Deutsche Jury im Tivoli: Im Karussell der Spekulationen

ESC 2014 Deutsche Jury Präsentation gemeinsam mit Elaiza im Tivoli CPHAm Donnerstag Nachmittag, wenige Stunden vor dem zweiten Semifinale in den B&W-Hallerne in Kopenhagen, fand in einer Regenpause ein Pressetermin mit der deutschen Jury und den Mädels von Elaiza im Tivoli von Kopenhagen statt. Dabei wurde Interessantes, aber auch Erstaunliches zu Tage gefördert.

Sido, Madeline Juno, Andreas Bourani, Jennifer Weist und Konrad Sommermeyer (Co-Blogger Peter hatte die Fünf in der vergangenen Woche HIER schon einmal vorgestellt) werden heute Abend das Semifinale live in der Halle verfolgen können. Gestern Abend haben sie es ja bereits am TV-Schirm sehen können – übrigens mit deutschem Probekommentar von Peter Urban –  und haben auch ihre Wertung dazu bereits abgegeben.

ESC 2014 Deutsche Jury Präsentation im Tivoli in Kopenhagen am 8. Mai 2014

Natürlich durften heute noch keine konkreten Informationen zum Abstimmungsverhalten der Jury an das Licht der Öffentlichkeit gebracht werden. Trotzdem wurde natürlich von allen Seiten versucht, doch noch an die eine oder andere klitzekleine Information zu gelangen. Bisweilen muss dann eben auch mal ein wohlwollender oder missbilligender Gesichtsausdruck eines Jurors zu einem in die Luft gesprochenen Ländernamen reichen, um mögliche Spekulationen anzuheizen.

ESC 2014 Deutsche Jury Präsentation TV Sammelinterview im Tivoli CPH

Die Jury konnte sich offenbar auf zwei Favoriten einigen, dahinter gingen die Meinungen wohl zum Teil erheblich auseinander. Dabei scheint es vor allem die sog. „handgemachte“ Musik zu sein, die die Jury begeistert hat.

Sido, der einem nicht wirklich auf Anhieb als erste Wahl für eine ESC-Jury einfallen würde, gab zu Protokoll, dass er in den letzten drei Jahren den ESC verfolgt habe, denn schließlich habe der Wettbewerb einen ziemlichen Imagewandel hingelegt. „Wenn ein Sänger authentisch ist, dann gefällt mir auch seine Musik“, fügte er unter zustimmenden Nicken seiner Mitjuroren hinzu.

Viele Sachen seien völlig überinszeniert, obwohl das überhaupt nicht notwendig sei. „Ich sage nur Trampolin“, meinte Sido abschließend augenrollend – ebenfalls zustimmendes Nicken. Nun, Griechenland dürfte damit wohl im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Favoritenkreis der Jury herausgesprungen sein.

ESC 2014 Deutsche Jury Präsentation Andreas Bourani mit Jurypräsidentin Jennifer Rostock

Letzteres gilt scheinbar auch für Conchita Wurst. „Schade, dass Conchita nicht viel mehr für ihre Sache eintritt – es reicht irgendwie nicht, sich als Frau mit Bart auf die Bühne zu stellen, ohne das mit einem Statement zu verbinden.“ sagte Jennifer Weist. Dass sie aber genau das hier in Kopenhagen in den vergangenen Tagen sehr umfangreich getan hat, ist offensichtlich nicht bis nach Deutschland durchgedrungen. Schade.

Letztlich ginge es aber ja sowieso nur um die Musik und nicht um irgendwelche gesellschaftspolitischen Fragen, ergänzte sie und ließ einen ziemlich ratlos zurück – wie denn nun?

ESC 2014 Deutsche Jury Präsentation Jurypräsidentin Jennifer Rostock im Interview

ESC 2014 Deutsche Jury Präsentation BUNTE befragt Andreas Bourani

Sido ließ sich noch zu der Aussage hinreißen, dass er den Song aus Georgien ziemlich cool fand – lohnt sich hier etwa noch eine Last-Minute-Wette auf eine Qualifikation von Mariko & The Shin? Und wie war das eigentlich mit der Überinszenierung? Auf den neuen Blitzfavoriten Niederlande angesprochen, antwortete er jedenfalls: „Den Song habe ich noch nicht gehört – aber Holland als Land find ich schon mal gut“. Aha, ist heute aber auch erstmal egal, weil er „Calm after the storm“ sowieso erst morgen bewerten muss.

Andreas Bourani geht , dass er Elaiza am Samstag im vorderen Drittel des Tableaus erwarte. Der Song sei einfach zu catchy, als dass er erfolglos bleiben könnte. Und er lobte die drei Mädels über den grünen Klee. „Es ist toll, wie bodenständig Ela, Natalie und Yvonne geblieben sind – und das bei dem Kick-Start, den sie hingelegt haben. Da wären andere schon längst komplett durchgedreht!“

Wenn es also danach geht, was uns so zu Ohren gekommen ist, könnten zum Beispiel die Songs aus Malta, Norwegen, Georgien und Finnland ganz gut gepunktet haben – aber das kann sich in Wirklichkeit auch ganz anders verhalten. Endgültig werden wir das erst in der Nacht von Samstag auf Sonntag erfahren, wenn nach dem Finale alle Wertungen veröffentlicht werden.

ESC 2014 Deutsche Jury Präsentation Madeline Juno im Tivoli in CPH

DJ Ohrmeister hatte übrigens noch Gelegenheit für ein kurzes Einzelgespräch mit Madeline Juno, dessen Inhalt er hier in Kürze auf dem Blog veröffentlichen wird.

Ein (zunächst angebotenes) Einzelinterview mit Sido hatten wir übrigens auch angefragt. Das wurde jedoch abgelehnt – er beantwortete lediglich Fragen, die ihm die Deutsche Presseagentur (dpa) stellte. Nur wenige Stunden zuvor ließ er die Welt noch teilhaben an seinen morgendlichen Verrichtungen und taggte die Worte „ESC“ und „Kopenhagen“ tatsächlich mit dem Ausdruck „erstmalkacken“ – in dieser Kombination wahrscheinlich weltweit einzigartig… Kann man machen, muss man aber ganz sicher nicht!

ESC 2014 Deutsche Jury Präsentation Sido im Interview mit dpaSido kackt (mit Kommentaren)

Übrigens ebenfalls in Kopenhagen dabei: Tim Bendzko, „Schützling“ von Konrad Sommermeyer und im vergangenen Jahr ebenfalls Mitglied in der deutschen ESC-Jury. Diesmal fast inkognito und als Hobbyfotograf.

ESC 2014 Deutsche Jury Präsentation Tim Bendzko süss und zickig im Tivoli CPH