ECG-Fanclub-Treffen: Deutscher Vorentscheid 2019 in der Kalenderwoche 8 in Berlin 

Im Rahmen des Auftakts der NDR-Mini-Roadshow beim ECG-Fanclub-Treffen am 24. November in Köln verriet NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber den Austragungsort des deutschen Vorentscheids und schob die Kalenderwoche 8 als Zeitpunkt hinterher. Dann klärt sich, wer Deutschland beim ESC in Israel vertreten wird. Im Rennen sind noch sechs bis acht Acts – und lediglich zwei Songs auf Deutsch. 

Thomas Schreiber, der deutsche Head of Delegation Christoph Pellander, der musikalische Leiter der Songcamps Wolfgang Dahlheimer und Eurovision-Jury-Sprecherin Anke waren in Köln vor Ort und berichteten über den Fortgang der Vorbereitungen für den deutschen Vorentscheid. 

Zunächst wurde angekündigt, dass die geplanten Roadshow-Termine in Leipzig, Frankfurt und Bochum wohl aufgrund von Terminschwierigkeiten nicht stattfinden werden. Schreiber: „Wir hängen.“ Der Termin Hannover wird aber stattfinden. 

Im Rahmen eines Rückblicks auf das Verfahren für den deutschen Vorentscheid 2018 wurde sehr plakativ gezeigt, wie früh sich Michael Schulte als Favorit abzeichnete. So sei er bei der Experten-Jury in allen Bewertungsdurchgängen auf Platz 1 gewesen. Auch der Song „You Let Me Walk (This Road) Alone“ war der überragende Favorit – sowohl bei den Experten als auch bei der Eurovisions-Jury. Interessant dabei: die Eurovision-Jury hat ingesamt leicht niedrigere Noten verteilt als die Experten. 

Schulte habe sich dann aufgrund der sehr guten Bewertung für den Song entschieden. Das sei, so Schreiber, aufgrund des starken persönlichen Einschlags nicht logisch gewesen und hätte deshalb auch innerhalb der Familie zu Diskussion führen können. 

Sowohl Schreiber als auch Pellander zeigten sich sehr glücklich beim Rückblick auf die Pressereaktionen vor und nach dem ESC. Neben der BILD-Zeitung bekam hier auch der Prinz-Blog sein Fett weg. In jedem Fall habe das Ergebnis Bestätigung gebracht. Pellander: „Wir hoffen … , dass der ESC-Fluch gebrochen ist“. Schreiber: In den Vorjahren kam „zu Pech auch noch Scheiße dazu.“ Umso mehr bedankte er sich sich bei den anwesenden Fans für die Treue und Unterstützung. 

Pressestimmen nach dem Vorentscheid in Berlin und nach dem ESC in Lissabon

Dann ging der Blick auf die aktuell laufende Auswahl. 965 Kandidaten wurden gesichtet; 400 davon hatten sich selbst beworben, der Rest kam über Vorschläge und Empfehlungen. Eine interne, zehnköpfige Jury habe die Bewerberzahl dann auf 198 reduziert. Diese gingen anschließend an die Jurys. Es wurden sowohl Videos mit mehr oder weniger eindeutigen Ausscheidern gezeigt (mehrfach The-Voice-Auftritte) als auch von Künstlern, von denen wir berichtet haben, dass sie im weiteren Verfahren dabei waren. 

In diesem Jahr wurden 50 Mitglieder der Eurovision-Jury ausgetauscht. Dafür wurde in den sozialen Medien wieder eine Kampagne geschaltet, mit der 1,5 Mio. Menschen erreicht wurden. Davon haben sich 12.000 beworben, von denen dann die 50 „Besten“ gewählt wurden. 

Schreiber berichtete auch konkret über Drangsal. Der Künstler fühle sich wohl vom NDR schlecht behandelt und spricht das auch häufiger öffentlich an. Der NDR-Mann sagte jedoch, dass Drangsal es eindeutig nicht in die weitere Auswahl geschafft hätte. 

Wolfgang Dalheimer, der aktuell „Rücken hat“, berichtete im Anschluss von der Arbeit mit den Künstlern. Ein bis drei Stunden setzten sich die Fachleute mit ihnen einzeln auseinander, um herauszukriegen, was in ihnen steckt. Er kündigte in diesem Zusammenhang an, dass es wohl für die Juroren in diesem Jahr eine noch schwierigere Entscheidung werden dürfe, da die Acts sehr gut, aber auch sehr individuell seien. „Wir sind mindestens so gut aufgestellt wie letztes Jahr. Die Basis ist geschaffen.“

v.l.n.r.: Thomas Schreiber, Christoph Pellander, Wolfgang Dalheimer

Anschließend wurden die Videos gezeigt, die mit Aly Ryan, Gregor Hägele, Makeda produziert und den Juroren vorgelegt wurden. Aufwändig produziert, gute Stimmen. 

Der folgende Bericht vom Song Writing Camp beinhaltete die Infos, die wir auch schon von den Berichten hier auf dem Blog kannten. Arbeit in unterschiedlichen Konstellationen von morgens 10 Uhr bis abends um Mitternacht (oder länger). Am Ende entstanden pro Künstler im Schnitt 4 Titel. 

Aktuell liegen den Juroren 25 Songs aus dem Camp der sechs feststehenden Künstler vor, eines davon ein Duett. Ebenfalls dabei sind weitere Einreichungen. Auch zwei Gesamtacts stehen zur Abstimmung. Insgesamt wird also von den 120 Juroren über 30 Titel abgestimmt. Darunter sind nur zwei deutschsprachige. Der Rest ist auf Englisch. Eurovisions-Jury-Sprecherin Anke bestätigte die beiden deutschen Titel. Insgesamt war sie angetan von den Songs, wobei auch „unspannendes“ Material dabei gewesen sei. 

Thomas Schreiber im Gespräch mit Anke

Auf Fragen der anwesenden Gäste gab es um Abschluss doch noch einige Infos zum Vorentscheid: Dieser wird in der KW 8 in Berlin stattfinden. Es bleibt dabei, dass Zuschauer, Experten und Eurovision-Jury wieder je ein Drittel der Stimmen ausmachen. Jon Ola Sand wird die Zuschauerpunkte vorlesen. Neben Anke wird es auch noch einen männlichen Eurovision-Jury-Sprecher geben.