaber bekannt sein. Aber anders als das dynamisch-hymnische „Auf uns“ ist „Auf anderen Wegen“ eine extrem zurückgenommene Trennungsballade. Musikalisch passiert relativ wenig, es kommt sicher sehr auf den Gesang an, der bei seinem Live-Auftritt auf der WM-Fanmeile besonders in den Höhen nicht jeden überzeugte. Aber vielleicht können es Wunderkerzen und Handylichter im Zuschauerraum richten. Dennoch: es könnte schwer werden.

 

Revolverheld haben mit ihrem Beitrag „Lass uns gehen“ auf den ersten Blick am ehesten die Chance, den Saal zum Kochen zu bringen. Nach der Softrock-Liebesballade, „Ich lass für dich das Licht an“, die ihnen vor einigen Monaten bereits den zweiten Top-10-Hit aus ihrem vierten Album „Immer in Bewegung“ (ebenfalls Top 10) verschaffte, notiert ihr bereits im Juli veröffentlichter BuViSoCo-Beitrag auch schon in der 30er Gruppe der deutschen Single-Charts.

„Lass uns gehen“ ist eingängig und funktioniert direkt. Der Song wirkt wie eine Art Nachfolgehymne zu „Auf uns“, wenn auch bei weitem nicht so emotional wie der Bourani-Titel. Zurück zu den Ursprüngen, weg von den Irrungen und Wirrungen unserer Zeit hin zu ein bisschen Frieden abseits des Lärms der Großstädte – so ist das Thema des Songs. Textlich mit allerhand Klischees behaftet, aber solide produziert (sogar mit „We-all-stand-together-Chor am Ende) scheint dieses Weltverbesserungsfutter auf BuViSoCo-Art von den drei Top-Acts der eindeutigste Favorit zu sein, bietet die Nummer doch die besten Möglichkeiten zu einer Saalperformance, die das Publikum unmittelbar ansprechen kann. Und die aktuellen Verkäufe des Titels unterstreichen dies.

 

Neben diesen drei Acts gibt es noch ein paar andere, die schon mal von sich haben hören lassen. Jupiter Jones beispielsweise. Vor drei Jahren hatten die Pfälzer einen Riesenhit mit „Still“, in dessen Fahrwasser sie gleich auch noch einen sechsten Platz beim BuViSoCo einfuhren, jetzt sind sie nach Umbesetzungen in der Band wieder da, allerdings ohne Hit in der Vorsaison des Wettbewerbs. Mal sehen wie sich das hübsche und gefällige  „Plötzlich hält die Welt an“ schlägt.

 

Auch Miss Platinum hat bereits von sich reden gemacht. U.a. gemeinsam mit Marteria hatte sie 2012 den Nummer-1-Hit „Lila Wolken“, der sich fast ein Jahr in den Single-Charts hielt. Ihr im März erschienenes deutschsprachiges Album „Glück und Benzin“ kann so viel Nachhaltigkeit nicht vorweisen. Die Platte war eine Woche auf Platz 34 war notiert. Vielleicht verhilft ihr BuViSoCo-Beitrag mit dem ungewöhnlichen Titel „Hüftgold“ ihr ja noch zu ein paar Abverkäufen. Im Feld der 16 Natiönchen macht es sich jedenfalls ganz gut.

 

Der Rest der teilnehmenden Bands und Musiker ist dann noch eine Nummer kleiner oder entstammt gänzlich der Newcomer-Schublade. Da lassen wir uns überraschen. Und: auch der ESC spielt eine Rolle.

Bislang hat noch niemand am Bundesvision Song Contest teilgenommen, der zuvor auch schon einmal auf einer ESC-Bühne gestanden hatte. Einzige ESC-Bezüge im waren bislang Sandy und Nadja von den No Angels, die sich drei bzw. zwei Jahre vor ihrer Teilnahme in Belgrad mit unterschiedlichem Erfolg für Rheinland-Pfalz und Hessen in den Ring begaben. Und 2010 sangen Dirk Darmstaedter und Bernd Begemann tatsächlich für Niedersachsen den 1956-ESC-Beitrag von Freddy Quinn beim BuViSoCo – und erreichten mit vier Punkten das allerschlechteste Ergebnis, das jemals ein Beitrag bei diesem Wettbewerb erzielte.

 

Aber 2014 bricht ein neues Zeitalter an: Baden-Württemberg hat ihn am Start: Max Mutzke, Raab-Entdeckung und einer der erfolgreichsten deutschen ESC-Teilnehmer der letzten  15 Jahre.  Wie wir ja alle wissen schaffte Max beim ESC in Istanbul im Jahre 2004 einen hübschen achten Platz mit der sehr relaxten Nummer „Can’t wait until tonight“. Der Song wurde sein bis heute größter Hit, das dazugehörige Album schaffte es wie die Single auf Platz 1 und Max hält sich seitdem irgendwie im Showgeschäft, tritt viel live auf, veröffentlicht hin und wieder seine Alben, die sich ebenso wie seine Single meistens in den mittleren oder unteren Regionen der Charts einfinden.

Vor zwei Jahren ließ er zuletzt von sich hören mit dem gelungenen und engagierten Album „Durch einander“, dem kurze Zeit später sein erstes Live-Album folgte. 2010 gab es sogar noch einmal ein kurzes ESC-Da Capo. Max war Co-Autor des Titels „I care for you“, mit dem Jennifer Braun bei „Unser Star für Oslo“ quasi Zweite hinter Lena wurde.

 

Für den Bundesvision-Song-Contest hat Max ein Lied namens „Charlotte“ im Gepäck. Und das hat es in sich. Nach dem Eröffnungsruf „Platz für mich“ wird gefunkt. Coole Grooves und fette Bläser ersetzen die leider recht knapp gehaltene Melodie. Eine gut gemachte, sehr ambitionierte und konsequente Nummer, die sicher im Publikum rhythmische Oberkörperbewegungen und heftiges Fußwippen auslösen wird.

Aber funktioniert der Song beim ersten Hören? Nun, ich würde mal sagen, man kann sich durchaus in „Charlotte“ verlieben, aber wohl erst auf den zweiten oder dritten Blick. Dann wirkt das Ganze sogar eingängig. Vielleicht hilft die recht häufige Wiederholung des titelgebenden Vornamens noch ein wenig, um auch beim ersten Mal ein paar Zuschauer zu gewinnen.

Max Mutzke Charlotte

Ob die Zuschauer für Max und seine treibenden Frühsiebziger-Funkbeats anrufen werden, wenn sie eine radiofreundliche Hymne einer netten und zurzeit sehr bekannten Bremer Band haben können? Kann sein, kann auch nicht sein. Was wissen wir schon vom Bundesvision-Song-Contest und vom Wertungsverhalten seiner Zuschauer…

Auch wenn ihm möglicherweise der Instant Appeal und der große Hit aus dem Jahre 2014 fehlen mag, wir wünschen Max, dem alten ESC-Hasen, natürlich das Allerbeste. Für 12 Punkte aus Baden Württemberg dürfte es auf jeden Fall reichen.

Hier geht es zu „Charlotte“.

Noch eine Woche, dann ist es also wieder so weit. Uns erwartet ein grinsender Moderator, eine überlange Show, 16 Einspielfilmchen, die alle mit demselben Einleitungssatz beginnen, nervige Lokalradiogrößen, aber auch ein paar witzige überdrehte Auftritte und 16 mal die magischen 12 Punkte. Mehr kann man als ESC-Fan im September wirklich nicht verlangen.

Live-Blog Bundesvision-Song-Contest am kommenden Samstag, 20. September, ab 20.15 Uhr hier bei uns.