Cesár Sampson im Interview: „Ich habe nur super Erinnerungen an den ESC“

Dass der 34-jährige Cesár Sampson Österreich beim Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon vertreten wird, wissen wir seit einem knappen Monat. Wir wollten mehr über den gebürtigen Linzer erfahren und haben ihn deshalb interviewt. Dabei hat Cesár unter anderem verraten, wie sich sein ESC-Song anhört, welche Erinnerungen er an die ESCs 2016 und 2017 hat und warum er Conchita Wurst gut findet.

Redaktioneller Hinweis: Dieses Interview wurde schriftlich geführt.

PRINZ-ESC-Blog: Wie hast du erfahren, dass du Österreich beim ESC 2018 in Lissabon vertreten darfst?

Cesár Sampson: Die interne Auswahl war mit mehreren Qualifikationsrunden strukturiert, am Ende wusste ich dadurch auch, dass ich in der engen Auswahl bin und wann genau die endgültige Entscheidung fallen wird. Und da habe ich dann einen Telefonanruf erhalten.

Und wie hast du reagiert?

Ich habe mich natürlich sehr gefreut. Als Künstler ist man selten in so einer Situation – man lebt hauptsächlich vom Glauben an sich selbst, man macht sein Ding, aber zu wissen dass die gesamte Medienlandschaft deines Landes (deren Input ja in die Entscheidung der ORF-Jury mit einfließt) sich hinter dich gestellt hat, ist schon ein ungewöhnliches Gefühl. Bewegend!

Noch ist nicht bekannt, mit welchem Song du in Lissabon antrittst. Steht der Song intern schon fest und kannst du etwas über die musikalische Richtung sagen, in die dein ESC-Beitrag gehen wird?

Mein Song-Demo ist der überwiegende Grund, warum sich der ORF für mich entschieden hat, der Song steht also schon von Anfang an fest. Stilistisch bin ich wohl das, was man einen ein Cross-Over-Artist nennen kann. Bei mir treffen immer mehrere Genres aufeinander, und bei diesem Lied ist das nicht anders. Es ist ein sehr moderner Song, in dem man aber vom blutenden Herzen des Blues, über die unumstößliche Hingabe des Gospel bis zur triumphal geballten Faust des Classic Rock alles heraushören kann – wenn man will!

In den vergangenen beiden Jahren hast du die bulgarische Delegation als Vocal Producer und Backgroundsänger beim ESC unterstützt. Wie kam es dazu?

Wir haben damals Symphonics International – der Name unseres Produktionsteams – während eines Aufenthaltes in Sofia gegründet. Obwohl wir aus Wien kamen, waren die Größen der bulgarischen Musikszene die ersten, für die wir als Team Songs produziert haben. Deshalb haben wir über die Jahre immer Bezug zu diesem Land behalten und hatten auch immer Interesse, dort Talente zu fördern.

Als klar wurde, dass wir Poli Genova beim ESC unterstützen werden, wurde ich als Vocal Producer hinzugezogen, und natürlich stand ich Poli dann auch stimmkräftig zur Seite. Wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Jahre, waren alle zusammen im Urlaub etc. Es war also ein richtiges Familien-Ding.

Was genau ist die Aufgabe eines Vocal Producers?

Bei dem Wort “producing” geht es immer um die Umsetzung. Beim ESC darf keine Stimme vom Band kommen. Heutzutage machen aufwändig bearbeitete Stimmspuren aber mitunter einen integralen Teil eines Songs aus. Für den ESC muss man das Lied also neu interpretieren, damit es vor Ort funktioniert. In anderen Fällen hat der Song von Natur aus vielleicht gar keine Support-Stimmen und das Team entscheidet, dass für den Live-Auftritt eine Chorbegleitung von Nöten ist. Und manchmal will man einfach nur so exakt wie möglich an den Sound der Radioversion herankommen. In jedem Fall muss also eine neue Vocal-Version des Songs produziert und mit den Sängern einstudiert werden, speziell für diesen Anlass. Dafür ist ein Vocal Producer zuständig.

Welche Erinnerungen hast du an die ESCs in Kiew und Stockholm?

Ich habe nur super Erinnerungen an die letzten beiden Jahre ESC. Vor allem Stockholm – mein erster ESC – war natürlich etwas ganz Besonderes für mich. Die Stimmung ist durchwegs großartig und der Enthusiasmus der anreisenden ESC-Community ist echt toll.

Sowohl Kristian Kostov als auch Poli Genova haben sehr gute Platzierungen erreicht. Welche Erwartungen hast du an deine Teilnahme in Lissabon?

Wir haben jedes Jahr Lust auf den Sieg! 😉 Aber von Erwartungen halte ich persönlich nichts. In erster Linie geht es darum, dass ich mir die Performance nachher ansehen und reinen Gewissens sagen kann, dass es eine Hammer-Performance war. Der Rest steht dann in den Sternen!

Hast du einen All-Time- Favourite, was den ESC angeht?

Jamala ist mein Favourite!

Und welcher ist dein liebster österreichischer Beitrag?

Conchita Wurst, weil wir in Österreich Sieger gut gebrauchen können und Leute, die sich etwas trauen.

Du machst selbst Musik, schreibst und produzierst für andere, modelst. Habe ich noch einen Beruf vergessen? Wie bekommst du das alles unter einen Hut?

Ich bin außerdem Personal Trainer, seit nun schon 7 Jahren. Davor habe ich 6 Jahre als Betreuer mit Menschen mit Behinderungen gearbeitet. Also nicht alles auf einmal. Seit einer Weile arbeite ich als Artistic Director in der Wiener Urania, einem wunderschönen historischen Wiener Theatergebäude, das auch eines unserer ältesten Kinos beinhaltet. Das modeln kann man eigentlich wegstreichen, das hab ich wirklich zu selten gemacht, als dass es einen Eintrag im CV verdient hätte.

Als Musiker verdiene ich meine Sporen seit ich 12 oder 13 bin, trotzdem habe ich immer versucht, auch meine anderen Fähigkeiten auszubilden und meinen Horizont zu erweitern. Musiker können erstaunlich einfach gestrickt sein, wenn sie sonst nichts anderes machen.

Und was machst du gerne in deiner Freizeit?

Netflixen!

Wenn der ESC dann 2019 in deiner Geburtsstadt Linz stattfindet – was müssen wir über die Stadt wissen, was müssen wir sehen?

Linz hatte früher immer den Ruf der staubigen Stahlstadt. Den hat es noch immer nicht ganz abgelegt, obwohl es mittlerweile wirklich viele coole Events und Expos gibt, auch im Bereich Kunst und Kultur. Linz ist, finde ich, die Hauptstadt der Technik und der technologischen Innovationen in Österreich. Aber ich glaube, für den ESC sind wir mit 200.000 Einwohnern dann doch zu klein. Und ich bin sicherlich nicht die beste Person für eine Linz-Tour, weil ich wirklich schon sehr lange in Wien wohne.

Mehr Informationen zu Cesár Sampson findet ihr auch in diesem Beitrag von Co-Blogger Douze Points.