Can Bonomo fordert für die Türkei in Baku: Love me back

Knapp 40 Minuten dauerte am Mittwochabend die öffentliche Vorstellung des türkischen Beitrags für Baku im nationalen Fernsehen. Can sang und wurde interviewt. Und irgendwann gab’s Love me back zu hören – einen traditionell-ethnischen Titel mit interessanter Melodie, der gleichzeitig reichlich experimentell daherkommt. In jedem Fall eine mutige Entscheidung der Türken.

Irgendwie ist Love me back so wie man es vermutete hatte, wenn man sich mit Cans sonstigen Arbeiten auseinandersetzt: ethnisch, rhythmisch, ein bisschen verrückt, aber auch sympathisch. Das Lied weckt Erinnerungen an die alten Grand-Prix-Zeiten, in denen die Türkei mit seinen (meist ethnisch angehauchten) Beiträgen immer etwas aus dem Rahmen fiel und bei der Punktevergabe gern übersehen wurde.

So gesehen überrascht es, dass Love me back nicht konsequenterweise auch auf Türkisch dargeboten wird. Zumal der Text wirklich kein besonderes Highlight ist: „I’m a lonley sailor, drinking the night away. My ship is (a)way from home, is searching for your xxx (was singt er da?)“

War der Aufschrei zunächst groß, dass ein Jude die Türkei beim Eurovision Song Contest in Baku vertreten soll, dürfte jetzt das Lied wohl Anlass für einige Diskussionen geben. Das zeigt sich bereits in diversen Fan-Foren: Der Beitrag polarisiert extrem stark.

Eine Assoziation, die dem geneigten ESC-Fan bei Love me back recht schnell in den Kopf kommt, ist Dino Merlin. Er katapultierte mit seiner in absurden Kostümen vorgetragenen, rhythmischen Ethno-Nummer Love in Rewind Bosnien-Herzegowina auf Platz 6 in Düsseldorf.

Ob Love me back einen ähnlichen Erfolg erzielt, bleibt abzuwarten. Möglich ist durchaus, dass der Titel schon im Halbfinale ausscheidet. So gesehen war die Entscheidung des türkischen Fernsehens für Can als Juden und für Love me back als Titel in doppelter Hinsicht mutig. Ob dieser Mut belohnt wird?