Das Lied ist zu Ende. Diogo Piçarra gibt auf und verzichtet aufs Finale

Die Serie der Skandale beim diesjährigen Festival RTP da Canção reisst nicht ab. Nachdem sich der Favorit Diogo Piçarra Plagiatsvorwürfen ausgesetzt sah, zog er nun einen Schlussstrich und nahm sein „Canção do fim“, das Lied vom Ende, aus dem Wettbewerb. Nachrücken wird nun Susana Travassos mit „Mensageira“.

Nachdem im ersten Halbfinale ein Votingskandal kurzerhand eine Teilnehmerin aus dem Finalfeld katapultierte und im zweiten Halbfinale die Technik beim ersten Beitrag kollabierte, kapituliert nun der Sieger des zweiten Halbfinals Diogo Piçarra kurz vorm Finale.

Er war der große Hoffnungsträger für den ersten Eurovision Song Contest auf portugiesischen Boden. Mit Diogo Piçarra hatte der portugiesische Sender RTP einen Superstar als aussichtsreichen Kandidaten gewonnen.

Diogo Piçarra – Canção do fim

Aber kaum hatte er gewonnen, wurden Plagiatsvorwürfe laut. Das Lied „Abre Os Meus Olhos” herausgegeben durch die Igreja Universal do Reino de Deus zirkulierte Stunden nach seinem Halbfinalsieg durch die sozialen Medien, wo Diogo Vorwürfe entgegen schlugen, sich beim Schreiben seines Liedes bei diesem religiösen Lied bedient zu haben.

Igreja Universal do Reino de Deus (Pastor Walter) – Abre Os Meus Olhos

Zunächst wehrte sich der Künstler gegen die Anschuldigungen, doch nun zog er die Konsequenzen und nahm sich aus dem Wettbewerb. Er ließ verlauten, dass er gern sein Land beim Eurovision Song Contest vertreten hätte, aber die aktuelle Situation würde nichts mehr mit Musik zu tun haben, wofür er leben würde.

In einem Interview stellt er sich der Situation. Unter anderem teilt er mit, dass er den Song aus dem Jahr 1979 nicht gekannt hätte. Zudem würde er nicht in die Kirche gehen und somit von daher keine Verbindung bestehen könnte. Leider ist die Erklärung auf portugiesisch, aber es zeigt den Mut von Diogo Piçarra, sich direkt zur Sache öffentlich zu äußern.

Diogo Piçarra – Erklärung zu den Plafiatsvorwürfen

Seinen Dank galt allen, die ihn unterstützt hätten und auch in den schwierigen Stunden an seiner Seite standen. Es ist schade, dass gerade der Favorit im nationalen Wettbewerb strauchelt

Zudem wirft es einen Schatten auf den diesjährigen Gastgeber, der eine solche Skandalserie in der Vergangenheit so nicht kannte. Nun wird Susana Travassos den Platz von Diogo Piçarra einnehmen. Sie wurde im zweiten Halbfinale Achte. Ihr Lied heisst „Mensageira“.

Susana Travassos – Mensageira

In der Geschichte des Wettbewerbs gab es schon häufiger solche Situationen. Bosnien-Herzegowina nahm 1999 Hari Mata Hari und „Starac i more“ aus dem Wettbewerb und schickte mit „Putnici“ von Dino & Beatrice die nationalen Zweiten. In Litauen blieben B’Avarija mit „We all“ 2002 zu Hause und Aivaras mit „Happy You“ durfte Vorletzter in Tallinn werden.

Friends aus Schweden schafften es 2001 mit „Listen To Your Heartbeat“ den Eurovision Song Contest am Ende mit Platz 5 abzuschliessen, doch die Plagiatsvorwürfe, sich bei Lisa del Bo und „Liefde is een kaartspel“ aus dem Jahr 1996 bedient zu haben, blieben bestehen.

In Moldawien scheitern Jahr für Jahr Kandidaten, weil ihre Lieder schon in anderer Form veröffentlicht wurden.

In Deutschland zog man zweimal die Reißleine. 1976 durfte Tony Marshall mit „Der Star“ nicht nach Den Haag, weil eine Sängerin namens Nizza Thobi das Lied schon vorher gesungen hätte und 1999 fuhr Corinna May nicht nach Jerusalem, da ihr Lied „Hör den Kindern einfach zu“ schon als „Where Have All the Good Times Gone“ von der Gruppe Number Nine veröffentlicht worden war.

Es ist sehr schade um Diogo Piçarra, da er sicherlich grandios die Gastgeberrolle als Vertreter Portugals erfüllt hätte. Hoffen wir, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt und die Karriere des Künstlers keinen Schaden nimmt.

Diogo Piçarra – Verdadeiro