DQ beim Eurovision Weekend 2015: "Mein Mann ist eine Drama Queen"

2015 ESC Weekend Berlin DQ Drama Queen

Wer war die erste Solo Drag Queen beim ESC – noch lange vor Conchita? Das war Peter Andersen alias DQ. Über die Wildcard im dänischen MelodiGrandPrix qualifizierte sich DQ für das ESC Halbfinale 2007 in Helsinki und belegte mit 45 Punkten nur Platz 19 bei insgesamt 28 Teilnehmern. „Drama Queen“ geriet jedoch nicht Vergessenheit sondern entpuppte sich als Fan-Evergreen, füllt heute noch den Euroclub und wird auf diversen ESC Parties gerne gespielt. Beim Eurovision Weekend in Berlin traf sich PrinzBlogger Marc zum Interview mit DQ.

PrinzBlog: Herzlich Willkommen in Berlin DQ. Blicken wir zurück ins Jahr 2007 zu Deinem ersten großen Auftritt auf der ESC Bühne. Was war damals Dein verrücktestes ESC Erlebnis?

DQ: Erstmal muss ich zugeben, dass ich als ESC Fan schon in Istanbul vor Ort war. Dann ein paar Jahre später als Künstler dein Land zu vertreten – das war größer als alles was ich mir vorstellen konnte. Besonders in Erinnerung blieb mir die allererste Probe 2007. Alles war perfekt einstudiert und dann passierte es: mir sollte die schwarze Jacke während des Auftritts vom Leib gerissen werden und es ging nicht, denn die Knöpfe waren nicht richtig eingenäht.  Die Tänzer zerrten an mir und ich wusste gar nicht wie mir geschieht. Das war ein Drama.

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PrinzBlog: Was war bei Deinem Auftritt in Helsinki die größte Herausforderung für Dich?

DQ: Ich hatte schon etwas Bedenken die Töne zu treffen, wenn ich ehrlich bin. Ich war so voller Adrenalin und Anspannung, weil alles perfekt sein sollte.

PrinzBlog: Wer waren 2007 Deine persönlichen Favoriten?

DQ: Als ich Molitva das erste Mal hörte, da dachte schon, Serbien wird gewinnen. Zypern mochte ich auch gerne und „On Top of the World“ von Edsilia finde ich heute noch klasse.

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PrinzBlog: Du hast Dich leider nicht für das Finale qualifiziert. Wie gingen die Medien mit Dir nach dem Ausscheiden um? Gab es viel Kritik in der Heimat?

DQ: Es gab erstaunlich wenig Kritik, denn die meisten Medien gaben den Ostblock-Nachbarschafts-Votings die Schuld an der Nichtqualifikation. Das war damals echt ein großes Thema. Im Jahr darauf wurde ja dann auch das System geändert und seither gibt es ja 2 Semifinals. Das finde ich persönlich besser und fairer.

PrinzBlog: Was hast Du in den Jahren danach bis zum ESC in Kopenhagen 2014 alles gemacht?

DQ: Ich hatte eine in Dänemark sehr bekannte Tina Turner Show. Das war eine schöne Zeit und dann wurde ich 2014 ja auch gefragt, ob ich „Host“ in der Euroclub-Lounge sein möchte. Das gab zwar wenig Geld, aber es hat mir irre viel Spaß gemacht. In Zukunft möchte ich auch gerne den Fokus wieder mehr in Richtung Theater und Musical legen.

DQ als Emmelie de Forrest
DQ als Emmelie de Forrest

PrinzBlog: Hat sich das Ansehen des ESC in Dänemark verändert – nach dem Sieg von Emmelie de Forrest und der Ausrichtung des ESC in Kopenhagen?

DQ: Bei der dänischen Durchschnittsfamilie hat sich das Ansehen nicht verändert. Allerdings wurde in den Medien sehr kritisch über den gesprengten Kostenrahmen geschrieben, was dazu führte, dass manche Dänen sagten ‚bitte nie mehr Eurovison‘.

PrinzBlog: Apropos ‚Nie mehr Eurovision‘ – würdest Du nochmal beim MelodiGrandPrix mitmachen wollen?

DQ: Ja klar. Ich habe es in der Tat danach auch mehrmals probiert und Titel für MelodiGrandPrix eingereicht, aber habe es nicht ins Finale geschafft. 2008 habe ich mich z.B. als Peter mit dem selbstgeschriebenen Song „The second Chance“ beworben.

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PrinzBlog: Bringst Du nicht bald ein neues Album heraus? Ist da wirklich kein geeigneter ESC Beitrag dabei?

DQ: Ja genau. Das neue Album erscheint im Herbst 2015. Ich arbeite mit tollen Songwritern zusammen wie z.B. Christina Schilling, die auch „Someday“ von Hera Björk geschrieben hat. Meine ersten beiden Singles sind übrigens bereits als Download veröffentlicht: „All with Love“ und „Dance with the Stars“.

PrinzBlog: Du warst die erste Solo Drag Queen beim ESC. Glaubst Du Du hast Conchita in irgendeiner Form den Weg bereitet?

DQ: Nein, das denke ich nicht. Wir sind zwar beide Drag Queens, aber dennoch sehr unterschiedlich.

DQ als Babushki
DQ als Babushki

PrinzBlog: Mann in Frauenkleidern – beim ESC ist das mal Top und mal Flop. Warum hat es bei Conchita so grandios geklappt und bei Dir nicht?

DQ: Zuallererst kommt es auf den Song an – und zweitens muss man auffallen, so wie Conchita mit ihrem Bart. Conchita stand im Jahr 2014 von Anfang an im Mittelpunkt und profitierte sehr vom Medienhype. Ich hatte damals das Pech, dass ich ausgerechnet im selben Jahr wie Verka Serduchka angetreten bin. Verka war von Anfang an der bunte Paradiesvogel auf den sich die Medien gestürzt haben. Ich hatte es da schwer.

PrinzBlog: Nachdem Conchita nominiert wurde, gab es viele Anfeindungen ihr gegenüber – insbesondere aus Österreich selbst. Wie war das bei Dir 2007 und wie bist Du damit umgegangen?

DQ: Ein paar Dänen waren schon verschreckt von der Vorstellung, dass nun eine Drag Queen das Land vertritt – aber öffentliche Anfeindungen gab es keine. Und Kritik macht mich sowieso eher stärker.

DQ moderierte beim Eurovision Weekend mit José
DQ moderierte beim Eurovision Weekend mit José

PrinzBlog: Was hatte der kleine Peter denn als Berufswunsch?

DQ: Mein großer Traum war es schon immer Schauspieler zu werden.

PrinzBlog: Wann bist Du zum ersten in Frauenkleidern hinaus auf die Straße und wie kam es dazu?

DQ: Das war 1997 mit der Gruppe „Naughty Voices“: wir waren 2 Jungs und 1 Mädel und machten Swing Musik.Um in das Trio zu kommen hieß es: ‚Peter, Du musst Dich als Frau verkleiden‘ und meine erste Reaktion war „No way!“. Dann habe ich es probiert und es hat mir einen riesen Spaß gemacht. Bei unseren Auftritten haben die Zuschauer immer gerätselt, wer von uns 3 die echte Frau ist…und die meisten haben auf mich getippt.

DQ als Sertab
DQ als Sertab

PrinzBlog: Hattest Du einen Spitznamen in der Szene?

DQ: Tina-Peter! Weil ich immer so gerne Tina Turner imitiert habe, vor allem wenn ich zu viel getrunken habe.

PrinzBlog: Bist Du im wirklichen Leben eine ‚Drama Queen‘?

DQ: Ich? Nein. Mein Mann ist eine Drama Queen.

Krista, Peter und Ann Sophie
Krista, Peter und Ann Sophie

PrinzBlog: Was ist der Unterschied zwischen DQ und Peter?

DQ: Wir sind uns sehr ähnlich – wie Bruder und Schwester. Der einzige Unterschied ist, dass DQ Dinge tut, für die Peter viel zu schüchtern wäre. Privat bin ich aber immer Peter. DQ zu sein, das ist für mich etwa wie Arbeitskleidung tragen.

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PrinzBlog: 2016 findet der ESC in Stockholm statt. Das ist nicht weit weg von Deiner Heimat. Wirst Du dort sein?

DQ: Ich wäre total gerne in Stockholm – am liebsten wieder als „Host“ im Euroclub. Kannst Du das nicht schreiben und ein bisschen Werbung für mich machen? Vielleicht liest es ja jemand von den Organisatoren… (lacht)

PrinzBlog: Mal schauen was sich machen lässt. Herzlichen Dank für das Interview und noch viel Spaß beim Eurovision Weekend in Berlin und bis hoffentlich im Mai 2016 in Stockholm.

DQ privat als Peter Andersen
DQ privat als Peter Andersen

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Eurovision Weekend 2015 Artists, Frank, Salman