Daniel Küblböck blitzt beim NDR ab – Analyse einer Lappalie

Küblböck Pelz

Be a man“ heißt der neue Titel von Daniel Küblböck. Wie ein Mann führt sich der Künstler derzeit nicht auf. Eher wie ein Kind, das ein Spielzeug nicht bekommt und zur Furie wird. Der Grund: Der NDR hat Küblböck nicht direkt für den deutschen Vorentscheid zugelassen. Wie gut, dass es die Bild-Zeitung gibt, die der Petitesse ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit schenkt. Das wiederum gibt zu denken.

+++ Aktualisierung: Info zum Küblböck-Video auf dem offiziellen Unser-Song-für-Dänemark-Portal am Ende des Artikels +++

Elf Jahre ist es jetzt schon her. Ende 2002, Anfang 2003 begann das öffentliche Leben des Daniel Küblböck. Nicht zuletzt dank der umfangreichen Unterstützung durch die Bild-Zeitung gelangte der „schräge Vogel“ bis ins Halbfinale der ersten Deutschland-sucht-den-Superstar-Staffel. Mit seiner Single „You drive me crazy„, mit deren Titel er vielen Deutschen aus dem Herzen sprach, schaffte es Küblböck bis an die Spitze der deutschen und – man staune – thailändischen Charts.

Vermisst haben ihn schon danach nicht mehr sehr viele. Auf dem geraden Weg zum C-Promi kam die erste Staffel des Dschungelcamps Anfang 2004 wie gerufen. Auch dort belegte Küblböck den dritten Platz – und stieß kurze Zeit später führerscheinlos mit einem Gurkenlaster zusammen. Vergessen konnte ihn anschließend niemand mehr, aber doch erfolgreich verdrängen.

Küblböck Dschungelcamp

Küblböck – so geht die Mär – verdiente sich in der Folgezeit mit der Investition des mit dem Starruhm verdienten Geldes in erneuerbare Energien eine goldene Nase und begnügte sich mit sporadischen Auftritten in den Medien. Sein Imagewandel in den folgenden Jahren ging an den meisten wohl völlig vorbei. Die dauerhafte persönliche finanzielle Absicherung gelang Küblböck 2011, als ihn die Immobilien-Millionärin Kerstin Elisabeth Kaiser adoptierte.

Im Grunde war damit eigentlich alles gut. Wäre da nicht der elendige Drang ins Scheinwerferlicht. Imagegewandelt, ausgestattet mit genügend Geld, aber immer noch zu wenig Stimme wurde eine neue Single aufgenommen: „Be a man„. Passend dazu wurde ein Video gedreht, in dem Küblböck den Titel persifliert und selbst als Frau agiert. Verrückt!

Was dann passierte, darüber lässt sich nur spekulieren. Der wahrscheinlichste Fall: Niemand interessierte sich für das Lied. Öffentlichkeit musste her. Nur wie? Im Dschungelcamp war Küblböck bereits. Das kam offenbar nicht in Frage. Andere Promi-Trash-Formate wurden zuletzt von den Zuschauern mit Missachtung gestraft, waren also auch keine Alternative.

Küblböck undercut

Auch eine aufmerksamkeitsstarke Plattform für neue Musik von Has-Beens fehlt in Deutschland – im Gegensatz zu Schweden, wo mit dem Melodifestivalen regelmäßig ehemalige Stars ein Comeback versuchen können, ohne sich mit Kakerlaken in einen gläsernen Sarg legen zu müssen.

Dann zumindest der deutsche Vorentscheid für den ESC? Zusammen mit der Unterstützung der Bild-Zeitung, mit der Küblböck über die ganzen Jahre ein für beide Seiten überaus nutzbringendes symbiotisches Verhältnis gepflegt hat, könnte man es so sogar bis zum ESC schaffen und hätte auf einmal nicht mehr nur Fans in Deutschland (und Thailand), sondern in ganz Europa. Was für wunderbare Aussichten – zumal „Be a man“ exakt in die 3-Minuten-Begrenzung passt!

Der Plan hätte so gut aufgehen können – wenn da nicht der NDR gewesen wäre, dieser Spielverderber. Dort fragte Küblböck zunächst an, wurde – wie er der Bild-Zeitung berichtete – erst abgewiesen, da bereits alle Plätze für den Vorentscheid vergeben gewesen seien, dann doch gebeten, das Lied einzureichen, um es prüfen zu können. Danach meldete sich der NDR angeblich erst wieder auf direkte Anfrage – und erteilte Küblböck die Absage.

So darf man mit einem Küblböck nicht umgehen! Schließlich zahle er ja „Rundfunkgebühren“ (die im übrigen seit einem Jahr Rundfunkbeitrag heißen). Also wurde die PR-Maschinerie angeschmissen. Ob’s nur an der guten Zusammenarbeit in den letzten Jahren lag, dass die Bild-Zeitung bei so einer Lappalie sofort mitzog, bleibt offen. Vielleicht hat sie auch noch ein anderes Hühnchen mit dem NDR in Sachen ESC zu rupfen. Journalisten sind schließlich auch nur Menschen…

Küblböck tarnfleck

Korrekterweise stellte eine NDR-Sprecherin klar, wie das Auswahlverfahren für den Vorentscheid Eurovision Song Contest 2014 – Unser Song für Dänemark aussieht. So seien zwei Songs pro Künstler notwendig gewesen, Küblböck hätte aber nur einen eingereicht. Außerdem gäbe es immer noch die Möglichkeit, das Ticket nach Kopenhagen zu lösen. Nur sei dafür der Umweg über die Video-Auswahl und das Clubkonzert am 27. Februar in Hamburg notwendig.

Wer nun denkt, der NDR habe sich damit geschickt aus der Affäre gezogen, der irrt. Denn das eigentliche Dilemma beginnt für den Sender erst jetzt. Küblböck hat bereits angekündigt, das Video für die Vorauswahl hochzuladen. Interessanterweise unter seinem Adoptivnamen Kaiser. Das hätte eine originelle Idee sein können. Dieses Vorhaben aber vorher anzukündigen, ist natürlich ein Schuss in den Ofen.

Dennoch: Mit der Bewerbung Küblböck-Kaisers muss sich der NDR entscheiden, was er will. Lässt er Küblböck für das Clubkonzert zu, ist ihm große Aufmerksamkeit für die Sendung gewiss, die zu einer nicht unwesentlichen Steigerung der Zuschauerzahlen führen dürfte. Eigentlich eine attraktive Alternative.

Allerdings bedeutet das auch, dass Küblböck mit geballter (Social-)Medienmacht in Form der Bild-Zeitung und von Facebook (gut, seine aktuell 6.732-Facebook-Fans sind noch ausbaufähig) antreten würde, um sich so den Platz beim deutschen Vorentscheid in Köln zu sichern. Sollte ihm das gelingen, wäre der NDR mit seinem Ansinnen, den Vorentscheid zu einer popkulturell relevanten Veranstaltung mit Hitpotenzial und großen Namen zu entwickeln, wieder zurück bei Null. Im schlimmsten Fall müsste der Sender mit Küblböck nach Kopenhagen fahren. Ein Szenario, was man sich in Hamburg – zumal nach diesem Medienvorfall – ganz sicher nicht wünscht.

Was wird also passieren? Die interne Jury wird Küblböck nicht für das Clubkonzert zulassen. Dafür kassiert der Sender noch einmal Haue von der Bild-Zeitung, aber das ist NDR-Mann Schreiber ja gewohnt. Küblböck hingegen kann sich bereits jetzt entspannt zurücklehnen – er hat sein Ziel nämlich bereits heute erreicht: Aufmerksamkeit für seinen neuen Song. Auch wir wollen nicht so sein und binden hier das Video ein.

Daniel Küblböck-Kaiser – Be a man

Ende gut, alles gut? Vielleicht. Der Vorfall zeigt aber eins: Es fehlt in Deutschland eine öffentlichkeitswirksame Plattform für Musik und Künstler. Eine Plattform, die die Startrampe für neue Talente darstellen kann, die aber auch Has-Beens eine Chance bietet. Das jetzige Vorentscheidmodell ist dafür nicht geeignet. Vielleicht ist der Küblböck-Vorfall aber ein Anstoß, doch noch einmal in diese Richtung zu denken.

ERGÄNZUNG

Zwischenzeitlich hat Daniel Kaiser-Küblböck (diese Reihenfolge der Namen nutzt er selbst) das Video zu „Be a man“ auf der Unser-Song-für-Dänemark-Plattform hochgeladen. Innerhalb weniger Stunden konnte es über 1.300 Views (Stand: Nacht auf den 5. Januar) generieren und sich so unter den 32 meistgeklickten Bewerber-Videos platzieren. Die PR-Maschinerie hat also offenbar erfolgreich gearbeitet. Auffällig ist jedoch die Bewertung des Videos durch die Nutzer. Während bei fast allen anderen der meisten geklickten Videos die positiven Bewertungen überwiegen, ist das bei „Be a man“ umgekehrt: 222 Likes stehen aktuell 322 Dislikes gegenüber.