Die goldene Nachricht aus Prag: Die Tschechen haben wieder Spass am Wettsingen

Gipsy.cz Tschechien 2009

„Wie Böhmen noch bei Öst’reich war“ sang der unvergessene Peter Alexander in der Komödie „Die Lümmel von der ersten Bank (Hurra, die Schule brennt)“ 1969. Nun kehrt passend dazu Tschechien nach Österreich zurück, um 2015 am Eurovision Song Contest teilzunehmen. Das bisher erfolgloseste Land im europäischen Sangeswettbewerb unternimmt damit nach sechs Jahren wieder einen Versuch, Europa zu zeigen, dass es nicht nur letzte Plätze zu bieten hat. Dahingegen bleibt die erfolgsverwöhnte Balkanrepublik Bosnien-Herzegowina zum dritten Mal in Folge aus Kostengründen zu Hause. In Bulgarien und Griechenland steht die letzte Entscheidung noch aus.

Offizell werden wir erst im Januar wissen, welche Länder beim 60. Eurovision Song Contest am 19., 21. und 23. Mai 2015 in Wien teilnehmen werden. Jedoch heute liess die EBU (Europäische Rundfunk Union) die Bombe platzen, dass Tschechien, das seit 2009 nicht mehr teilgenommen hatte, sich im Starterfeld befindet.

2007 sang das bis dahin eher desinteressierte osteuropäische Land zum ersten Mal in Helsinki mit um die Gunst der europäischen Zuschauer,  aber die Gruppe Kabát erhielt für „Malá dáma“ nur einen einzigen Punkt und damit den letzten und 28. Platz im Halbfinale. Schon 2005 wollte man teilnehmen, aber man zog sich noch rechtzeitig wieder aus der Teilnehmerliste heraus.

Kabat – Malá dáma

2008 unternahm Tereza Kerndlová den zweiten tschechischen Versuch und wurde mit „Have Some Fun“ Vorletzte und 18. im Halbfinale. Sie konnte mit 9 Punkten glänzen und ist bis heute die erfolgreichste tschechische Teilnehmerin im Wettbewerb.

Tereza Kerndlová – Have Some Fun

Ein Jahr später wiederholte das Land den Platz 18 im Halbfinale mit der Gruppe Gipsy.cz (Foto oben) und „Aven romale“. Für das Lied konnte sich kein Land erwärmen und es wurde hinter „Copycat“ aus Belgien, das einen Punkt erhielt, Letzter.

Gipsy.cz – Aven romale

Danach stieg das Land frustriert aus. Zwar wurde im Juli schon gemeldet, dass die Tschechen auch 2015 dem Eurovision Song Contest fernbleiben, aber die Meinung hat sich wohl geändert und das Land steht im Teilnehmerfeld gelistet. Eine interne Entscheidung wird den Künstler 2015 bestimmen. Eine Kommission soll aus fünf Beiträgen den geeigneten Song für Wien aussuchen. Das Land kann sich beim vierten Versuch nur steigern.

Nach vielem Hin und Her bleibt dafür Bosnien-Herzegowina dem Wettbewerb fern. Zum dritten Mal in Folge liess sich nicht genügend Geld auftreiben, um eine Teilnahme zu finanzieren. Dabei verkündet das Balkanland fast jedes Jahr, das sie wieder mitmachen wollen, wovon wir hier 2015 (Zusage), hier 2014(Absage), hier 2014 (Zusage) und hier 2013 (Absage) auch berichteten. 18 Mal stand die Republik im Teilnehmerfeld seit 1993 und schafften 2006 mit Hari Mata Hari und „Lejla“ sogar die Bronzemedaille. Hari Mata Hari war neben der Gruppe Regina (Eurovision 2009) ein oft genannter Kandidat für Wien. Nun wird vorerst Maya Sar mit „Korake ti znam“ die letzte Teilnehmerin des Landes bleiben. 2012 wurde sie mit 55 Punkten Achtzehnte.

Regina – Bistra voda

Unklar bleibt die Situation in Bulgarien. Zunächst sah es nach einer Zusage aus, die aber kurze Zeit später wieder in eine Absage verändert wurde. Nun steht das Land wohl doch noch auf der vorläufigen Teilnehmerliste. Eine letzte Entscheidung ist noch nicht gefallen. Vielleicht hat der zweite Platz beim Kinder Grand Prix mit Krisia, Hasan & Ibrahim und „Planetata na detsata“ dazu beigetragen, dass Bulgarien noch die Hoffnung hat, nach 2007, wo man mit Elitsa Todorova & Stojan Jankulov und dem Titel „Water“ im Finale auf Platz 5 landete, wieder einmal am Samstagabend auf der Eurovisionsbühne stehen zu dürfen. Bei bisher neun Teilnahmen blieb man achtmal im Halbfinale stecken.

Krisia, Hasan & Ibrahim – Planetata na detsata

Ganz anders verhält es sich mit Griechenland. Das Land ist heiss darauf, wieder im Starterfeld aufzutauchen. Wie Bosnien-Herzegowina stand das Land in jedem Finale seit 2004. 35 Mal nahm man seit 1974 teil und siegte 2005 mit Helena Paparizou. 2013 wurde der staatliche Sender ERT dichtgemacht und ein neuer namens NERIT entstand, der aber nicht Mitglied der EBU ist. Für 2014 gab es eine Ausnahmegenehmigung, jedoch für 2015 muss der Sender die Mitgliedschaft besitzen. Beantragt ist sie, aber ob alle Kriterien erfüllt sind, dass wird sich erst im Dezember entscheiden. Sollte eine Aufnahme verweigert werden, würden wir 2015 zum ersten Mal einen Grand Prix seit 2000 ohne griechische Beteiligung sehen. 2014 wurde das Land übrigens mit der Trampolin-Nr. von Freaky Fortune feat Risky Kidd und „Rise Up“ nur 20. mit 35 Punkten.

 Griechenland Freaky Fortune feat. Risky Kidd 2014 Meet And Greet

Wir werden wohl erst im Januar endgültig sehen, wer alles 2015 dabei ist. Vielleicht gibt es ja noch weitere Überraschungen. Momentan scheint sich die Teilnehmerzahl auf 40 zu stehen, denn neben den 36 Teilnehmern aus dem Jahr 2014 (ohne Ukraine) haben momentan als Rückkehrer Serbien, Tschechien und Zypern zugesagt und bei Bulgarien ist die Entscheidung noch offen. Absagen hagelte es aus den ehemaligen Teilnehmerländern Andorra, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Luxemburg, Marokko, Monaco, Slowakei, Türkei und eben der Ukraine.