Deutscher Vorentscheid: Welche Rolle spielte Meworks TV bei Künstlersuche?

Woher kam der E-Mail-Aufruf an Musicalkünstler, sich für den deutschen Vorentscheid 2018 zu bewerben? Der NDR bestreitet, einen solchen Aufruf initiiert zu haben. Die Zentrale Künstlervermittlung der Bundesagentur für Arbeit bestätigt gegenüber dem Prinz ESC-Blog den Auftrag durch eine „Agentur“ und den Versand der besagten E-Mail. Nur die Agentur, die offenbar hinter dem Aufruf steckt, spielt toter Mann.

Unser Leser Frederik, der als erster unseren Bericht über die E-Mail mit dem Aufruf an Musical-Darsteller zur Bewerbung für den deutschen Vorentscheid 2018, kommentierte, verlinkte darin auch den Original-Aufruf. Dieser stammt von der Agentur Meworks TV, hinter der die Meworks GmbH mit Sitz in Köln steckt. Zu finden ist der Aufruf nach wie vor im Cache der Website von CAG Creative Arts Group e.V. Dort wurde er am 21. September 2017 veröffentlicht, mittlerweile scheint er aber von der offiziellen Website gelöscht.

Im Gegensatz zu CAG ist die Website www.meworks.tv aktuell gar nicht aufrufbar. Nach eigener Auskunft auf seiner Facebook-Präsenz produziert das Unternehmen „hochwertige Reportagen, spannende Dokumentationen, Doku-Soaps, Magazin-Beiträge, Unterhaltungs-Shows und innovative TV-Formate.“

Das Unternehmen war auch schon einmal in Sachen ESC im Einsatz, als es 2013 einen Werbefilm für die Eurovision Song Contest App produzierte.

Der im Aufruf benannte Ansprechpartner bei Meworks TV ist Leitung Casting/Recherche  und war telefonisch für uns zunächst nicht zu sprechen. Später ging niemand mehr ans Telefon, dann war eine Mailbox eingeschaltet. Wir warten aktuell auf eine Rückmeldung auf unsere Anfrage.

Leichter zu erreichen war hingegen die ZAV Künstlervermittlung Berlin. Dort sprachen wir mit dem Absender der E-Mail, die die aktuellen Recherchen ausgelöst hat. Er bestätigte, dass er „von einer Agentur“ angerufen worden sei und dann den Casting-Aufruf erhalten habe. Diesen habe er umgehend bearbeitet, mit weiteren Informationen angereichert und dann an Personen geschickt, die nicht nur Musical-Künstler sind, sondern von denen er wusste, dass sie auch sonst im Pop- und Rockbereich und/oder einer Band aktiv sind. Diese E-Mail verschickte er am 21. September, also an dem Tag, an dem der Aufruf auch auf der CAG-Website online gestellt wurde.

Drei Tage später erhielt der Mitarbeiter der Arbeitsagentur einen Anruf von der Agentur, die ihm den Aufruf zugeschickt hatte. Darin wurde er aufgefordert, den Begriff „Eurovision Song Contest“ in diesem Zusammenhang nicht mehr zu benutzen. Dieser Anweisung entsprach er und nutzte fortan die Bezeichnung „große Veranstaltung“.

In der Mail hieß es, dass interessierte Künstler bei Interesse ihre Bewerbungsunterlagen direkt an die Agentur schicken sollten. Da der Mitarbeiter der Arbeitsagentur bei einigen Mails cc gesetzt worden war, weiß er, dass diverse Bewerbungen eingereicht wurden. Bleibt zu hoffen, dass diese Aspiranten nicht die Leidtragenden des missglückten Recherche-/ Akquisitionsverfahrens sind, sondern wir womöglich eine(n) oder mehrere beim Vorentscheid im Frühjahr 2018 sehen und hören werden.