Die Vorentscheidungsperlen der ESC-Saison 2012

Kurz bevor es in Baku los geht, blicken die 10 PRINZ-Blogger auf ihre Lieblingstitel, die es nicht nach Aserbaidschan geschafft haben. Wenig überraschend ist Skandinavien besonders stark vertreten. PRINZ präsentiert: unsere ESC-Perlen der Saison, zu denen auch Österreichs Glamour-Transe Conchita Wurst (Bild) gehört.

Jeder Blogger wurde neben ein paar plakativen Sätzen um einen einzigen Titel aus den Vorentscheidungen der Saison gebeten, der ihn nachdrücklich beeindruckt hat und der in Baku nicht zu hören sein wird. Heraus kamen diese 10 Titel aus 8 Ländern:

1. Country mit Geige von WM

WM ist Experte für England und Frankreich sowie besonders bewandt in der ESC-Musik der 60er und 70er Jahre sowie des deutschen Schlagers. Seine Perle 2012 hat er in Norwegen gefunden.

Norwegen: Petter Øien & Bobby Bare – Things Change

Norwegen setzt in diesem Jahr mit Toontji auf absolutes Jungvolk, dabei waren sie knapp davor, bei einem DER Trends des Jahres mitzumischen: Bobby Bare, geb. im April 1935 und damit ein gutes Jahr älter als der britische Vertreter Engelbert, wurde in der VE Dritter. Und was dieser für den Kaffeetassenschlager ist, ist Bobby Bare für die Countrymusik. Seit 50 Jahren im Geschäft, mit einigen Evergreens in die Musikgeschichte eingegangen (u.a. Detroit City) und seit einiger Zeit komischerweise produktionstechnisch in Norwegen verortet. Gemeinsam mit dem deutlich jüngeren Norweger Petter Øien liefert er einen klassischen Countryschlager. Und Geige ist auch dabei. Das muss man mögen, und beim ESC stößt so was ja eher auf Unverständnis (die Geige allerdings nicht!), aber ich hätte definitiv den ein oder anderen Telefongroschen locker gemacht.

Sehr hübsch das Ganze und nicht ganz so ernsthaft wie das Lied des alten Mannes aus England (obwohl das auch schön ist). Ich hätte tatsächlich Bobby den Vorzug vor Toontji gegeben, aber wer fragt mich…


2. Der bessere Danny
von Peter

Peter ist ohne Zweifel der schwedophilste aller Blogger, daher kommt seine Perle wenig überraschend aus dem Land des Melodifestivalens.

Schweden: David Lindgren – Shout it out

David Lindgrens Auftritt hat mich schon im Semi geflasht. Der schöne Kontrast der Anzug-Optik zur Club-Musik, dazu die toll ausgetanzte Choreo und die Breakdance-Einlage des Meisters persönlich sind für mich ein großes Highlight 2012. So sehr ich von Loreens simpler Performance beeindruckt bin und mich freue, dass sie dabei ist, so sehr hat mich die Niederlage von David enttäuscht. Er war dieses Jahr einfach der bessere Danny Saucedo. Ein Hammer-Ohrwurm, der einer der Überraschungshits auf der diesjährigen Eurovision Dance Nite in Hamburg war!


3. La ultima diva del Rock
von OLiver

OLiver ist schon mentalitätsbedingt südeuropäischem Liedgut stets sehr gewogen und freut sich stets über ein italienischsprachiges Lied im ESC. Obgleich Nina Zilli sicher die beste Wahl aus dem Sanremo-Festival für Italien darstellt, hat es ihm ein anderer Beitrag des Festivals auch sehr angetan.

Italien: Loredana Bertè & Gigi d’Alessio – Respirare

Ein großartiges Duett, das eine der besten italienischen Rockstimmen mit einem der erfolgreichsten Komponisten und Liedermacher zusammenführt. Wie man hört, war es wohl nicht ganz einfach, die kapriziöse skandalerfahrene Diva zu überzeugen, das Ergebnis ist allerdings äußerst hörenswert und belegte vor allem dank des Televotings Rang 4 in Sanremo. Vor genau 20 Jahren hat Loredana Bertès 1995 verstorbene Schwester Mia Martini in Malmö beim ESC brilliert, da wäre „Respirare“ in Baku natürlich eine schöne Reminiszenz gewesen… zur Studioversion von „Respirare“ gibt es zudem auch ein offenbar in London gedrehtes Video, in dem das alte Schlachtross mit Perücke an einen umnachteten Neufundländer erinnert.


4. Herzhafter Castingnachwuchs von Matthias

Matthias ist eurovisionstechnisch vor allem skandinavischem Liedgut gegenüber sehr aufgeschlossen. Sein Favorit 2012 ist ein dänischer Jungspunt mit großem Herz.

Dänemark: Jesper Nohrstedt – Take Our Hearts

Was hat die Dänen nur dazu bewogen, die eher durchschnittlich-mäßige Nummer „Should’ve Known Better“ für Baku wählen? Schließlich gab es beim Vorentscheid in Aalborg einen stärkeren Titel. „Take Our Hearts“ ist eine starke, eingängige Pop-Nummer. Gesungen wird sie von einem sympathischen jungen Mann, der offensichtlich bei Lovely Lena gelernt hat, wie man mit seinen Händen ein Herz formt. 😉 2010 wurde Jesper Nohrstedt beim dänischen „X Factor“ Dritter. Im ESC-Vorentscheid wurde der 17-Jährige dieses Jahr Zweiter. Nächstes Jahr dann vielleicht, pünktlich zur Volljährigkeit, Erster?


5. Die bärtige Lady
von Douze Points

Douze Points achtet als Discjockey (zum Beispiel bei der Eurovision Dance Nite in Hamburg) in besonderem Maße auf den tanzbaren Rhythmus eines ESC-Songs. Hinzu kommt eine spezielle Schwäche für Glamour in allen Formen. Kein Wunder daher, dass ausgerechnet dieses Lied es ihm angetan hat.

Österreich: Conchita Wurst – That’s what I am

Ja, ja, hier werden alle Klischees bedient. Das Lied ist kurz vor Trash und man hat es auch schon tausend Mal gehört (das erste Mal in den 70ern). Beim ersten Hören und Sehen war mit das zu viel und vor allem zu camp – nicht zuletzt mit dem Bart. Aber sobald man sich von überzogenen Geschmacksansprüchen verabschiedet, funktioniert das Paket. Der Auftritt berührt und macht gleichzeitig gute Laune. Dass dieser Beitrag darüber hinaus in Aserbaidschan und anderen wenig toleranten Gesellschaften zu Diskussionen geführt hätte, wäre ein weiterer Grund gewesen, Conchita Wurst das Ticket nach Baku zu überlassen.


6. Wo ein Ville ist… von DJ Ohrmeister

DJ Ohrmeister schaut schon aus professionellen Gründen SÄMTLICHE Vorentscheidungen in allen Verästelungen und scannt diese auf tanzbares Material für ESC-Disco-Abende. Seine Perle stammt daher wenig überraschend aus einem nordischen Land.

Finnland: Ville Eetvartti – Lasikaupunki

Ville sah im Finale wie der sichere Sieger aus, obwohl er sich den Fauxpas mit dem runtergefallenen Mikro leistete. Solche unprätentiösen Auftritte mit handgemachter Musik braucht der Contest, um glaubwürdiger zu werden, dafür wäre etwas weniger aufgesetzter Ausdruckstanz wünschenswert (was macht diese Tante auf dem Laufsteg bei Pernilla Karlsson da eigentlich?). Im Übrigen ist Ville mit der sympathischste Teilnehmer gewesen, den ich an dem Final-Wochenende in Helsinki kennengelernt habe. Den hätte ich gern in Baku wiedergetroffen.


7. A Girl named Pearl
von Tjabe

Tjabe spricht ein halbes Dutzend Sprachen fließend, darunter auch Niederländisch. Seine Perle (im wahrsten Sinne des Namens) unterlag Joan Franka in der Endemol-produzierten Vorausscheidung der Niederlande. Die Fachjury hätte Pearl nach Baku geschickt.

Niederlande: Pearl Jozefzoon – We Can Overcome

Die ewige Zweite. Bei „The Voice Of Holland“ unterlag Pearl Jozefzoon erst im Finale dem späteren Sieger Dean Saunders. Sie unternahm einen zweiten Versuch durch die Teilnahme an der nationalen Vorentscheidung „Nationaal Songfestival 2012“, um endlich einen ersten Platz zu erringen, doch trotz Favoritenrolle unterlag sie Joan Franka, die das Publikum mit ihrem Song „You And Me“ durch ihre Anrufe nach Baku schickte. „We Can Overcome“ ist eine klassische Ballade, die im Laufe des Vortrages wächst. Diese Art von Songs konnte schon immer meine Sympathie gewinnen. Zudem verfügt Pearl Jozefzoon über eine grandiose Stimme. Zunächst war ich sehr enttäuscht, dass die Niederlande sich nicht für Pearl entschied, doch mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass das Land im balladenstarken zweiten Halbfinale gnadenlos untergegangen wäre.


8. Karneval im Elchskostüm?
von Marc

Marc kommt aus Deutschlands Südwesten und ist dementsprechend von recht sonnigem Gemüt. Kein Wunder, dass er meist fröhliche und positive Songs bevorzugt. Seine Perle fand er genau wie WM in der Vorausscheidung Norwegens.

Norwegen: Plumbo – Ola Nordmann

„Ola Nordmann“ ist eine schöne Pop-Folk-Mitklatsch-Nummer, die mir sofort gute Laune und ein Lächeln ins Gesicht zaubert.  Ist zwar keine Jahrhundertkomposition für mich, aber vom Stil vergleichbar mit den kölschen Karnevalssongs. Und ich liebe Karneval 😉 Plumbo ist eine Größe in Norwegens Musikszene, seit ihrem 2010 erschienenen Erfolgsalbum “Råkk’n Råll Harry”und ihrem Hit “Møkkamann”.


9. Der Karpaten-Hottie von Armen 

Einige der Blogger würden es empört zurückweisen, dass die Optik eines (männlichen) Interpreten ihre Einschätzung maßgeblich beeinflusst. Armen ist diesbezüglich völlig unbefangen und nennt die Dinge beim Namen. Sein Favorit, von dem er sich gerne ausrufen lassen würde, kommt aus dem Südosten Europas.

Rumänien: Catalin Josan – Call my name

Was mir daran gefällt? Er ist sexy und süß. Außerdem ist der Song ein absoluter Ohrwurm, den man sofort mitsingen und tanzen kann. Ein typischer ESC-Song, wie man ihn zwar immer wieder hört… aber ich tue das für meinen Teil sehr gerne:-)


10. Die Schmutzwäsche des Eric Saade
von Jan

Jan gehört ebenfalls zur Schwedenfraktion der Blogger und hat hier schon mehrfach zu Molly Sandén gebloggt, die sich in Deutschland im Schatten ihres Ex Eric Saade eine kleine aber feine Fangemeinde ersungen hat. Ihr Auftritt im Melodifestivalen geriet sehr gefühlvoll und darf in dieser Liste seiner Ansicht nach nicht fehlen.

Schweden: Molly Sandén – Why am I crying

Schlimm genug, wenn Ex-Freundinnen schmutzige Wäsche in der Regenbogenpresse breittreten. Die frühere Gefährtin von Schwedens Shooting-Star Eric Saade hingegen sang im Melodifestivalen äußerst emotional über eine zu Ende gegangene Beziehung unter anderem mit der Textzeile „I don’t miss your dirty clothes on the floor“ und wurde in Tränen aufgelöst nach ihrem Auftritt von Danny Saucedo getröstet. Ob dieser seine Unterwäsche ebenfalls zwanglos in der Wohnung abwirft, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis. Soll Molly mal herausfinden…