Der Jedward-Factor bei X-Factor

04 Irland Jedward ProbeEinige Karrieren haben in den vergangenen Jahren in diversen weltweiten Casting-Shows ihren Anfang genommen. Und es ist wohl auch nicht verwunderlich, wenn bestimmte Trends, die sich in einem Land als erfolgreich herausgestellt haben, auch über Ländergrenzen hinwegschwappen und dort dann mehr oder minder erfolgreich recycelt werden.

Auch die Gebrüder Grimm – äh – Grimes, besser bekannt als Jedward starteten einst in einer solchen, nämlich beim britischen X-Factor. Dort brachten sie bekanntlich den Casting-Guru Simon Cowell an den Rand der Verzweiflung….

Erfolgreich wurden sie trotzdem – oder gerade deshalb! Und so schicken sich auch im deutschsprachigen Raum ähnliche Konstellationen an, die Musikwelt zu erobern. In der ersten Folge der deutschen Staffel von X-Factor am vergangenen Montag gab es gleich zwei davon:

Da wären zunächst einmal die Schweizer Brüder Benjamin und Manuel Frei. Wie die Jedwards haben sie ihre beiden Vornamen miteinander verbunden und sind zusammen Benman.

Das war´s dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten mit Jedward – bis auf Benjamins Haare vielleicht, die als eine Art „Short-Version“ der doppelten Haarpracht von der grünen Insel bezeichnet werden können. Im Gegensatz zu den verrückten Iren üben sich die beiden Jungs aus St. Gallen nämlich lieber in Understatement und verstecken in guter Schweizer Tradition ihr Temperament nahezu komplett. Dafür singen sie aber ganz hübsch zusammen.

Ihren Auftritt am Montag mit „Fireflies“ von Owl City lieferten sie zwar einigermaßen sauber ab, allerdings war dieser doch eher ruhige Titel noch einmal langsamer arrangiert worden, als ob man befürchtete, dass die Jungs vom  ursprünglichen Andante-Tempo überwältigt werden könnten. Hübsch, wie gesagt, aber mit deutlich Luft nach oben, was den gewissen Jedward-Factor angeht. Das geht noch viel, viel flotter und vor allem verrückter!

Der Auftritt vom Montag kann HIER auf der Homepage von VOX angesehen werden.

Das zweite Jungsduo des Abends kam aus Österreich. Die eigentlich in der Solo-Kategorie angetretenen Nathanaele Koll und Daniel Leitner wurden von der Jury während des Castings zu Boys II Hot umfunktioniert. Mentorin Sarah Connor hatte die beiden mit „When will I be famous“ von Bros antreten lassen, einem Song, der im kommenden Jahr auch schon sein silbernes Bühnenjubiläum feiern kann. Zu den beiden – im Gegensatz zu ihren Schweizer Kollegen deutlich temperamentvolleren – Herrschaften passte dieser Song wie Arsch auf Eimer! Die Rollenverteilung war genau richtig: Einer als der Mann, der die Hosen an hat, der andere als verrücktes Huhn mit sieben Kilo Ketten behängt. Die Haare hatten beide schön!

Das hatte schon deutlich mehr Jedward-Factor als bei den braven Schweizern. Fast fühlte man sich direkt zurück in die Achtziger gebeamt.

Aber dann war es schon aus, bevor es eigentlich begonnen hatte. Zuerst gab es nicht genügend Anrufe und dann entschieden sich die Jurymitglieder Till Brönner und Das Bo im Sing-Out auch noch gegen sie. Schade, denn da war einiges an Potenzial zu entdecken, wie auch das Mädchengeschrei unmittelbar nach dem Auftritt eindrucksvoll bewies. Aus meiner Sicht eine absolute Fehlentscheidung!

Auch diesen Auftritt gibt es bei VOX.

Nun, das irische Jedward-Original bleibt also bei den deutschen Zuschauern offenbar unerreicht. Kopien funktionieren sowieso nur in den seltensten Fällen. Das sieht man auch in jedem Grand-Prix-Jahrgang wieder, wenn der eine oder andere versucht, die Erfolgsformel des jeweiligen Vorjahres zu wiederholen. Geklappt hat das eigentlich noch nie……..