Deutscher Vorentscheid 2018: So spät kamen Infos nur vor Lenas Titelverteidigung und Naidoo-Gate

Gut Ding will Weile haben, sagt der Volksmund. Und dass man nicht über ungelegte Eier reden soll. In Bezug auf den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2018 hält sich der NDR mit Informationen auffallend zurück. In den meisten Jahren seit 2009/10 wussten die Fans bereits Mitte September, was auf sie im nächsten Frühjahr zukommen würde. Rückschlüsse auf das Vorentscheidformat 2018 lassen sich daraus jedoch nicht ziehen.

Vom NDR sind aktuell keine Informationen zu bekommen, wie der Vorentscheid 2018 ablaufen wird – und ob es überhaupt einen geben wird. Natürlich ist davon auszugehen, dass hinter den Kulissen ein Konzept erarbeitet wird bzw. worden ist.

In den letzten Jahren hat der NDR ganz unterschiedliche Verfahren der Kommunikation gewählt: mal kamen alle Infos auf einen Schlag, mal war Salami-Taktik angesagt, mal Krisenkommunikation. Konkret sah es in den vergangenen Jahren so aus:

 

Vorentscheid 2010: 10. September 2009

Rückblickend kam es einer Revolution gleich, als das Vorentscheid-Konzept 2010 „Unser Star für Oslo“ am 10. September 2009 vorgestellt wurde: die ARD und Pro Sieben verkündeten ihre Kooperation. Unter anderem folgte Lena Meyer-Landrut dem Casting-Aufruf und gewann später den Vorentscheid und den ESC in Oslo.

 

Vorentscheid 2011: 15. November 2010

Im Herbst 2010 ging es in ESC-Deutschland drunter und drüber, da Deutschland 2011 bekanntermaßen der Gastgeber der internationalen Show war. Da außerdem schon seit dem ESC-Finale 2010 feststand, dass Lena wieder für Deutschland singen würde, war es eigentlich nur noch eine Frage, wie ihr Lied ausgewählt werden würde. Diese Infos kamen erst im November. 

 

Vorentscheid 2012: 15. Juni 2011

So früh wie 2011 wurde in keinem anderen Jahr über den Vorentscheid informiert. Bereits im Juni kamen die ersten Informationen, wie es nach zwei Lena-Jahren weitergehen würde: nämlich mit dem Erfolgskonzept von 2010. Entsprechend auch der Name: „Unser Star für Baku“. Allerdings war das Logo neu und es gab eine Blitztabelle.

 

Vorentscheid 2013: 10. Oktober 2012

Das Ende der Kooperation beim Vorentscheid mit Stefan Raab und Pro Sieben wurde am 14. September verkündet. Einen Monat später kamen dann im Salami-Taktik-Stil weitere Informationen zum Vorentscheid 2013: Im Februar sollte es einen klassischen Vorentscheid geben. Noch etwas später wurde der Austragungsort bekanntgegeben: Hannover. Und Brainpool war weiter an Bord.

 

Vorentscheid 2014: 6. September und 22. November 2013

Der Traum eines deutschen Melodifestivalen hing im Raum, als am 6. September 2013 der deutsche Vorentscheid in der ersten Presseinformation als ein deutsches „Finale“ angekündigt wurde. Die Konkretisierung folgte am 22. November: Per YouTube-Video rief Adel Tawil Nachwuchskünstler auf, ab dem 25. November ein Video von sich hochzuladen. Offenbar nur auf Basis dieser Videos wurden die besten Newcomer zum Klubkonzert eingeladen. Dort und auch im „Finale“ setzten sich Elaiza durch.

 

Vorentscheid 2015: 8. September 2014

Same procedure as last year oder auf Deutsch: Wenn dasselbe Konzept gefahren wird wie im Vorjahr, kann man es auch früher kommunizieren. Bei so viel Routine war für uns die erneute Moderatorin Barbara Schöneberger der Aufmacher. Es konnte ja noch keiner ahnen, dass uns ein Kümmert-Gate erwarten würde. Und ein letzter Platz mit Ann-Sophie.

 

Vorentscheid 2016: 19. November 2015 und 4. Januar 2016

Was lange währt … kann auch richtig in die Hose gehen. Von einem „Shitstorm mit Ansage“ sprach später Blogger BennyBenny, nachdem Mitte November bekanntgegeben worden war, dass Xavier Naidoo für Deutschland singen solle. Der Rückzug erfolgte zwei Tage später. Am 4. bzw. 5. Januar 2016 folgten erste Informationen zum stattdessen geplanten klassischen Vorentscheid.

 

Vorentscheid 2017: 14. September 2016

Irgendwie sollte alles neu werden: Castingshow mit intensiver persönlicher Vorauswahl, eine Show und das vermeintlich verkopfteste Abstimmungsverfahren der ESC-Geschichte – diesen Ansatz präsentierte der NDR erstmals im September 2016. Dass es sich am Ende um lediglich zwei Songs handeln wurde, die zur Wahl standen, erfuhren wir erst Anfang Januar 2017. Der Rebrush des 2010-Logos entpuppte sich am Ende als vergebens.

 

Wirkliche Schlussfolgerungen in Bezug auf den Vorentscheid 2018 lassen sich aus dieser Aufstellung nicht ziehen. Der NDR hat etwa nach dem Xavier-Naidoo-Debakel bewiesen, dass man eine durchaus akzeptable Vorentscheidsendung auch in wenigen Wochen zusammenklöppeln kann. Eine Direktnominierung müsste auch erst Anfang März bekanntgegeben werden.

Lediglich eine sehr aufwändige Castingshow wird mit jedem Tag unwahrscheinlicher. Zwar erfolgte der Aufruf an die Newcomer 2014 für den Vorentscheid 2015 erst Ende November. Allerdings gab es damals auch kein persönliches Vorspielen wie 2016/2017. Vielleicht war das aber auch nicht nötig, denn mit Elaiza qualifizierte sich seinerzeit eine Band für die Wildcard, die bereits zuvor schon musikalisch aufgefallen war und professionell betreut wurde.