„Es lebe das Leben“: Finnischer Sieg beim SPREE GRAND PRiX 2018

Mit deutlichem Vorsprung hat Sonja Lumme den vierten SPREE GRAND PRiX in Berlin gewonnen. Im vollen Sonntags-Club überzeugte die 80er-Jahre-Nummer aus Finnland nicht nur die Länderpaten.

„Eläköön elämä“ startete auf Startnummer 15 mitten im Feld, und als das Lied auf der großen Leinwand im Sonntags-Club im Prenzlauer Berg lief, war die Stimmung besonders gut – da wurde mitgeklatscht, und es war absehbar: Richtig schlecht würde es für den finnischen Beitrag von 1985 im Voting später nicht laufen.

Und so war es dann auch. Schon nach wenigen Wertungen lag Sonja Lumme vorn, und sie gab ihre Führung auch nicht mehr, sondern baute sie bis zum Ende aus. Dabei war das gesamte Feld wieder ziemlich stark – was sich auch daran zeigt, wie eng es hinter „Eläköön elämä“ auf den Plätzen 2-7 zuging. Die 24 ESC-Fans, die als „Länderpaten“ ein ESC-Land zugelost bekommen und aus ihrem Land jeweils einen Eurovisionsbeitrag ins Rennen geschickt hatten, hatten richtig gute Lieder ausgewählt.

So war auch der vierte SPREE GRAND PRiX wieder ein unterhaltsamer Abend und eine kunterbunte Reise durch die Geschichte des Song Contest, mit Beiträgen aus den 70er, 80er, 90er und 00er Jahren sowie Songs aus der aktuellen Dekade. Das Grundkonzept: Die von den „Länderpaten“ eingereichten Songs werden in ausgeloster Reihenfolge auf der Leinwand gezeigt (jeweils den Originalauftritt beim ESC) und dann in klassischer Grand-Prix-Manier bewertet. Die Idee für dieses wunderbare Event wurde in den späten Neunziger Jahren in Hamburg geboren und als „Hanse Grand Prix“ fast 20 Jahre durchgespielt (2014 hatte WM auf dem PRINZ Blog die „Evolution einer Schnapsidee“ nachgezeichnet). 2015 haben Berliner ESC-Fans die Idee gekapert und in Berlin übernommen.

Der Wettbewerb förderte auch in diesem Jahr wieder überraschende Perlen zutage: „Rendez-vous“, der sehr experimentelle Beitrag Belgiens beim ESC 1983 in München, sorgte für Lacher und erntete viel Applaus; auch die überraschende Wahl für Spanien („Enséñame a cantar“ aus dem Jahr 1977) wurde goutiert – zumindest mit Applaus.

 

 

Viele Punkte regnete es für Micky aber dann doch nicht, und auch Pas de Deux landeten am Ende nur auf Rang 17. Vielfach war am Abend wieder zu hören, wie schwer es sei, sich beim Bepunkten auf zehn Lieder beschränken müssen (es gilt das traditionelle ESC-Punkteschema). Das erklärt vielleicht auch, warum letztlich Beiträge wie „Storm“, „Ding-a-dong“ oder „If Love Was a Crime“ schlechter abschnitten als möglicherweise zu erwarten.

Das Pausenprogramm war dem ESC-Gastgeberland 2019, Israel, gewidmet – außerdem gedachten wir des vor wenigen Tagen verstorbenen lettischen Sängers Valters Frīdenbergs (Valters & Kaža, The War Is Not Over, ESC 2005).

Nach dem Voting konnte sich Einreicher Frank über seinen Sieg freuen – er hatte Sonja Lumme mit ihrem Beitrag vom ESC 1985 ins Rennen geschickt. Herzlichen Glückwunsch! Ebenso an Florian (Israel) und Dietmar (Deutschland), die es ebenfalls aufs Siegertreppchen schafften. Auf ein Neues im nächsten Jahr, beim 5. SPREE GRAND PRiX.

 

 

 

Das Gesamtergebnis:
(in Klammern die Startnummer)

1. (15) Finnland 1985: Sonja Lumme, Eläköön elämä (162 Punkte)
2. (4) Israel 1995: Liora, Amen (101 Punkte)
3. (12) Deutschland 1970: Katja Ebstein, Wunder gibt es immer wieder (100 Punkte)
4. (13) Australien 2016: Dami Im, Sound of Silence (96 Punkte)
5. (18) Ukraine 2007: Verka Serduchka, Dancing Lasha Tumbai (95 Punkte)
6. (11) Malta 2005: Chiara, Angel (92 Punkte)
7. (1) Österreich 2016: Zoë, Loin d’ici (89 Punkte)
7. (17) Irland 1994: Paul Harrington & Charlie McGettigan, Rock’n’Roll Kids (89 Punkte)
9. (7) Italien 1992: Mia Martini, Rapsodia (78 Punkte)
10. (24) Dänemark 2000: Olsen Brothers, Fly On the Wings of Love (73 Punkte)
11. (23) Schweiz 1980: Paola, Cinéma (71 Punkte)
12. (22) Zypern 1998: Michalis Hatzigiannis, Genesis (66 Punkte)

 

13. (20) Slowakei 2010: Kristína Peláková, Horehronie (64 Punkte)
14. (14) Norwegen 2008: Maria Haukaas Storeng, Hold On Be Strong (62 Punkte)
15. (10) Russland 1994: Youddiph, Vechniy strannik (59 Punkte)
16. (3) Bulgarien 2016: Poli Genova, If Love Was a Crime (53 Punkte)
17. (6) Belgien 1983: Pas de Deux, Rendez-vous (47 Punkte)
18. (2) Griechenland 1996: Marianna Efstratiou, Emis forame to himona anixiatika (39 Punkte)
19. (21) Niederlande 1975: Teach-In, Ding-a-dong (33 Punkte)
20. (19) Polen 2008: Isis Gee, For Life (29 Punkte)
21. (16) Spanien 1977: Micky, Enséñame a cantar (23 Punkte)
22. (5) Frankreich 2011: Amaury Vassili, Sognu (20 Punkte)
22. (8) Vereinigtes Königreich 2018: SuRie, Storm (20 Punkte)
24. (9) Lettland: Pirates of the Sea, Wolves of the Sea (5 Punkte)

 

Im Herbst 2015 fand der erste SPREE GRAND PRiX statt. Die bisherigen Sieger:
2015: Loïc Nottet, Rhythm Inside (Belgien 2015)
2016: The Common Linnets, Calm After the Storm (Niederlande 2014)
2017: Mocedades, Eres tú (Spanien 1973)