Deutscher Vorentscheid 2019: Der Fragebogen für die Eurovisions-Jury

Neues Spiel, neues Glück. Nach dem erfolgreichen deutschen Abschneiden in Lissabon setzt der NDR auf dasselbe Vorauswahlsystem wie im Vorjahr. Schritt eins: die Befragung der Interessierten für die Eurovision-Jury. Hier ist der diesjährige Fragebogen.

Vor nicht mal einem Jahr hieß die Eurovisions-Jury noch Europa-Panel-Jury. Aber bereits damals wurden die geeigneten Interessenten dafür per Aufruf auf Facebook rekrutiert und per Screening-Fragebogen in einem zweistufigen Prozess ermittelt.

Auch in diesem Jahr gibt es einen solchen Fragebogen. Mit der Erfahrung aus der letzten Saison im Gepäck wurden einige Anpassungen am Erhebungsinstrument vorgenommen. Alles ist etwas kürzer und fokussierter, der Kern aber identisch.

Der Aufruf zur Teilnahme auf Facebook hat den Absender U-Turn Research GmbH. Ausgelobt werden für die Teilnahme wieder zwei iPads (weiß man eigentlich, wer die im letzten Jahr gewonnen hat?).

Wer dem Link folgt oder auf www.simon-kucher.de/eurovision klickt, kommt dann auf die Befragung. Wie im Vorjahr wird diese auf www.myonlinestudy.eu gehostet. Los geht es mit dem Begrüßungstext, der Copy-and-Paste-mäßig vom Vorjahr übernommen und nur leicht aktualisiert wurde.

Während das Alter im Vorjahr nicht abgefragt wurde, kommt es in diesem Jahr an erster Stelle. Damit soll aber vor allem sichergestellt werden, dass nur Personen ab 18 Jahren an der Befragung teilnehmen. Für Jüngere ist an diesem Punkt bereits Schluss.

 

Die Eisbrechner-Frage nach der persönlich bevorzugten Musikrichtung aus dem Vorjahr ist diesmal gestrichen. Stattdessen wird gleich gefragt, ob man einen oder mehrer der folgenden Musikwettbewerbe kennt. Die Frage ist 1:1 wie 2017 gestellt.

Die folgende Frage, ob man bereits bei einem der Musikwettbewerbe seine Stimme abgegeben habe, wurde so auch im Vorjahr gestellt. Allerdings konnte man bei „Ja, für andere Formate“ noch als offene Nennung angeben, bei welchen Wettbewerb. Offenbar eine wenig genutzte und wenig hilfreiche Erkenntnis.

Anschließend folgt mit der exakten Formulierung aus dem Vorjahr die Bewertung von drei ESC-Titeln. Diese werden in variierender Reihenfolge abgefragt, stammen alle aus dem Jahr 2017 und kamen alle ins Finale:

Hovig mit „Gravity“ (21. Platz, 32 Punkte von den Zuschauern, 36 Punkte von der Jury)

Nathan Trent mit „Running on Air“ (16. Platz, 0 Punkte von den Zuschauern, 93 Punkte von der Jury)

Ilinca feat. Alex Florea mit „Yodel it!“ (7. Platz, 224 Punkte von den Zuschauen, 58 Punkte von der Jury)

Die Bewertung erfolgt ebenfalls wie im Vorjahr: Beitrag insgesamt, Sänger/Sängerin/Band, Lied und Bühnengestaltung/Video. Beim letzten Punkt ist die Bezeichnung etwas anders (zusätzlich „das Video“), weil im zweiten Abfrageblock drei Nicht-ESC-Songs als produzierte Videos bewertet werden sollen.

Nach der Einzelbewertung werden die drei Beiträge vom Befragten gerankt. Für den von ihm bevorzugten Beitrag wird wieder abgefragt, ob man ihn auch kaufen oder streamen würde und wie viele der Songs man bereits kannte.

Während im letzten Jahr ganze zwölf ESC-Songs bewertet werden mussten, sind es in diesem Jahr also nur drei. Dabei ist offensichtlich, dass einer als Jury-Favorit, einer als Publikums-Favorit und einer als mittelerfolgreicher Beitrag bei beiden Voting-Gruppen ausgewählt wurde. Offenbar reicht dies zur Einschätzung der ESC-Erfolgskompetenz der Bewerber aus.

Neu ist hingegen die Abfrage von drei Nicht-ESC-Songs. Diese sind:

ME + MARIE mit „You Don’t Know“

PICTURES mit „Promise“

Lina mit „Glitzer“

Warum hier ein kunterbuntes Fun-Lied und zwei schwarz-weiße Independent-Titel (ein schnellerer und ein langsamerer) zur Auswahl gestellt werden, erschließt sich nicht sofort. Vermutlich haben der NDR und/oder Simon Kucher weiterführende Einblicke, wie die entsprechenden Bewertungen durch die Interessenten einzuschätzen sind. Das folgende Fragen-Prozedere ist identisch mit dem der ESC-Songs.

Zum Abschluss des Fragebogens werden im Rahmen der Soziodemografie das Geschlecht und das Bundesland erhoben. Auf den Familienstand, die Anzahl der Kinder, die Nationalität, den kulturellen Hintergrund der Eltern und die berufliche Situation wird dabei im Gegensatz zum Vorjahr verzichtet. Offenbar gibt es keine Korrelationen dieser Variablen mit der Bewertungsleistung der Songs und Künstler durch den Befragten im weiteren Auswahlprozess.

Wie im Vorjahr wird dann noch gefragt, ob man Mitglied der Eurovisions-Jury werden und am Gewinnspiel teilnehmen möchte. Damit ist der Fragebogen dann schon beendet. Die in der Rekrutierung genannten 5-7 Minuten zum Ausfüllen sind somit tatsächlich darstellbar.