Das hat Roman nicht verdient: Kaum jemand hat zugeschaut!

Jedenfalls „kaum jemand“, wenn man das Zuschauerinteresse über mehrere Jahre verfolgt. Wie von uns prognostiziert: Noch nie in der deutschen TV-Geschichte hat ein deutscher Vorentscheid weniger Zuschauer erreicht als das Finale von „Unser Star für Baku“. Ein „Ende mit Schrecken“ konstatiert HORIZONT. 2,19 Mio. Zuschauer guckten gestern in der ARD zu (davon 1,13 Mio. 14-49Jährige), 2011 waren es noch 3,31 Mio. und bei Lenas Premiere in 2010 sogar 4,55 Mio. Menschen. Von den Traumquoten der 70er und 80er bis zu Zeiten von Guildo Horn ganz zu schweigen.

So ist die Quote einer der vier Schwerpunkte, mit dem sich heute das Feuilleton über „Unser Star für Baku“ befasst. Weitere Themen: Die Lena-Tauglichkeit von Roman Lob (= die SATELLITE Tauglichkeit von STANDING STILL), die Lustlosigkeit des Stefan Raab und – erwartungsgemäß – die Menschenrechtssituation in Aserbaidschan.

Die Tagesthemen gleich im Anschluss haben es gleich vorgemacht. Kein Wort mehr über die Wahl von Roman Lob, stattdessen gab es ein langes Feature über die Unterdrückung und Inhaftierung von Oppositionellen in Aserbaidschan und die potenzielle Instrumentalisierung des ESC für politische Zwecke. Dazu das Eurovisionslogo mit Stacheldraht garniert.

Und auf der Pressekonferenz ging es gleich weiter so, wie Jens berichtet:  „Wie steinig der Weg nach Baku noch werden könnte, hat Lob am frühen Morgen auf der Pressekonferenz in Köln erahnen können. Dem frisch gekürten Eurovisions-Teilnehmer wurden zahlreiche Fragen zur Menschenrechtssituation in Aserbaidschan gestellt. Er wisse, dass es da um die Menschenrechte nicht gut bestellt sei, aber er hoffe, dass ‚denen‘ die Augen geöffnet würden, antwortet der 21-Jährige etwas unbeholfen.“

Neben der politischen Dimension fragen sich viele, wie es denn jetzt weitergehen wird mit der Zusammenarbeit von Pro7 und der ARD.  Der kress report mutmaßt, dass Pro7 bereits nach dem Halbfinale mit dem Baku-Kapitel abgeschlossen hat: „Kein feiner Zug von Pro7, aber doch irgendwie verständlich: Kaum ist man den von der ’nationalen Aufgabe‘ zum Klotz am Bein mutierten ESC-Vorentscheid los, schon feuert man mit voller Kraft gegen den Kooperationspartner ARD. Die Free-TV-Premiere des Katherine-Heigl-Blockbusters ‚Die nackte Wahrheit‘ versenkte das USFB-Finale in beiden Zielgruppen – mit 14,5% zu 8,9% bei den Jüngeren und mit 2,56 Mio zu 2,19 Mio im Gesamtpublikum.“

Die „Klotz am Bein“ Hypothese findet sich auch bei SPIEGEL Online. Über Raabs „Lustlosigkeit“ heißt es dort: „Die größte Überraschung der Finalshow war aber, wie Stefan Raab sich vor laufender Kamera aus der Verantwortung für die von ihm maßgeblich mitkonzipierte Show zu ziehen versuchte. Seine Einlassungen zu den Gesangsdarbietungen beschränkten sich auf Variationen von: Ich habe keine Meinung, vorm Fernseher sieht es sowieso anders aus, sollen doch die Leute da draußen entscheiden.“

„Er (Raab) muss sich fragen lassen, warum er da vor den Kameras sitzt, wenn er doch nur sinnlos Sendezeit verbraucht,“ legt Hans Hoff bei sueddeutsche.de nach und attestiert USFB eine „kräftige Ödnis“, zu der vordringlich auch die Jury beigetragen habe: „Fast wirkte es, als hätten die Juroren (…) den Sangeswettbewerb längst abgehakt und stattdessen eine Konkurrenz im Dauerstammeln gestartet.“

Bei all der Diskussion um das Drumherum (politische Lage im Austragungsland Aserbaidschan; „Megaflop“-Quoten, „quälend-langsame“ Dramaturgie der Sendungen mit zunehmend umstrittenem und unglaubwürdigen Votingverfahren, uninspirierter Moderation und noch langweiligerer Jury) geht fast unter, dass wir jetzt endlich einen Song für Baku haben, vorgetragen von dem einzig geeigneten Interpreten, den (fast) alle schon seit Folge 1 wollten. Und mit STANDING STILL, auch das kann man lesen, haben wir einen Song am Start, der es weit bringen könnte. Go. Roman, Go.