Die Türkei macht ernst: 20 Teilnehmer bei erster Türkvizyon

Türkvizyon 2013

Da muss man den türkischen Veranstaltern wirklich Respekt zollen: 20 Länder und Regionen – die Türkei eingeschlossen – konnten sie von der Teilnahme am Anti-ESC überzeugen. Mittlerweile wurden weitere Informationen zur Veranstaltung bekannt, deren Finale am 21. Dezember in der Eskişehir, der diesjährigen „Kulturhauptstadt der türkischen Welt“, stattfindet. Auch zwei Interpreten stehen bereits fest.

Ein Logo in druckfähiger Auflösung sowie eine ansprechende professionelle Website fehlen zwar noch, aber das kann in den nächsten zwei Monaten noch kommen. Wichtiger: Das türkische Fernsehen hat es tatsächlich geschafft, 20 vorrangig private TV-Stationen in Ost-Europa und Nord/West-Asien für dieTeilnahme an der Türkvizyon zu gewinnen – mit dabei auch Eurovisionsländer wie Bosnien-Herzegowina (wir berichteten).

Der Wettbewerb, der laut Website vom Eurovision Song Contest inspiriert ist, fokussiert sich auf turksprachige Länder bzw. Gebiete, in denen Türkisch gesprochen wird. Diese Türkisch-Quote wird dabei offenbar recht großzügig ausgelegt, denn in manchen der Teilnehmerländer bewegt sich der entsprechende Bevölkerungsanteil im Promillebereich. Da wäre die Teilnahme etlicher westeuropäischer Länder deutlich angezeigter…

Eskisehir im SommerEskişehir, der Austragungsort der ersten Türkvizyon, ist mit 630.000 Einwohnern eine der größten Städte der Türkei

Konkret sind folgende Länder/Gebiete dabei: Altai (autonome Republik in Russland), Aserbaidschan, Baschkortostan (autonome Republik in Russland), Bosnien-Herzegowina, Georgien, Kasachstan, Kirgisien, Krim (autonome Republik in der Ukraine), Mazedonien, Moldawien, Nordzypern, Russland, Tatarstan (autonome Republik in Russland), Tschuwaschien (autonome Republik in Russland), Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan, Weißrussland und Xinjiang (autonome Region in der VR China).

Allein schon wegen der Schalten bei der Punktevergabe in die diversen Hauptstädte, von denen nicht wenige mehr als eine Million Einwohner haben, dürfte sich das Einschalten lohnen. Dabei sind Zungenbrecher wie Gorno-Altaisk (Hauptstadt der Republik Altai), Tscheboksary (Hauptstadt Tschuwaschiens) oder Ürümqi (Hauptstadt Xinjiangs).

Ohnehin stellt sich die Frage, auf welcher Sprache moderiert und kommuniziert wird. Türkisch? Zur Sicherheit doch lieber Englisch? Oder gar Russisch, das immerhin in 15 der teilnehmenden Länder/Gebiete Amts- oder Verkehrssprache war bzw. ist? Hier rächt sich die doch recht großzügige Auslegung des Begriffs „türkische Welt“.

Eskisehir im WinterDie Winter in Eskişehir sind kalt und schneereich. Die Teilnehmer der Türkvizyon sollten ihre Bekleidung entsprechend sorgfältig wählen.

Andererseits ist es noch gar nicht sicher, ob es überhaupt zu einer Punktvergabe durch die einzelnen teilnehmenden TV-Stationen kommen wird. Bisher ist nämlich nur bekannt, dass der Sieger per SMS-Voting bestimmt wird, was nach der Kritik an dem Einfluss der Jurys beim ESC nur logisch ist. Ob dabei einfach alle Stimmen zusammengezählt werden oder doch auf Einzelwertungen der Länder/Regionen heruntergebrochen wird, ist noch nicht bekannt.

Offen ist auch eine weitere Frage: Obwohl es nur 20 Beiträge geben wird, sind dem Finale am 21. Dezember zwei Semis (19. und 20. Dezember) vorgelagert. Dort treten jeweils zehn Lieder an, von denen sich sechs für die Endrunde qualifizieren. Das bedeutet, dass im Zweifel auch schon für den Gastgeber Türkei im Semi Schluss sein könnte – was man aber sicher zu vermeiden wissen wird.

Abgesehen vom veranstaltenden Sender TRT ist keine Rundfunkanstalt dabei, die aus dem ESC-Zusammenhang bekannt ist. Selbst das türkeitreue Aserbaidschan provoziert die EBU nicht mit der Teilnahme des ESC-Senders Ictimai. Stattdessen darf der beliebteste Privatsender ATV übernehmen, der auch schon für die Veranstaltung auf seiner Homepage wirbt.

atv türkvizyonDerweil haben – wie Eurofire zu berichten weiß – verschiedene Länder Vorentscheide angekündigt: Tatarstan am 21. und Kasachstan am 24. November. Aus der Ausschreibung für das Casting zur Türkvizyon in Kirgisien, das am 23. Oktober beginnt, lassen sich weitere Infos zum großen Wettbewerb ziehen:

1) Die Songs müssen auf Türkisch oder einer Turksprache (z. B. Kirgisisch) vorgetragen werden.
2) Die Titel sollen keinen arabischen oder Fantasy-Stil haben, sondern müssen viel mehr im Stile aktueller Musik sein.
3) Die Lieder sollen mindestens drei und maximal vier Minuten lang sein.

Direktnominierungen für die Türkvizyon gibt es bereits von der Krim und aus Bosnien-Herzegowina. Die ukrainische Halbinsel wird von Fazile Ibraimova vertreten. Die Sängerin ist eher für traditionalistische Klänge bekannt ist und hat kürzlich den Musikwettbewerb Eastern Bazaar 2013 gewonnen.

Fazile Ibraimova

Emir & Frozen Camels sind ein bosnisches Rock-Projekt, dass in unterschiedlichen Line-Ups in den USA und auf dem Balkan aktiv ist. Im Geschäft ist die Gruppe seit Ende der 1990er. Im Mai dieses Jahres wurde ein Best-Of-Album veröffentlicht. Außerdem gibt die Gruppe regelmäßig und erfolgreich Konzerte in allen ex-jugoslawischen Ländern. Die grenzüberschreitende Populariät könnte hypothetisch Punkte sichern. Allerdings beim ESC. Denn bei der Türkvizyon sind die ex-jugoslawischen Nachbarn nicht dabei.

Turkvizyon-2013-Bosnie-Emir-Frozen-Camels-

Andererseits ist es mit der Beliebtheit der Gruppe möglicherweise ohnehin nicht so weit her. Den Eindruck könnte man zumindest bekommen, wenn man die Band bei Spotify sucht. Kein einziges Lied hat dort auch nur einen minalen Ausschlag bei Beliebtheit.

Emir Frozen Camels