Die deutsche Stimme Olympias ist verstummt: Joachim Fuchsberger starb im Alter von 87 Jahren

Joachim Fuchsberger 1981 Deutschland

Erst vor wenigen Tagen zeigte der Bayerische Rundfunk in seinem dritten Programm noch einmal die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele von München aus dem Jahr 1972. Da die Sendung ohne Kommentar versehen war, konnte man beim Einmarsch der Nationen die markante Stimme von Joachim Fuchsberger hören, dessen Name als einer der wenigen Fernsehschaffenden sofort mit diesem Großereignis in Verbindung gebracht wird. Nun starb das Allroundtalent, das noch voller Pläne war, in seiner Heimat Grünwald bei München mit 87 Jahren. Neben seinem filmischen und präsentatorischen Schaffen machte sich Fuchsberger auch als Autor einen Namen. Unter anderem schrieb er die Texte zu zwei deutschen Vorentscheidungssongs.

Geboren am 11. März 1927 waren die ersten Jahre des Joachim Fuchsbergers geprägt durch den Zweiten Weltkrieg. Sein Weg führte ihn durch die Kriegsgefangenschaft der sowjetischen, amerikanischen und britischen Besatzungsmacht. Mit einigen Umwegen schaffte er es Anfang der Fünfziger zum Rundfunk und zum Wochenschausprecher.

Joachim Fuchsberger 1981 DeutschlandDer große Durchbruch gelang ihm in den Fünfzigern jedoch als Schauspieler. Die Rolle eines Gefreiten, dessen Aufstieg zum Leutnant in der dreiteiligen Serie „08/15“ er darstellte, machte ihm bei einem größeren Publikum populär. Mehrere Filme, in der Joachim Fuchsberger als Uniformträger oder Liebhaber auftrat, folgten. In den Sechzigern wandelte sich das Rollenschema und Fuchsberger wurde in vielen Edgar-Wallace-Verfilmungen zum Verbrechensjäger.

1972 wurde ihm dann die große Rolle des Stadionsprechers bei den XX. Olympischen Sommerspielen 1972 in München zugetragen und er begrüßte die 121 teilnehmenden Länder mit ihren Landesnamen in deutscher Sprache. Ihm fiel auch eine gewichtige Rolle zu, als die heiteren Spiele durch das brutale Attentat auf die israelische Mannschaft jäh beendet wurden. In seiner Hand lag es, ob das Olympiastadion bei der Schlussfeier evakuiert werden sollte, da es Terrordrohungen gab. Er unterließ es und die Feier ging ohne Probleme über die Bühne.

Das Fernsehen gewann Fuchsberger als Moderator und stellte mit „Auf los geht’s los“ am 22. Januar 1977 eine neue Spielshow vor, die er bis zum 15. März 1986 präsentierte. Ihm gelang es auch stets große Weltstars für seine Sendung zu gewinnen. So waren neben Caterina Valente und Mireille Mathieu Gilbert Bécaud, Al Jarreau, Barbra Streisand, Shirley Bassey, Sir Peter Ustinov und Harry Belafonte, zu dem Fuchsberger eine besondere Freundschaft unterhielt, zu Gast.

In der ersten Sendung sollte Joachim Fuchsberger noch durch den Schimpansen Charly assistiert werden, wovon er jedoch aus Tierliebe absah. Ein Schimpanse war es 1978 auch, dem der Moderator durch einen Biss eine Hepatitis-B-Erkrankung verdankte und die ihn für vier Monate auf die Isolierstation eines Krankenhauses verbannte.

Seine Gäste waren ihm immer das Wichtigste. So ließ er es zu, dass die damals 15-jährige Desiree Nosbusch eine abfällige Bemerkung über den damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß machte, was der späteren Eurovisionsmoderatorin von 1984 ein längeres Auftrittsverbot beim BR einbrachte.

Joachim Fuchsberger und Desiree Nosbusch in der darauffolgenden Sendung

Als legendär gilt Fuchsbergers Wettschuldeinlösung aus der Sendung „Wetten dass“ im Nachthemd am 22. Oktober 1983. Das Saalpublikum entschied, dass er die ganze Sendung in dem Aufzug moderieren sollte.

Joachim Fuchsberger 1981 Deutschland

Ein weiterer Moderationserfolg gelang Fuchsberger mit seiner Talkshow „Heut abend“. 300 mal lud er sich von 1980 bis 1991 Gäste ein und stellte in einem ruhigen Ambiente die Fragen.

Dem deutschen Fernsehzuschauer brachte er die Welt und vor allem seine zweite Heimat Australien näher. Die Serie „Terra Australis“ in 21 Folgen wurde auf ihn zugeschnitten.

Der Schauspielerei blieb Joachim Fuchsberger bis ins hohe Alter treu, jedoch tauschte er das Filmset mit der Theaterbühne.

Privat fand er früh sein Glück. Zunächst war er zwei Jahre mit der Sängerin Gitta Lind verheiratet, die 1964 bei der deutschen Vorentscheidung Zweite mit dem Lied „Ein Chanson in der Nacht“wurde. Für sie schrieb Joachim Fuchsberger den Text zu dem Schlager „Blumen für die Dame“.

Gitta Lind – Medley (Weißer Holunder, Blumen für die Dame, C’est si bon)

1954 traf er dann seine große Liebe Gundula Korte, mit der er fast 60 Jahre verheiratet war. Aus dieser Beziehung ging 1957 dann der Sohn Thomas hervor. Ein kleines Familienglück, das durch den plötzlichen Tod des zuckerkranken Sohnes am 14. Oktober 2010 zerstört wurde.

Joachim Fuchsberger Thomas Fuc hsberger 1981 Deutschland

Sein Sohn brachte Joachim Fuchsberger auch zum Eurovision Song Contest. Fuchsberger hatte schon für Udo Jürgens und Howard Carpendale Songtexte geschrieben. 1981 bewarb sich Thomas mit dem Lied „Josephine“ in der Sendung „Ein Lied für Dublin“ am 28. Februar um ein Flugticket nach Irland. 2.956 Punkte waren es zuletzt, die den Song nur auf Platz 7 landen ließen.

Thomas Fuchsberger – Josephine

Ein Jahr später bewarben sich die beiden Fuchsbergers erneut. Dieses Mal gewannen sie Jürgen Marcus als Interpreten und er sang „Ich würde gerne bei dir sein“ direkt vor der späteren Siegerin Nicole. Für Joachim Fuchsberger blieben als Texter zum Schluss 3.439 Punkte und Platz 5.

Jürgen Marcus – Ich würde gerne bei dir sein

Mit Joachim Fuchsberger oder „Blacky“ Fuchsberger, wie er aufgrund einer einzelnen Moderation im angetrunkenen Zustand, die er als Ersatzsprecher versehen musste, gern genannt wurde, verliert das deutsche Fernsehen einen der letzten großen und vor allem vielseitigen Moderatoren.

Seine Filme und seine Shows werden in den Herzen bleiben. Joachim Fuchsberger wird wohl auch einer der ganz wenigen Textdichter sein, dessen Name über den Tod hinaus bei den Grand Prix Fans unvergessen bleibt.