Ernster Vorwurf oder verletzte Eitelkeit: Universal kritisiert „Toy“ als Plagiat

Plagiatsvorwürfe gehören zum Eurovision Song Contest wie der Donner zum Blitz. Nun erwischt es im Nachgang zum Event Nettas Siegersong „Toy„. Universal Music, das größte Plattenlabel der Welt, beanstandet Ähnlichkeiten zu „Seven Nation Army“ der bei ihm unter Vertrag stehenden Band White Stripes. Ist durch die Vorwürfe der ESC 2019 in Israel in Gefahr?

Vergeht Netta bald das Lachen (Aufmacherfoto)? Während die diesjährige ESC-Siegerin mit ihrem Song „Toy“ durch Europa und über die CSD-Events tourt, hat sich im Hintergrund eine unangenehme Baustelle aufgetan: Wie mehrere Quellen übereinstimmend berichten, unterstellt Universal Music, dass sich die beiden Autoren des Liedes, Doron Medalie (Foto unten links) und Stav Beger (rechts) bei der bei dem Label unter Vertrag stehenden Band White Stripes bzw. deren Titel „Seven Nation Army“ inspiriert haben lassen sollen. Nettas Manager Ofer Menahem habe demnach den Eingang eines entsprechenden Briefes von Universal bestätigt. Dieser soll bereits vor zwei Wochen eingetroffen sein.

Der Vorwurf des Plagiats geht weniger in die Richtung der Melodie oder des Textes. Vielmehr gäbe es Ähnlichkeiten beim Rhythmus. Ein bereits vor längerer Zeit veröffentlichtes Mash-Up-Video soll dies untermauern. Allein die Veröffentlichung des Videos bei YouTube am 1. Mai, also zwei Wochen vor dem ESC, zeigt, dass diese Vorwürfe nicht ganz neu sind. Zum Teil wurden sie schon kurz nach der Veröffentlichung des Titels Mitte März geäußert.

Doron Medalie soll nun wohl am Mittwoch nach Los Angeles fliegen, um den Vorwurf mit Universal zu besprechen und Klarheit zu schaffen.

Normalerweise werden Plagiatsvorwürfe vor dem ESC geäußert, selten danach. Warum Universal diesen Vorgang einen Monat nach dem Event eskaliert, ist unklar und überraschend. Bereits im Vorfeld hatte sich ja abgezeichnet, dass „Toy“ das Potenzial zum Hit hat. Auch die nun im Raum stehende Option, dass Israel bei einer nachträglichen Disqualifikation das Austragungsrecht des ESC im nächsten Jahr verlieren würde, brächte dem Plattenlabel keinen Vorteil – zumal Wiwibloggs ESC-Nahe Quellen zitiert, wonach ein möglicher Plagiats-Prozess keine Auswirkungen auf den Austragungsort Israel haben würde.

Ist es also nur gekränkte Eitelkeit, weil Netta einen Universal-Künstler um den Sieg gebracht hat? Auch das scheint unwahrscheinlich. Zwar erschien das Debütalbum der ESC-Zweitplatzierten Eleni Foureira 2010 bei Universal Greece. Allerdings hat sie kurz nach dem ESC einen Vertrag mit Sony Music International unterschrieben. Cesár Sampson (Foto oben) hingegen, der Drittplatzierte und Favorit der Jurys, „vertraut in Sachen Endorsement und Booking auf Universal Music Group & Brands“ seit Juni Universal.

Worum es Universal tatsächlich geht, werden wir wohl nie erfahren. Vielleicht einfach nur um die Korrektheit. Das wäre nachvollziehbar. Denn wirkliche wirtschaftliche Nachteile werden weder Universal noch den White Stripes durch die vermeintliche Ähnlichkeit im Rhythmus der beiden Lieder entstehen. Oder glaubt wirklich jemand, dass ein Nutzer sich nicht den 15 Jahre alten Song der Amerikaner kauft, weil er einen ähnlichen Rhythmus bei Netta erhält?