Eine Bundesvision-Siegerin singt für Tschechien

Marta Jandová

Na sowas! Unsere tschechischen Nachbarn wollen es bei ihrer Rückkehr zum Eurovision Song Contest wohl wirklich wissen: Statt eines Vorentscheids hat das tschechische Fernsehen CT heute einfach mal eben zwei Namen aus dem Hut gezaubert. Marta Jandová und Václav „Noid“ Bárta werden im Mai ein Duett singen. Und Marta hofft dabei auch auf Punkte aus Deutschland – schließlich ist sie hier gut bekannt.

Marta Jandová ist als Sängerin der Band Die Happy bekannt geworden, die sich 1993 in Ulm gründete – kurz nachdem Marta aus Tschechien nach Deutschland gezogen war. Später wurde sie vor allem bekannt, weil sie 2005 beim allerersten Bundesvision Song Contest für Baden-Württemberg antrat, gemeinsam mit der finnischen Band Apocalyptica (5. Platz, hier zu sehen). 2007 kehrte sie zu Stefan Raabs ProSieben-Wettbewerb zurück, und diesmal gewann sie den BSC zusammen mit der Band Oomph! für Niedersachsen („Träumst du?“).

Marta Jandová & Apocalyptica: Wie weit (BSC 2005)

Kurzum: Marta Jandová, die im April 40 Jahre alt wird, hat schon Song-Contest-Erfahrung. Einen weiteren Hit hatte sie zusammen mit der Band Revolverheld, „Halt dich an mir fest“.

Revolverheld & Marta Jandová: Halt dich an mir fest

Sie ist in Deutschland also wohl bekannt, u.a. auch als Jurymitglied bei „Popstars“. Im vergangenen Jahr saß sie auch in „Hlas Česko Slovenska“, der tschechisch-slowakischen „Voice“-Version, auf dem Drehsessel und macht zudem Solo-Karriere in ihrer Heimat.

Václav Noid Bárta

Weniger bekannt hingegen (zumindest bei uns in Deutschland) ist Václav Bárta, der mit Jandová gemeinsam im Mai in Wien für Tschechien singen wird. Bárta, 34 Jahre alt, liebt es auch durchaus rockig und glänzt hoffentlich nicht nur durch viele Tattoos, sondern auch mit einer guten Powerstimme. In Tschechien ist er als Frontmann der Nu-Metal-Band Dolores Clan bekannt geworden, später mit der Noid Crew. Außerdem hat er in „Jesus Christ Superstar“ gesungen.

Václav und Marta werden Tschechiens vierten Beitrag der ESC-Geschichte singen – und vielleicht gelingt dem Land ja das erste Mal der Einzug ins Finale. Womöglich heißt auch deshalb der Song, den die beiden singen werden, „Hope never dies“, ausgewählt von einer Expertenjury.

Die Hoffnung stirbt in der Tat nie. Die ESC-Historie Tschechiens war bisher wenig ruhmreich: zwei letzte Plätze in Semifinals (2007, 2009 sogar mit null Punkten) und ein vorletzter Semi-Platz 2008 stehen auf der Liste. In drei Jahren zusammen nur 10 Punkte zu ergattern, das muss man erst mal schaffen…

Die kurze ESC-Geschichte Tschechiens

Das soll dieses Jahr besser werden. Das sagt auch Marta selbst: In Deutschland schaue ja jeder den ESC, „für mich wird das doppelt interessant, weil ich weiß, dass viele meiner Freunde in Deutschland zuschauen werden“. Tschechien wurde übrigens ins zweite Semifinale gelost, das am 21. Mai stattfinden wird – und darin dürfen dann auch Martas deutsche Freunde anrufen (und nicht nur die).

Václav Noid Bárta

Václav sagt, es sei eine Ehre für ihn, sein Land zu vertreten. „Wir werden der Tschechischen Republik keine Schande bereiten!“ Beide wissen natürlich, dass in ihrer Heimat der Wettbewerb bisher kaum Interesse hervorgerufen hat. Auch wegen des Desinteresses in der Bevölkerung hatte CT ja nach drei Jahren die Reißleine gezogen und dem ESC wieder Adieu gesagt.

Doch zu recht sagt der Musikproduzent Martin Červinka, der jetzt in der Auswahljury saß: „Das ist ein Wettbewerb, der ganz Europa abdeckt, und darum sehe ich keinen Grund, dass die Tschechische Republik nicht dabei ist.“ Das Duo Jandová/Bárta hält er für eine „großartige Wahl“: „Marta hat internationale Erfahrung, was in diesem Wettbewerb sicherlich wertvoll ist. Und Noid ist ein charismatischer Sänger. Die Kombination scheint also wirklich gut“, sagt Červinka.

Václav Noid Bárta: Sám sebe ptám se („How you remind me“ von Nickelback)

Wann wir „Hope never dies“ (geschrieben von Václav) zu Gehör bekommen werden, steht in der Pressemitteilung von CT leider nicht. Wir dürfen gespannt sein!