Engelbert & Co. – die Decknamen der ESC-Sänger


Mariangela Chiara Fraschetta singt in Baku – unter falschem Namen.

Beim Eurovision Song Contest in Baku werden wir unter anderem Ayten Kalan, Arnold George Dorsey, und einem gewissen Antonije Pušić lauschen. Häh?, fragt da der versierte ESC-Fan, wer sind diese Leute? Mehr als die Hälfte der diesjährigen ESC-Solisten tritt unter Künstlernamen an oder hat den eigenen Namen etwas aufgebürstet. Wie die Stars wirklich heißen, wer am meisten Phantasie bei der Wahl seines Alter egos hatte und welche wohlklingenden Sängernamen tatsächlich echt sind, enthüllt Prinz Blogger OLiver.


In der Regel suchen Künstler, deren wahrer Name entweder zu gewöhnlich oder zu kompliziert klingt, einen eleganten, schmissigen Künstlernamen mit hohem Wiedererkennungswert. Was den britischen Schnulzensänger Arnold George Dorsey in der 50er-Jahren in den USA bewogen haben mag, die Idee seines Managers anzunehmen und sich Engelbert Humperdinck zu nennen, ist nicht leicht zu erklären. Denn Humperdinck ist eine Person der Zeitgeschichte, die von 1854 bis 1921 tatsächlich gelebt hat – ein deutscher Komponist der Spätromatik, der für seine Märchenoper „Hänsel und Gretel“ weltberühmt ist.

Offenbar war nicht die Bekanntheit des Komponisten, sondern die Skurrilität seines Namens entscheidend: Mit dem im englischen reichlich bescheuert klingenden Künstlernamen gelang Dorsey eine Weltkarriere. In Deutschland indes verlor der britische Sänger vor Gericht gegen die Erben des echten Humperdinck und muss seither hierzulande lediglich unter „Engelbert“ auftreten.

Der 75-jährige Crooner ist längst nicht der einzige, dessen Name nicht echt ist. Bei jemanden wie Rambo Amadeus liegt dies auf der Hand, aber wer hätte gedacht, dass Pastora Soler in Wahrheit Lieschen Müller (auf spanisch: Pilar Sánchez) heißt? Die Dänin Soluna Samay verwendet hingegen ihren bürgerlichen Namen, während Iris aus Belgien in Wahrheit ganz anders heißt. Gelegentlich wie bei Joan Franka wird durch den Künstlernamen auch die ansonsten erkennbare ethnische Herkunft des Interpreten verwischt. Wir haben verschiedene Varianten der Namensgebung klassifiziert:

1. VEREINFACHUNG

a) Weglassen eines Teils des vollständigen Namens


Madame Sasmi stammt aus Indonesien

Anggun Cipta Sasmi -> Anggun (Frankreich)
Filipa Alexandra Nunes Alves de Sousa -> Filipa Sousa (Portugal)
Gréta Salóme Stefansdottir -> Gréta Salóme (Island)
Kaliopi Buklé -> Kaliopi (Mazedonien)
Maja Sarihodžić -> Maja Sar (Bosnien-Herzegowina)
Sofiya Marinova Kamenova -> Sofi Marinova (Bulgarien)
Soluna Samay Kettel -> Soluna Samay (Dänemark)

b) Verkürzung zu Spitznamen oder vereinfachten Rufnamen


Jón Jósep Snæbjörnsson ist für Nicht-Isländer kaum auszusprechen 

Gaita-Lurdes Essami -> Gaitana (Ukraine)
Jón Jósep Snæbjörnsson -> Jónsi (Island)
Lorine Zineb Noka Talhaoui -> Loreen (Schweden)
Touraj Keshtkar -> Tooji (Norwegen), in Fankreisen wegen seiner offenbar noch nicht endgültig festgelegten sexuellen Orientierung auch liebevoll „Tuntji“ getauft

c) Internationalisierung auf Basis des eigenen Namens

Donatas hat die Endungen seines litauischen Vor und Nachnamens anglifiziert.

Donatas Montvydas -> Donny Montell (Litauen)
Pavel Parfeni -> Pasha Parfeny (Moldawien)


2. KOMPLETT NEUE KÜNSTLERNAMEN

Nicht alle wählen wie Max Jason Mai einen Namen, der sich nach Pornostar der 80er-Jahre anhört.

Arnold George Dorsey -> Engelbert Humperdinck (Großbritannien)
Antonije Pušić -> Rambo Amadeus (Montenegro)
Ayten Kalan -> Joan Franka (Niederlande)
Laura van den Bruel -> Iris (Belgien)
Linda Amantova -> Anmary (Lettland)
Maria Chiara Fraschetta -> Nina Zilli (Italien)
Miroslav Šmajda -> Max Jason Mai (Slowakei)
Pilar Sánchez Luque -> Pastora Soler (Spanien)

 

3. Und hier sind die ECHTEN
– Künstler, die tatsächlich im wahren Leben genauso heißen wie auf der Bühne:


Der Name ist echt, die Haarpracht auch? Rona Nishliu aus dem Kosovo singt für Albanien.

Anri Jokhadze (Georgien)
Can Bonomo (Türkei)
Eleftheria „Elle“ Eleftheriou (Griechenland)
Eva Boto (Slowenien)
Ivi Adamou (Zypern)
Kurt Calleja (Malta)
Nina Badrić (Kroatien)
Ott Lepland (Estland)
Pernilla Karlsson (Finnland)
Roman Lob (Deutschland)
Rona Nishliu (Albanien)
Sabina Babayeva (Aserbaidschan)
Valentina Monetta (San Marino)
Željko Joksimović (Serbien)

Wir haben uns hier nur um die Solisten des diesjährigen ESC-Casts gekümmert, da in den Gruppen naturgemäß keine Notwendigkeit zu wohlklingenden Künstlernamen besteht – man hat ja schon den Bandnamen. Mandinga aus Rumänien sind da eine Ausnahme. Leadsängerin Elena Ionescu lässt sich „Helen“ nennen, auch ihre Bandkollegen tragen Kurz-Namen wie Chupi, Nino und Zach.

Und beim Blick auf die Klarnamen der irischen Zwillinge ist man froh, dass die beiden unter Jedward antreten. Denn die tollen Tollen verfügen über mehr Vornamen als neu geborenene Prinzessinnen der europäischen Königshäuser. Glück für die EBU: Eine Banderole mit ihren wahren Namen John Paul Henry Daniel Richard Grimes & Edward Peter Anthony Kevin Patrick Grimes würde ansonsten ziemlich viel Platz auf dem Bildschirm einnehmen.