Das österreichische Voting beim ESC 2014

Armenien Aram Mp3 2014 Probe 2

Österreich hat den Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen gewonnen. Aber wen wollten die Österreicher selbst als Sieger sehen? Wie hat die Jury, wie das TV-Publikum abgestimmt? Was könnten mögliche Gründe für das österreichische Voting gewesen sein? Wir haben uns die Ergebnisse für euch angesehen und geben hier eine erste Analyse.

Rumänien Paula Seling & Ovi 2014 Probe2

Im zweiten Semi hieß der Favorit der Österreicher Rumänien (Bild). Hierbei ist besonders interessant, dass sich die Jury und das TV-Publikum darüber gleichermaßen einig waren. Interessant, sollte man doch meinen, dass die Jurys gerade nicht für Großraumdiscosound und kitschig-schlimme Bühnenshows stimmen.

Bei vielen Beiträgen, die später mit Punkten bedacht wurden, waren sich Jury und Publikum einig, nicht aber bei Finnland, Irland, Polen und der Schweiz. Während Finnland (2. bei der Jury, 7. im Televoting) und Irland (3. bei der Jury, 9. im Televoting) von der Jury bevorzugt wurden, verhalf das Publikum Polen (12. bei der Jury, 2. im Televoting) und der Schweiz (9. bei der Jury, 3. im Televoting) zu mehr Punkten.

Auch im Finale ergaben sich einige Differenzen. Auch hier profitierte die Schweiz (13. bei der Jury, 6. im Televoting) vom Wohlwollen der Anrufer, ebenso aber überraschenderweise die Niederlande (7. bei der Jury, 1. im Televoting). Gerade hier hätte man wohl vermutet, dass die Jury die echte Musik aus den Niederlanden mehr unterstützen. Stattdessen hielt diese an ihrem Mit-Favoriten Finnland (2. bei der Jury, 16. im Televoting) aus dem Semi fest. Gleichzeitig votete sie auch die Ukraine (6. bei der Jury, 12. im Televoting) und Schweden (1. bei der Jury, 10. im Televoting) nach vorne.

Die 12 Punkte von Österreich gingen in diesem Jahr im Finale an Armenien. Obwohl weder die Jury (Platz 3) noch die TV-Zuschauer (Platz 2) Aram ganz vorne auf ihrer Liste hatten, reichte es dank der Uneinigkeit über Schweden bzw. die Niederlande für die Poleposition.

Weißrussland TEO 2014 Probe 2

Auffällig auch, dass zwei Länder, denen die Schweiz im Semi noch hohe Punkte gegeben hatte – nämlich Weißrussland (Bild, 10 Punkte) und Slowenien (7 Punkte) – im Finale plötzlich keine Punkte mehr bekamen. Im Fall von Weißrussland ist das auf Stimmungsschwankungen innerhalb der Jury zurückzuführen (Platz 4 im Semi, Platz 19 (!) im Finale), bei Slowenien auf ein verschlechtertes Televotingergebnis im Finale (4. Platz im Semi, 11. Platz im Finale).

Nicht gereicht hat es für Deutschland und Elaiza: Die Mädels wurden von unseren Nachbarn mit 0 Punkten abgestraft. Das mutet etwas seltsam an, wenn man weiß, dass „Is It Right“ auch in Österreich im guten Mittelfeld der Charts stand. Und tatsächlich wählte das österreichische Publikum Elaiza auf Platz 5, was die Jury aber durch einen 16. Platz hintertrieb.

Was lässt sich aus diesen Befunden spontan ablesen?

1. Zumindest in Österreich ist die Mär, dass Jurys immer echte, anspruchsvolle Musik bevorzugen offensichtlich nicht zutreffend.

2. Es stimmt nicht, das Nachbarschaftsvoting in Westeuropa nicht stattfindet. Die Anrufe für Deutschland und die Schweiz sprechen hier eine eindeutige Sprache.

3. Wird über die Big 5-Regel diskutiert, wird als Argument oftmals ins Feld geführt, dass es sogar ein Vorteil wäre, im Halbfinale anzutreten. Das trifft zumindest in diesem Fall nicht zu. Österreich gab im Finale nämlich mehr Ländern Punkte, die im ersten Semifinale teilgenommen hatten, als denen, die in ihrem eigenen Semi teilnahmen. Richtig ist aber, dass keines der Big 5-Länder (+Dänemark) auch nur einen Punkt erhielt.

Hier nochmal das komplette Votingergebnis Österreichs:

Finale

12 Punkte: Armenien
10 Punkte: Niederlande
8 Punkte: Rumänien
7 Punkte: Ungarn
6 Punkte: Schweden
5 Punkte: Ukraine
4 Punkte: Finnland
3 Punkte: Schweiz
2 Punkte: Island
1 Punkt: Norwegen

Semifinale

12 Punkte: Rumänien
10 Punkte: Weißrussland
8 Punkte: Finnland
7 Punkte: Slowenien
6 Punkte: Schweiz
5 Punkte: Norwegen
4 Punkte: Irland
3 Punkte: Griechenland
2 Punkte: Polen
1 Punkt: Malta

Das komplette Ergebnis kann – auch gesplittet nach Jury- und Televoting – kann auf eurovision.tv nachgelesen werden.