Conchita Wurst vor dem EU Parlament: „Ich fordere Entscheidungen und Ergebnisse“

Conchita Wurst EU Parlament 2014 @Foto Marc G. PrinzBlog

Der ESC Gewinnerin Conchita Wurst wurde eine ganz besondere Ehre zu teil: sie durfte ihre Botschaft für Toleranz und Offenheit in Brüssel vor dem europäischen Parlament verkünden. Dabei musste sie sich auch einigen kritischen Fragen stellen. Eine deutsche Europaabgeordnete der AfD protestierte zudem mit einem Banner gegen den Auftritt.

Auf Einladung und mit der Unterstützung von insgesamt fünf Fraktionen (Grüne, Liberale, Volkspartei, Sozialdemokraten und Linke) besuchte ESC Siegerin Conchita Wurst das EU Parlament in Brüssel. Conchita gab ein kleines kleines Konzert (Believe, Unchain my Heart, That’s what I am & Rise like a Phoenix) und warb bei einer Pressekonferenz für Toleranz und Offenheit und forderte mit Nachdruck die Homo-Ehe sowie gleiche Rechte.


Allerdings gab es auch einige kritische Stimmen z.B. ob das benötigte Geld für den Auftritt nicht sinnvoller verwendet werden könnte. Die Kosten des Auftritts von Conchita belaufen sich nach Angaben der österreichischen Grünen Abgeordneten Ulrike Lunacek auf circa 18.000 Euro. Lunacek stellte klar, dass Conchita Wurst kein Honorar erhält, keine Übernachtungskosten anfallen und der Hin & Rückflug am selben Tag in der Economy Class erfolgt. Die Kosten für die Bühnenshow und Technik werden von Lunacek selbst und der Grünen Fraktion übernommen.

Einige konservative EU Politiker bezeichneten den Auftritt von Conchita Wurst vor dem EU Parlament als Comedy-Show. Die deutsche AfD Abgeordnete Beatrix von Storch sagte bereits im Vorfeld „Den Auftritt…halte ich bestenfalls für überflüssig“.  Storch hisste aus Protest über der Bühne von Conchita ein Banner der französischen Bewegung „Manif Pour Touts“. Diese Bewegung organisiert in Frankreich Massendemonstationen z.B. gegen die Öffnung der Ehe. Auf Facebook postete von Storch: „Unter diesem Banner wird gleich Herr Wurst auftreten“.

Conchita Wurst konterte: „Wer mich nicht hören will, hat sicher Besseres zu tun. Sie müssen mich nicht mögen, aber sie müssen respektieren, dass ich hier bin.“


Conchita Wurst fordert von der Politik mehr Engagement für die Rechte Homosexueller. „Ich verstehe nicht, warum es ein Problem mit gleichgeschlechtlichen Ehen gibt“. Fragen zur sexuellen Orientierung oder Hautfarbe seien für einzelne Menschen wichtig, nicht jedoch für die Gesellschaft. „Ich weiß nicht, warum es immer noch Politiker gibt, die davor so viel Angst haben.“ Die Politik sei sicher ein hartes Geschäft, aber: „Es ist ihr Job, sich für eine funktionierende Demokratie und gleiche Rechte einzusetzen.“

Die 25jährige Conchita Wurst forderte mit Nachdruck definitive Entscheidungen und Ergebnisse. Nur zu sagen „Wir fangen an darüber nachzudenken….“ reicht ihr nicht. „Jeder will frei und in Frieden und ohne Angst leben. Ich verstehe diejenigen nicht, die das verhindern wollen. Vor allem junge Leute, die ihre Homosexualität entdeckten, bräuchten Unterstützung.“


Eine politische Karriere jetzt oder in Zukunft strebt Conchita nicht an. Als Künstlerin kann sie viel effektiver für ihre Botschaft werben und frei über die bestehenden Grenzen hinweg denken. Gibt es schon spürbare Auswirkungen und Fortschritte seit ihren ESC Sieg? Conchita selbst erkennt zumindest Baby-Schritte in die richtige Richtung, aber es ist noch ein langer Weg.

Prominenter Besuch im EU Parlament ist übrigens keine Seltenheit: schon 2006 verwandelte z.B. Latino Sänger Juanes das Parlament in einen Konzertsaal. Auch Pussy Riot oder der Dalai Lama hatten schon Auftritte. Der nächste „Star“ wird im November erwartet: Papst Franziskus.