Bye-bye Prinz Blog!


Es liegt in der Natur der Dinge, dass sich Blogger auch mal Auszeiten nehmen oder den Blog verlassen (müssen). OLiver erklärt, warum er nach mehr als acht Jahren als aktiver PrinzBlogger zum Jahresende aufhört und welche Konsequenzen das für den PrinzBlog mit sich bringt.

Als zuerst WM und dann Armen aufhörten zu bloggen, haben sie sich nicht speziell von den Lesern verabschiedet. Aufgrund beruflicher Anforderungen waren beide gezwungen, bis auf weiteres aus dem Blog auszusteigen. Das war eigentlich nur zeitweise geplant, aber – so ist das Leben – sie kehrten bis auf kurze Gastblogger-Einlagen bisher nicht zurück in den aktiven Bloggerstatus.

Auch bei mir spielt die berufliche Seite eine Rolle, sie ist aber nicht entscheidend für meinen kommenden PrinzBlog-Exit zum Jahresende. Nach mehr als 1.300 Blogbeiträgen seit 2009 und umfangreicher Back-Office-Koordination für den Blog ist meine Entscheidung über die letzten beiden Jahre gereift und hat mehrere Gründe.

Zunächst unterscheidet sich meine Motivation von derjenigen der meisten meiner Kollegen. Die überwiegende Mehrheit der ESC Fachpresse, die aus nicht journalistisch vorgebildeten ESC-Fans besteht, bloggt, weil sie beim ESC live und vor Ort hinter den Kulissen dabei sein möchte, Interpreten und Kollegen treffen möchte, das ESC Bubble Live Feeling genießen möchte. Also bloggen, um beim ESC zu sein. Ich jedoch war stets dort, um zu bloggen. Und zwar möglichst unterhaltsam. Ich ziehe meine Motivation nicht aus immer neuen ESC Jahrgängen, Selfies mit Künstlern, Preview-Konzerten oder der Live-Atmosphäre. Sondern vowiegend aus besonders gelungenen originellen Blogbeiträgen und der Interaktion mit den Lesern auf dem Blog.

Mit unserem Erfolg und dem starken Anstieg der Leser und der Kommentare sind die Hintergrundaufgaben in der Koordination, in die ich seit 2011 irgendwie natürlich hineingewachsen war, immer mehr geworden. Zeitweise war ich in der Hochsaison zwischen Januar und Mai 20 Stunden und mehr pro Woche mit dem Blog beschäftigt. Das ging im letzten und in diesem Jahr soweit, dass mein eigentlicher Job dadurch beeinträchtigt war und ich zudem keine Zeit mehr für andere Freizeitaktivitäten übrig hatte.

Hinzu kommt, dass ich glaube, dass wir – die PrinzBlogger – mit dem Blog das erreicht haben, was mit unserer ehrenamtlichen Struktur überhaupt möglich ist. Aus meiner Sicht ist der Blog „ausentwickelt“. Ihn weiter zu professionalisieren ist mit unseren Möglichkeiten (ein Team aus Freizeitbloggern, ESC als Hobby, überschaubare technische Investitionen) nicht möglich. Wir dürfen wahrlich sehr stolz sein auf das, was wir erreicht haben und auf die Schwerpunkte, die wir gesetzt haben. Mich persönlich reizt es aber momentan nicht mehr ausreichend, um auf dieser Basis weiterzumachen. Ich hatte stets mehr Freude daran, ein Projekt zu entwickeln und immer weiter zu verbessern, neue Serien zu entwickeln oder gängige Formate wie die Songchecks aufzubürsten anstatt Jahr für Jahr das Erreichte fortzuführen.

Meinen Exit-Wunsch habe ich bereits nach dem ESC in Wien mit einigen Bloggern besprochen, im Juli dieses Jahres habe ich alle aktiven Kollegen informiert und im Oktober hatten wir unser jährliches Blogger-Meeting zur neuen Saison, bei dem es diesmal darum ging, wie wir meine bisherigen (umfangreichen) Aufgaben am besten verteilen.

Ergebnis: Der Blog wird zunächst dezentralisiert und alle aktiven Blogger übernehmen künftig feste Aufgaben, gewissermaßen „Ressorts“. Das mag am Anfang etwas „ruckeln“, bis es sich eingespielt hat, aber ich bin mir sicher, die Kollegen werden Euch weiterhin die beste unabhängige ESC Seite im deutschsprachigen Raum liefern.

Leider gehört das Lesergame nicht zu den Punkten, die auf der Liste der unabdingbaren Aufgaben stehen. Es ist mir vorerst nicht gelungen, einen oder zwei Kollegen zu finden, die es wie bisher wöchentlich weiterführen möchten. Das ist verständlich, weil insbesondere die Vorbereitung und Verwaltung recht aufwändig ist (man zählt täglich Votes und muss immer Samstag 18 Uhr am Rechner sein). Immerhin hat sich Tjabe bereit erklärt, im Frühjahr ein bereits vorbereitetes Länder-Lesergame, die Portuguese Open, durchzuführen. Es wird jedoch keinen ESC Freestyle Contest geben und das Lesergame im Songspatensystem wird bis auf weiteres eingestellt. Leider.

Unter Umständen finden sich nach dem ESC in Lissabon doch noch ein oder zwei Blogger, die dann in der Off-Season den üblichen Second Chance Contest durchführen möchten, ich offeriere selbstverständlich meine Expertise für eine ausführliche Einführung/Übergabe.

Ansonsten heißt es für mich ab 1. Januar 2018: kein Prinz Blog mehr, auch keine anderen ESC Blogs, ich werde ein ESC-Medien freies Jahr verbringen! In Lissabon werde ich voraussichtlich als ganz normaler Fan weilen, der erstmals seit den 80er-Jahren wieder einen ESC anschauen wird, ohne die Titel vorab gehört zu haben! Nun ja fast… ich werde mir Sanremo nicht verkneifen können und die deutsche Vorentscheidung wird man medienmäßig wohl auch nicht ignorieren können.

Womöglich werde ich ab 2019 wieder Lust haben, als ESC Blogger zurückzukehren, vielleicht als aktiver oder als Gastblogger, vielleicht auch an anderer Stelle. Womöglich blogge ich dann aber auch über ein anderes Thema, das mich sehr interessiert. Spontan fallen mir Reisen in abgelegene Gebiete, innovative Süßwaren oder Prominente mit Kieferfehlstellungen ein.

Ich möchte mich hier herzlich bei allen Leserinnen und Lesern bedanken, ich habe tatsächlich alle (bisher) mehr als 140.000 Kommentare gelesen und mich stets über Zuspruch und konstruktive Kritik gefreut. Besonders häufig kommentierende Leserinnen und Leser meint man schließlich auch, irgendwie zu kennen. Ihr werdet mir sehr fehlen!

Der Dank gilt natürlich auch meinen werten Kollegen Peter, Douze Points, Matthias, Jan, DJ Ohrmeister, Tjabe, BennyBenny, Marc, Salman, WM und Armen. Stay tuned!


Als Abschiedsgruß sei mir noch eine typische Drama-Ballade erlaubt, die prima zum kommenden ESC passt und gewissermaßen den Schmerz über die vielen leidvollen portugiesischen Ergebnisse versinnbildlicht. Mein liebstes Lied aus Portugal, von einer begnadeten Sängerin interpretiert, inklusive einem besonders ergreifenden „delírio vocal“ in der letzten Minute. Leider gibt es kein Original-Video von 1989 und sonst nur Playback-Auftritte in scheußlichen Settings

Auf Wiederlesen irgendwann… es war mir eine Ehre.

 

Adelaide Ferreira – Dava tudo