Der letzte Kampf ging verloren: Zum Tode von Valters Frīdenbergs

„I’m so sorry I’m so helpless in this angry world“ sang Valters Frīdenbergs zusammen mit Kārlis Būmeisters als Walters & Kazha 2005 für Lettland beim Eurovision Song Contest, als die beiden mit „The War Is Not Over“ einen grandiosen 5. Platz errangen. Dabei zeigte sich der Künstler immer als sehr starke Persönlichkeit, der sich auch politisch engagierte. Nur dem Krebs, den er jahrelang bekämpfte, stand Valters Frīdenbergs zum Schluss hilflos gegenüber und wurde nun mit fast 31 Jahren viel zu früh aus dem Leben gerissen.

Geboren am 26. Oktober 1987 in Riga kam Valters Frīdenbergs sehr früh mit der Musik in Berührung. Seine Ausbildung genoss er an der 1. Kindermusikschule in Riga. Zudem ging er auf das Gymnasium Rīgas Valsts 1. ģimnāzijā und besuchte die lettische Universität.

Walters & Kazha 2005 Lettland 5

In der Band Dzeguzīte begann er seine musikalische Karriere, wechselte später zu Putnu Balle, die von Mārtiņš Freimanis geleitet wurde.


Putnu Balle – Spārni un vējš

Mārtiņš Freimanis, Mitglied der Gruppe FLY, die mit „Hello From Mars“ 2003 Drittletzter und 24. im eigenen Lande wurde, legte auch den Grundstein für die Eurovisionsteilnahme 2005, denn er schrieb für Frīdenbergs und seinem Kollegen Kārlis Būmeisters, die schon in Putnu Balle zusammen sangen, den Song „The War Is Not Over“. Als Formation Walters & Kazha bzw Valters & Kaža traten sie dann im zweiten Halbfinale der Eirodziesma 2005 an und holten sich mit 5902 Punkten Platz 1 von 10 Teilnehmern.

Am 26. Februar gab es dann das Finale und Walters & Kazha zogen mit Ksenija und Agnese & Intars ins Superfinale ein, das sie dann mit 28211 Punkten und 7893 Stimmen Vorsprung gewannen.

Bis zum Finale musste jedoch der Song nochmals überarbeitet werden, da es mit der englischen Grammatik haperte. So wurde aus „That someone is loser, that someone is winner“ „That someone’s the loser, someone’s the winner“.

Im Mai ging es dann nach Kiew. Am 19. des Monats traten sie als 5. auf die Bühne und präsentierten ihre sanfte Ballade. Zunächst auf Stühlen hockend begleiteten sie ihr Lied in amerikanischer Gebärdensprache. Stimmlich hatte Frīdenbergs zu kämpfen und mit viel Glück erreichte das Duo den rettenden 10. Platz mit 85 Punkten, vier Punkte Vorsprung vor Polen. Auf der After-Show-Party verlor er dann gänzlich die Stimme, so dass bei den Proben fürs Finale Frīdenbergs den Gesang unterließ.


Walters & Kazha – The War Is Not Over (Halbfinale)

Beim Finale durfte das Duo dann von Startplatz 23 ins Rennen gehen und mit einer souveränen Vorstellung, zum Teil eine Oktave tiefer, rollten sie gemeinsam mit dem israelischen Beitrag das Feld von hinten auf. Am Schluss standen 153 Punkte auf der großen Anzeigentafel. Dreimal gab es sogar die Höchstwertung, nämlich aus Irland, Litauen und Moldawien. Im Halbfinale gab neben Litauen auch Malta 12 Punkte, die im Finale dann zu 10 wurden.


Walters & Kazha – The War Is Not Over (Finale)

Das Lied erreichte jedoch nicht nur den Eurovisions-Zuschauer, auch die Gruppe Michael Learns to Rock nahm 2008 diesen Song für ihr Album „Eternity“ auf.

Nach dem Triumph von Kiew, bis heute der dritterfolgreichste Titel des Landes, schlugen Walters & Kazha Solopfade ein, aber blieben sich musikalisch verbunden.

Walters & Kazha 2005 Lettland 8

2009 versuchte Valters Frīdenbergs abermals zur Eurovision zu gelangen. Mit seinem selbst geschriebenen „For A Better Tomorrow“ bekam er aber im Halbfinale vom 27. Februar, wo er als Letztes an den Start ging, nur 856 Stimmen, was ihm Platz 13 unter 20 Teilnehmern einbrachte.

Frīdenbergs öffnete sich auch anderen Themen. Wie sein Duettpartner wandte er sich der Politik zu und war von 2008 bis 2011 Mitglied der LPP/LC und ab 2011 Mitglied ZRP. Er stellte sich auch bei Wahlen auf, aber hier war ihm kein großer Erfolg beschieden.


Walters & Kazha – Cielavina

Von 2012 bis 2017 moderierte Valters Frīdenbergs zusammen mit Kaspars Ozoliņš die Sendung „Gudrs, vēl gudrāks“, eine Spielshow für Schulkinder, die jeden Freitag ab 19.05 ausgestrahlt wurde.

Walters & Kazha 2005 Lettland 7

2011 verstarb unerwartet Mārtiņs Freimanis an einer Grippe kurz vor seinem 34. Geburtstag. Zu jener Zeit war er der Leadsänger der Formation Tumsa. Seinen Platz sollte zunächst Kārlis Būmeisters einnehmen, aber seit Herbst 2011 prägte Valters Frīdenbergs` Stimme die Auftritte der Gruppe.


Tumsa – Varbūt

Der Eurovision blieb Frīdenbergs aber auch verbunden. Von 2011 bis 2017 kommentierte er zunächst mit seinem ehemaligen Duettpartner vier Jahre lang und dann mit Toms Grēviņš das Eurovisionsspektakel. Im zweiten Jahr durfte er sogar die lettischen Punkte verteilen.


Tumsa – Pārāk daudz

2016 erkrankte Valters Frīdenbergs an Krebs. Viele Chemotherapien und Operationen schlossen sich an, die dem Künstler nicht nur körperlich zusetzten. Erst schien alles erfolgreich zu verlaufen, aber dann bildeten sich neue Metastasen. Ende des Jahres, als die lettischen Ärzte keine Hoffnung mehr sahen, den Krebs besiegen zu können, wandte er sich an die Öffentlichkeit, um ihn zu unterstützen, damit er seine Behandlung im Ausland, unter anderem an der Berliner Charité, fortsetzen konnte. Die Resonanz war enorm.

Trotz der schweren Zeit verlor er seine Liebe zur Musik nicht und stand immer wieder auf den Bühnen, die die Welt bedeuten. Wenn man sich die Bilder auf seinem Facebook-Profil betrachtet, sieht man immer wieder einen strahlenden, fröhlichen Menschen, der scheinbar die Hoffnung nicht aufgegeben hatte.

Walters & Kazha 2005 Lettland 2

Doch nun kurz vor seinem 31. Geburtstag verlor Frīdenbergs den Kampf gegen die heimtückische Krankheit.

Mit Valters Frīdenbergs verliert die lettische Showwelt ein grandioses Talent. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm verbunden waren.

Walters & Kazha Lettland 2005

Was bleibt sind die Werke, die er in seinem jungen Leben geschaffen hat, und sein Kampfgeist, den er über die Eurovision hinaus gezeigt hat, wird in Erinnerung bleiben.


Putnu balle & Kamēr – Divi eņģeļi