EBU schließt Rumänien vom Eurovision Song Contest aus!

ROM 2016 Ovidiu Anton - Moment of Silence

Schlimme Nachricht für Ovidiu Anton: Die European Broadcasting Union (EBU) hat dem rumänischen Mitgliedssender TVR sämtliche Serviceleistungen entzogen. Der Sender hatte aufgelaufene Gebühren in Höhe von 16 Millionen Schweizer Franken (14,5 Millionen Euro) nicht bezahlt. Das heißt: Rumänien wird vom ESC 2016 ausgeschlossen!

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Da war er noch fröhlich. Ovidiu Anton am Sonntag vor der London Eurovision Party während der Press Meetings im Ruby Bue am Leicester Square.

Bis Donnerstag hatte die EBU der rumänischen Regierung Zeit gegeben, die ausstehende Summe nachzuzahlen, doch dies ist nicht geschehen. Heute gab die EBU deshalb bekannt, dass Televiziunea Română (TVR) nicht länger am ESC teilnehmen könne. Außerdem erhält der staatliche Sender keinen Zugang mehr zu den anderen EBU Services wie Eurovision News und dem Sports News Exchange. TVR verliert auch die Übertragungsrechte für bestimmte Sportveranstaltungen wie die Fußball-EM (für die Rumänien qualifiziert ist) und kann keine rechtliche und technische Beratungsleistungen mehr in Anspruch nehmen.

„Es ist schade, dass wir gezwungen sind, so zu handeln“, sagte EBU-Direktorin Ingrid Deltenre in der heute veröffentlichten Pressemitteilung. „Wir sind enttäuscht, dass alle unsere Versuche, diesen Vorgang zu lösen, ohne Antwort der rumänischen Regierung blieben. In den letzten Wochen hat die EBU vom Vorschlag des Finanzministeriums erfahren, möglicherweise über TVR ein Insolvenzverfahren zu eröffnen. Dies könnte zu einer nachhaltigen Restrukturierung des Senders führen.“

Das sei aber zu spät. Die EBU ist eine Non-Profit-Organsiation, die 73 Sender in 56 Länder repräsentiert. „Eine fortgesetzte Stundung der Schulden gefährdet die finanzielle Stabilität der EBU“, so die Direktorin. Laut EBU ist die rumänische Regierung gesetzlich verpflichtet, die Schulden von TVR zu begleichen. Wohlgemerkt, es geht nicht um die Teilnahmegebühr für den ESC, sondern um eine sehr viel größere Summe, die seit Januar 2007 (!) aufgelaufen ist.

Guinness Book Verleihung Jon Ola Sand Ingrid Deltenre Alexander Wrabetz ORFEBU-Direktorin Ingrid Deltenre (Mitte), hier mit ESC-Chef Jan Ola Sand und Alexander Wrabetz vom ORF bei einer Preisverleihung in Wien, zog die Reißleine im Fall Rumänien.

TVR hatte laut Deutscher Welle in einem Statement vor einigen Tagen bekannt, man habe im Januar 250.000 Euro bezahlt und der EBU mitgeteilt, mehr gehe nicht. Man habe um Verständnis und Toleranz gebeten angesichts des desaströsen Zustandes von TVR, das allein im vergangenen Jahr ein Minus von 5,4 Millionen Euro erwirtschaftet habe.

Laut EBU hat es bereits seit 2010 zahlreiche Vorschläge und Angebote gegeben, das Problem unter anderem mit Umschuldung und Zahlungsplänen zu lösen – ohne Erfolg. Vier mal habe die EBU sich an die rumänische Regierung gewandt und niemals Antwort erhalten. Zuletzt hatte die EBU der rumänischen Finanzministerin Anca Dragu per Brief vorgeschlagen, einen Anteil von 10 Millionen Franken bis zum 20. April zu überweisen und darüber hinaus eine Bankgarantie über die weiteren 6 Millionen Schweizer Franken abzugeben. Wieder reagierte niemand aus Bukarest. Die Deadline wurde noch um einen Tag erweitert, aber jetzt ist Schluss.

Tragisch für Ovidiu Anton und sehr schade für alle ESC-Fans. Die Situation hatte sich bereits in den letzten sieben Tagen abgezeichnet. Ovidiu, der vergangenes Wochenende noch bei der London Eurovision Party auftrat, hatte dem Guardian gesagt: „Ich glaube nicht, dass so etwas einem Künstler passieren sollte. Mich hat niemand kontaktiert. Ich habe nur die Gerüchte gehört und die Nachrichten gelesen. Ich versuche so zu tun, als wüsste ich nichts und werde mich weiter vorbereiten so lange, bis man mir anderes sagt. Hoffentlich wird das Problem gelöst.“

Leider ist es nicht gelöst worden.

Es ist anzunehmen, dass das Thema hohe Wellen in der rumänischen Presse schlagen wird. Sollte nicht doch noch eine Eillösung gefunden werden, heißt das, dass im zweiten Semifinale nurmehr 18 Lieder antreten. Zieht ein Land seinen Beitrag nach der Deadline zurück – wie etwa Armenien in 2012 – behält die EBU normalerweise die Startgebühr ein und verhängt eine Strafzahlung (meist 50% der Startgebühr). Ob das im Fall eines Ausschlusses ähnlich gehandhabt wird, ist nicht bekannt.

 

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