Der Eurovision Song Contest im Dschungelcamp

Im heißen Casting-Januar mischt nun auch noch der RTL-Quoten-Dauerbrenner „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ mit. Wenn man lange genug gräbt, stösst man tatsächlich auf Grand-Prix-Bezüge der im Dschungel Maden und Kakerlaken verspeisenden C- und D-Promis. (Fotocollage: RTL)

Was denn? Das Dschungel-Ekel-Personal, die Ansammlung von geltungssüchtigen Has-beens oder Never-has-beens, hat etwas mit dem Eurovision Song Contest zu tun? Haben wir etwa ausgegraben, dass Bäckerstochter Brigitte Nielsen vor Modelkarriere und Ehe mit Sylvester Stallone irgendwann in einer dänischen Vorenstcheidung zum Eurovision Song Contest gesungen, getanzt, moderiert oder versehentlich durchs Bild gelaufen ist?

Könnte durchaus sein, schließlich haben alle möglichen Promis dunkle musikalische Punkte in ihrer Vergangenheit – wir erinnern hier an den Auftritt der späteren Begum Inaara Aga Khan (alias Prinzessin zu Leiningen alias Gabriele Thysse-Henne alias Gina Boys) in der deutschen Grand-Prix-Vorentscheidung 1986 mit einem besonders scheußlichen Ralph-Siegel-Song.

Nun, Brigitte hat in ihrer künstlerischen Vita (und auch sonst) schon vieles gemacht – neben vier Söhnen aus fünf Ehen gehören auch ein Dutzend Reality Shows dazu.  Höhepunkte sicher das britische „Celebrity Big Brother 2005“, das zum Horrorcamp mutierte, als sie auf ihre ehemalige Schwiegermutter Jackie Stallone traf. Oder die innovative RTL-Show „Aus alt mach neu“, wo sich Brigitte 2008 einer schönheitschirurgischen Generalüberholung auf Kosten des TV-Senders unterzog. Musikalisch erinnern wir uns mit Schaudern an ihr Album „Everybody tells a story“, das trotz eines Duetts mit Falco als eines der schlechtesten Alben der 80er gilt und – wie sich der Autor dieses Beitrags noch gut erinnert – bereits zwei Wochen nach der Veröffentlichung für 1,99 Mark im Drogeriemarkt verramscht wurde.

Brigitte Nielsen & Falco – Body next to Body

Dänemarks Vorentscheidungen hat die kühle blonde Ex-Schönheit jedoch (noch) nicht heimgesucht, der ESC-Faktor im Dschungel liegt wo anders. Etwa bei dem dort versammelten Casting-Ausschuss? Als da wären das DSDS-Glutauge Daniel Lopes (Siebter in der 1. Staffel), die „schminksüchtige“ Kim Debkowski (Vierte in der 7. Staffel) oder Martin Kesici, Sieger der Castingshow „Star Search“ (2003, Sat1). Schließlich hat es mit Gracia, ebenfalls aus der 1. Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ bereits eine DSDS-Künstlerin bis zum Eurovision Song Contest geschafft. In Kiew 2005 sorgte sie mit einem peinlichen Auftritt allerdings für einen absoluten Tiefpunkt in der deutschen ESC-Geschichte (4 Punkte, letzter Platz). Ihr Titel „Run & Hide“ gilt bei den PRINZ-Bloggern als schlechtester deutscher ESC-Beitrag aller Zeiten.

Aber es sind nicht die DSDS-Kollegen, sondern der Berliner Zottelrocker Kesici, der nicht als Sänger, sondern als Autor ESC-Meriten erworben hat. Allerdings lediglich in einer Vorentscheidung, nicht im ESC-Finale und auch nicht in Deutschland. Sondern in Armenien. Wir erinnern uns an Emmys Fiasko beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf. Mit dem billigen Boxersong „Boom Boom“ verpasste sie das Finale um einen Punkt denkbar knapp. In der armenischen Vorenstcheidung standen drei weitere Titel zur Wahl – einer davon aus der Feder von dem jetzt im Dschungel einsitzenden Martin Kesici.

Emmy – Goodbye / armenische Vorentscheidung 2011

Zugegeben, das ist jetzt nicht gerade ein Knüller. Wir haben uns ja schon im vergangenen Jahr ein Dschungelcamp voller ESC-Stars gewünscht und auch schon jede Menge Vorschläge gemacht, wie man alternativ die Rollen des zickigen Topfmodells Sarah Dingens, des blasierten Matthieu Carriere, oder dem falschen Dschungel-Liebespaar Indira Weis und Jay Gay Khan mit Grand-Prix-Stars besetzen könnte.

Zumindest eine weitere Person im Dschungelcamp hat ebenfalls einen nicht gerade auf der Hand liegenden Bezug zum Eurovision Song Contest. Wen wir meinen? Den Schweizer Vogelzauberexperten Vincent Raven? Jazzy „Ich find Dich scheiße“ von Tic Tac Toe? Kugelblitz Ailton? Rehauge Radost? Den ungeliebten aufgepumpten Ochsenknechtsohn Rocco Stark? Oder die kurvige Dauernackte Micaela Schäfer? Alles falsch.

Wir denken da an die (un-)heimliche Favoritin der Dschungelshow – Moderatorin und Pleite-Lesbe Ramona Leiß. Sie weist sogar zwei ESC-Bezüge auf. Nach eigenen Angaben hatte sie – damals als Moderatorin von Familienshows wie „Aktuelle Schaubude“, dem ZDF-Fernsehgarten oder der „Knoff-Hoff-Show“ natürlich noch ungeoutet – eine heimliche Liebesbeziehung zu Hanne Haller, die 1985 für Wind das hochgeschätzte „Für alle“ als Komponistin und Autorin verantwortlich zeichnete, und mehrfach als Komponistin oder auch Interpretin in der deutschen Grand-Prix-Vorausscheidung teilnahm. „Wir waren vier Jahre zusammen. Als ich Mitte 30 war, haben wir uns getrennt. Wir hatten eine wunderschöne Beziehung. Wir haben es damals aber nie jemandem erzählt. Hanne wollte es nicht. Wir konnten es uns beide beruflich nicht leisten“, erzählte Ramona Leiß 2008 der Bild-Zeitung.

Ihre nach der Kündigung seitens des ZDF im Jahre 1999 aufgelaufenen zwischenzeitlich 1,5 Millionen Euro Schulden hat die Moderatorin ebenfalls laut Bild bereits abtragen können. Dennoch dürfte der schnöde Mammon – wie bei den allermeisten Protagonisten der Ekel-Show – das Hauptmotiv für die Teilnahme sein.

Da wünschen wir der Dame mit dem rollenden R, die zudem reichlich Volksmusik-Shows moderiert und auch einige Titel zum mittlerweile eingestellten Grand Prix der Volksmusik beigesteuert hat, doch lieber, dass sie uns mal wieder einen neuen ESC-Vorentscheidungssong schenkt. Denn als Autorin hat Ramona Leiß ebenfalls einen Eintrag in den ESC-Archiven sicher: 1988 schrieb sie gemeinsam mit Bernd Meinunger den Text zu „Insel im Wind“ (Musik: Hanne Haller), mit dem Tommy Steiner Platz 6 in der Vorentscheidung belegte. Eine weitere Koproduktion mit Hanne Haller („Du tust mir gut“, gesungen von Denise) blieb im damaligen vom Radio übertragenen Halbfinale stecken. Den Sieg trugen andere davon: 1988 gewann die Mutter-Tochter-Combo Maxi und Chris Garden („Lied für einen Freund“) die Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest.

Tommy Steiner – Inseln im Wind (leider gibt es derzeit kein Originalvideo)